Leserbriefe

Energie für Engagement

17.12.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hans Peter Weiß-Trautwein, Frickenhausen-Linsenhofen, Pfarrer. Zu den Leserbriefen „Blick in Katakomben“ und „Trauern statt feiern?“ vom 12. Dezember. Zwei Leser setzten sich kritisch mit geistlichen Handlungen auseinander (Gebet für Arbeitslose, Segen für Straßen). Ich verstehe das Anliegen hinter den Briefen, bitte aber um Verständnis: Nichtreligiöse Menschen sehen wohl im Beten Zeitverschwendung. Im Sinne von Beten statt Helfen. Das ist für Christen aber gerade nicht so. Unser Gebet rechnet mit Gottes Parteinahme für Menschen in Not. Deshalb rufen wir ihn an. Das ist für uns auch kein Ersatz für praktische Hilfe. Denn Menschen, die ihre kostbare Freizeit für Gebete opfern, opfern auch viel häufiger als nicht betende Menschen ihre restliche Freizeit, um anderen Menschen ehrenamtlich zu helfen. Gebet gibt Energie für Engagement.

Aus dieser Tatsache schließe ich, dass wir sogar noch mehr Menschen bräuchten, die beteten. Und aus dem Gebet Kraft schöpften, um zum Beispiel als Freiwillige in der Nürtinger Vesperkirche Zeit, Arbeitskraft oder Geld zu spenden. Oder in Arbeitsloseninitiativen. All das aus Nächstenliebe, ohne die jedes Gebet für Christen geheuchelt wäre. Gibt es eine stärkere öffentliche Selbstverpflichtung der Kirche als ein öffentliches Gebet? Ich finde es daher auch evangelisch vorbildlich, dass der Bischof von Rom für Arbeitslose betet.

Und das Gold des Vatikans (es liegt übrigens nicht in Katakomben)? Diese einzigartigen Kultur- und Kunstschätze wirklich verkaufen? Der Vatikan ganz wie der Berlusconi-Staat? Das Grab des Petrus privatisiert? Michelangelo auf den Flohmarkt? Sakrale Kunst verkörpert doch Liebe, Klage, Dankbarkeit, Andacht vieler Menschen, nicht ihr Geld. Ich sehe ein, dass nichtreligiöse Menschen das nur schwer verstehen, bitte aber um ein Stück Toleranz und Respekt.

Zum Straßen-Segen: Ein guter, wichtiger Einwand. Ökologisch ist Landverbrauch zu verurteilen. Da gehen die vielen ökologisch engagierten, bewusst lebenden Christen ganz einig. Schließlich geht’s um Gottes Schöpfung. Nun ist aber diese Straße demokratisch beschlossen und gebaut. Tausende nutzen sie. Was sollen wir jetzt tun? Den Segen verweigern? Gar Flüche aussprechen? Kann denn ein Notarzt die Hilfe auf der neuen Straße verweigern, weil er politisch gegen Straßenneubauten ist? Sicher nicht. Ich bin den Pfarrers-Kollegen daher dankbar, dass sie die Straßeneröffnung bewusst und wohlüberlegt mit dem Segen begleitet haben. Auch eine Straße verlangt Menschen, die klug und vernünftig mit ihr umgehen, eben segensreich.

Leserbriefe

Warum wurde Freibad nicht früher geöffnet?

Friedhelm Horn, Rotenburg. Zum Artikel „Freibad öffnet Montag“ vom 10. Mai. Der Liebe wegen bin ich fast jedes Wochenende in Nürtingen. Ich bin passionierter Schwimmer und bin von der Qualität des Hallenbades und des Freibades in Nürtingen begeistert. Problem ist nur: Das Freibad ist nicht…

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