Leserbriefe

Keine Bewertung

21.07.2007, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Leserbrief Wir sind keine Sekte vom 19. Juli. Das populäre Lehrstück vom barmherzigen Samaritaner ist die spontane Antwort Jesu auf die etwas scheinheilige Frage Wer ist denn mein Nächster? Überraschenderweise war dieses Gleichnis (Lukas 10, 3037) am vergangenen Sonntag in allen katholischen Gottesdiensten dran, gemäß der alle drei Jahre wiederkehrenden Leseordnung. Gelesen wurden aber auch die fünf Verse davor, denn ohne die hinge das Gleichnis in der Luft. Wieder einmal wird Jesus abgefragt. Von einem Gesetzeslehrer. Sage mir, wie erbt man denn unendliches Leben? Jesus lässt sich nicht d verweist auf die Thora. Die hat der Fragesteller natürlich parat und gibt sich selbst die Antwort: Durch komplette heute würde man sagen ganzheitliche Liebe zu Gott, mit Herz und Hand, Sinn und Verstand. Aber auch, gleichrangig, durch Liebe zum Mitmenschen, zum Nächsten. Das Gleichnis selbst ist eine bemerkenswerte Provokation in Richtung Glaubens-TÜV aus Jerusalem. Nicht der Priester hilft dem Ausgeraubten, nicht der Tempeldiener, sondern ein Anonymer aus Samaria, vom Stamme Israel also, der vom Jerusalemer Stamm Juda in brüderlichem Religionszwist geschieden ist. Die Moral der Geschichte ist systemgefährdend und kostet Jesus letztendlich das Leben: Es kommt nicht auf das Gesangbuch an, nicht darauf, was einer sagt oder predigt. Entscheidend ist auch nicht das, was einer ist, sondern wie einer ist, also das, was einer tut.

Deswegen bleibt es mehrfach falsch und anmaßend zugleich, wenn einer behauptet, die evangelische Kirche sei gar keine richtige mehr, weil sie vorwiegend sozial arbeite. Gottesliebe kann weder auswendig gelernt noch abgeprüft werden. Ihr Gesicht bekommt sie erst in der Hinwendung zu den Menschen, die einem über den Weg laufen oder neben dem Weg auf der Nase liegen. Die Sitzordnung im Paradies lässt sich damit aber nicht ausrechnen, wie jener pharisäische Gesetzeslehrer sich wohl ausdachte. Was andere Gemeinschaften indessen so verkünden, ist mir darüber hinaus doch arg fremd und verwunderlich. So fange ich etwa mit der stufenweisen Wiederkehr Christi als ätherischer, astraler und kosmischer Christus nichts an. Das will aber nichts heißen. Das Wort secta allerdings steht im lateinischen Wörterbuch und heißt nichts anderes als Abgeschnittenes, oder Gruppierung oder Partei. Vor 85 Jahren haben Pfarrer Friedrich Rittelmeyer und Rudolf Steiner in der Schweiz aus evangelischer Theologie, katholischer Liturgie und anthroposophischer Lehre eine eigene Religionspraxis gemischt. Damit haben sie nicht gleich eine Kirche, aber eine klassische Sekte begründet. Damit ist keine Bewertung verbunden. Öffentlich-rechtliche Anerkennung bewertet allerdings, kann aber keine Wortbedeutungen aufheben.

Leserbriefe

Der Abstand zu den Windkraftanlagen

Heinz Vogel, Oberboihingen. Zum Artikel „Standorte in der Region vom Winde verweht“ vom 14. Juni. Wenn man den BW-Windatlas 2019 einmal anschaut, stellt man fest, dass darin für die betrachteten Windhöffigkeiten die maximale Nabenhöhe der Windkraftanlagen von 160 Meter auf 200 Meter angehoben…

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