Leserbriefe

Immer wieder gegen Flüchtlinge

15.03.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Gerhard Mayer, NT-Oberensingen. Liest man die oft aggressiv wirkenden Leserbriefe gegen Flüchtlinge, frage ich mich, was ist in Deutschland los nach nicht mal 80 Jahren Beendigung einer der schlimmsten Rassengesetze in der Geschichte? Da wird der Schutz der Grenzen gefordert. Heißt das, dass die Bundeswehr jetzt Panzer auffahren lässt gegen Menschen, die nichts als ein Bündel Habseligkeiten auf dem Rücken tragen?

Denkt niemand daran, dass die Migration aus Afrika eine Folge der Kolonialpolitik ist und die EU immer noch subventionierte Lebensmittel nach Afrika liefert und so den einheimischen Erzeugern die Erwerbsgrundlage entzieht? Alle, die gegen Flüchtlinge sind, kann ich beruhigen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie die Behörden am Ort tun alles, um Flüchtlinge zu vergraulen und loszuwerden. So wurde jetzt einem Flüchtling erklärt, dass er den Landkreis Esslingen nicht verlassen darf. Eine Nachfrage über den Grund, auch durch einen Anwalt, wurde bisher einfach nicht beantwortet. Auch Arbeitsgenehmigungen werden nur sehr zögerlich erteilt, selbst Praktika werden verwehrt: um die Flüchtlinge vor angeblicher „Ausbeutung zu schützen“.

Den Gegenwind bekommen jetzt ganz gezielt Menschen zu spüren, die zum Beispiel aus dem Iran wegen ihres Glaubens geflüchtet sind. Der Glaubenswechsel wird grundsätzlich angezweifelt. Ich habe Flüchtlinge zu diesen Befragungen begleitet. Es gibt vermutlich keine festgelegten Fragen. Nach meinem Eindruck ist alles recht, was Zweifel am Glauben des Flüchtlings begründen lässt. „Woher wissen Sie, dass Jesus ohne Sünde ist?“ Wer da überlegen muss, ist als Nichtchrist überführt.

Ein Flüchtling hat mir jetzt ein Gerichtsurteil aus seiner Heimat über ihn gezeigt. Die Polizei hat seine Wohnung in Abwesenheit durchsucht und dabei Rauschmittel „gefunden“. Da er es vorgezogen hatte, nicht zur Verhandlung zu gehen, deutete der Richter dies eindeutig als Schuldeingeständnis und verurteilte ihn rechtskräftig zu einer Geldstrafe und einmal zu 74 Peitschenhieben und noch mal zu 60 Peitschenhieben und acht Jahren Gefängnis. Konservative islamische Länder beurteilen die Abkehr vom Islam als Angriff auf den Staat und verfolgen diese Menschen unerbittlich. Besonders vorteilhaft ist eine Flucht nach Deutschland nicht. Die Flüchtlinge geben wegen ihres christlichen Glaubens Familie, Einkommen und Bildungsmöglichkeiten auf – gegen eine ungewisse Zukunft in Mehrbettzimmern ohne Privatsphäre in einer oft nicht gerade sauberen Einrichtung mit Wohnsitzauflage und Arbeitsverbot.

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