Leserbriefe

Hennrich versteckt sich hinter Kanzlerin

20.10.2018 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Egon Eigenthaler, NT-Oberensingen. Zum Artikel „Neue Wege für die Pflege finden“ vom 1. Oktober. Was die Jahresbilanz von Michael Hennrich mit den Demonstrationen von Chemnitz zu tun haben soll, wie Andreas Warausch in der Überschrift seines Berichts vermittelt, kann nur als Ablenkungsmanöver von Grabenkämpfen in der Bundesregierung verstanden werden. Ablenkung von einer gescheiterten Jamaika-Koalition, bei der sich FDP wie CSU von den Grünen und einer linksfreundlichen Merkel-CDU, zumindest in der Asyl-, Flüchtlings- und Einwanderungspolitik, überrumpelt sahen.

Dass die Querelen in der „GroKo“, von einer maroden Nahles-SPD geschürt, unter der Asche einer Stillhalte-Vereinbarung, zur Eindämmung der Wählerflucht vor den Wahlen in Bayern und Hessen, nicht weiterglühen würden, wollte der Abgeordnete dieses Wahlkreises (nicht „des Landkreises“ wie im Artikel erwähnt) auch nicht garantieren. Nicht mit dem Hinweis auf „Schöne Debatten, die man angestoßen habe“, über Allgemeine Dienstpflicht oder Organspende, Sozialpolitik, und auch nicht damit, dass man in seiner Partei jetzt „super kontrovers diskutiert“. Man wolle nicht wie die CSU irgendwelchen Entwicklungen hinterherlaufen. Dabei bleibt er brav geduckt im Windschatten seiner Kanzlerin. Er versäumt aber elegant, sie als die Verursacherin dieser Entwicklung zu erwähnen, die, wie er „konstatiert“, eine gesellschaftliche Spaltung erst ausgelöst hat.

Im Gegensatz zur AfD und zu Horst Seehofer, der die Migration als „Mutter aller Probleme“ bezeichnet, könnte sich Hennrich ein „Dreimonatsvisum für Arbeitssuchende“ in einem Einwanderungsgesetz vorstellen (optionales Bleiberecht inbegriffen) – also: „Alles andere als AfD“ und Seehofer wollen, aber „Merkel-like“, ein offenes Scheunentor für weitere, unbegrenzte Einwanderung.

Seine Jahresbilanz, ein Mängelbericht. Nach 16 Jahren MdB, zuständig für Gesundheit, gebe es schwere Probleme, wie gefälschte Krebsmittel, den Varsatan-Skandal sowie den Fachärzte-Notstand, gesteht Hennrich. Dem Pflegekräftemangel will er künftig mit einem „Sabbatical“ nach sieben Jahren begegnen, und den Pflegeberuf durch Akademisierung aufwerten, wie es Professor Sing vorschlug, der jüngst in einer CDU-Diskussionsrunde mit fünf weiteren „hochkarätigen Experten“ Rede und Antwort stand. Ein Pflegejahr für junge Menschen oder eine Pause für Pflege von Angehörigen lehnt Hennrich strikt ab. Ob aber ein Dr. Pfleger, nach mehreren Jahren Studium, den Pflegenotstand mildern hilft, wage ich zu bezweifeln. Erfolgsmeldungen, Perspektiven und mehr Finanzierungshilfen bleiben Mangelware, wie in seiner Bilanz. Möglich, dass der Demografie-Beauftragte Kunzmann, der die CDU-Veranstaltung eröffnete, hätte helfen können, aber auch er blieb ungefragt, wie viele kritische Zuhörer.

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