Leserbriefe

Ein Programmierer „spielt“ Volk

20.10.2011 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Rolf Priesmann, Nürtingen. Nun sind wir also so weit. Ein „freischaffender Programmierer und Erfinder“, der 47-jährige Raimund Popp aus Nürtingen, „spielt“ Volk. Mit Hilfe des Internets will er – außerhalb der bisher geltenden demokratischen Regeln – Frau Grau zur Oberbürgermeisterin küren lassen. Die derzeitige Bürgermeisterin, die sich allerdings gar nicht zur Wahl gestellt hat. Aber das interessiert jemanden wie Popp nicht. Und so verschickt er Mails an alle möglichen Leute und verbreitet in seinem Forum seine Erkenntnisse, was das Zeug hält. Motto: Macht alle mit! Ich wette, wir schaffen das! Und viele fallen darauf herein.

Natürlich ist das derzeitige OB-Kandidatenangebot nicht prickelnd. Einer, dessen größte Stärke offensichtlich im Bizeps sitzt. Und der keine Ahnung vom „Geschäft“ hat. Einer, der Probleme hat, zwischen „mein“ und „dein“ zu unterscheiden. Und ebenfalls keine Ahnung vom „Geschäft“ hat. Und schließlich einer, der sich im Laufe seiner Amtszeit bei Manchen unbeliebt gemacht hat. Aber Erfahrung hat und zumindest genau weiß, was Sache ist.

Aber wettet man deshalb, ob man es schafft, jemand ganz anderen zum OB zu krönen? Ist sich der Erfinder Popp eigentlich im Klaren darüber, was er seit Wochen wirklich treibt? Er spielt. Und schreibt dabei ständig von Demokratie. In Wirklichkeit aber versucht er hartnäckig andere zu manipulieren. Nicht nur eventuelle Wähler. Sondern auch Frau Grau. In der naiven Meinung, wenn er nur genügend Nürtinger in seinem Sinne beeinflussen kann, wird ihr wohl nichts anderes übrig bleiben als anzunehmen. Aber was ist, wenn Frau Grau auch dann ablehnt? Zu verdenken wäre es ihr nach dieser chaotischen Ochsentour kaum. Und was kommt dann?

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