Leserbriefe

Etwas dreist?

04.03.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dr. med. Peter Speiser, Wendlingen. Zum Artikel „Ärztestreiks und Zuzahlungen unzulässig“ vom 19. Februar. Nach etwa 25 Jahren permanenten Reformierens wurde vom Gesetzgeber eine Neuordnung der ärztlichen Vergütung verfügt, die bei den niedergelassenen Ärzten und besonders im Bereich der hausärztlichen Versorgung für erheblichen Ärger gesorgt hat.

So genannte Regelleistungsvolumina legen das Gesamthonorar fest, das einer Praxis pro Quartal und behandeltem Patient zusteht, gegenwärtig sind es etwa 35 Euro. Für 11,67 Euro im Monat hat der Patient Anrecht auf eine unbegrenzte Zahl von Praxisbesuchen.

Ende 2008 wurde von der Regierung wiederholt verkündet, dass zur Verbesserung der ärztlichen Honorierung 2,5 Milliarden Euro bereitgestellt worden sind. Jetzt der vorsorgliche Hinweis der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) auf Honorarreform! Man frage sich, wo das ganze Geld geblieben ist und wie es um die Glaubwürdigkeit regierungsamtlicher Mitteilungen bestellt ist.

Fantastisch ist aus Sicht des Bundesministeriums für Gesundheit die Sache mit den Festpreisen für ärztliche Leistungen in Euro gelaufen. Am Beispiel eines gewöhnlichen Hausbesuchs soll der Trick erklärt werden: ein Hausbesuch wird mit 440 Punkten bewertet.

Meine Abrechnung vom 4. Quartal 2007 weist für AOK-Patienten einen Punktwert von 4,9 Cent aus, für Ersatzkassenpatienten einen solchen von 4,3 Cent! Der Besuch eines AOK-Patienten erbrachte damals einen Umsatz (nicht Gewinn!!) von 21,56 Euro, der gleiche Besuch beim Ersatzkassenpatienten wurde mit 18,92 Euro honoriert. Nach der jetzigen Reform liegt der Punktwert plötzlich bei 3,5001 Cent, aus Gerechtigkeitsgründen bei beiden Versicherungsgruppen!

Der Wert eines Hausbesuchs beträgt plötzlich nur noch 15,40 Euro. Ganz legal – von Seiten des Staates natürlich – wurde ein Honorarverlust von 19 beziehungsweise 28 Prozent verfügt!

Wenn AOK-Geschäftsführer Kress das als die langjährige Forderung der Ärzteschaft bezeichnet, ist das, gelinge gesagt, etwas dreist. Es geht in den Wartezimmern nicht um einen Verteilungskampf um Honoraranteile, sondern schlicht und einfach um eine angemessene Honorierung ärztlicher Leistungen.

Herr Kress hofft nun auf eine Entspannung der Honorardiskussion dadurch, dass den baden-württembergischen Ärzten nochmals 35 Millionen Euro von den Krankenkassen zur Verfügung gestellt werden. Die Antwort, woher das Geld der Krankenkassen kommen soll, wird mitgeliefert. Von Ärzten, die als Reform-Gewinner gelten!

Wie können die Verlierer-Ärzte doch noch zu einem besseren Honorar kommen? Auch hier bietet die AOK Hilfe über das Hausarztmodell an. Das Credo der Gesundheitspolitiker lautet: „Es ist genug Geld im System, es muss nur richtig verteilt werden!“

Das Geld muss aus dem System kommen, in erster Linie aus Einsparungen bei der medikamentösen Versorgung der Patienten. Wie das bei zunehmendem Bedarf teurer Medikamente gelingen soll, ist vielen Ärzten im Einzugsgebiet der AOK Neckar-Fils nicht plausibel. Sie sagen schlichtweg nein.

Auch ich hätte ein schlechtes Gewissen, mein Honorar durch Therapieeinsparungen zu verbessern.

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