Leserbriefe

Die Sicht auf Amerika

11.07.2007, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Ray Schneider, Neuffen. Zum Artikel Die Täter sind immer die anderen vom 3. Juli. Der neueste Artikel vom Amerika-Korrespondenten Markus Günther ist der letzte in einer Reihe von überhöhnischen Artikeln über Amerika. In den letzten zwölf Monaten hat Herr Günther nur gespottet über Hilary Clintons Ankündigung zur Präsidentschaftskanditatur, über die Tradition einer jährlichen Rede des Präsidenten vor dem Kongress und der Nation, über die Stadt Bethlehem (Bundesstaat Pennsylvania) und deren Weihnachtsdorf und zuletzt über ein Mahnmal für die Opfer des Kommunismus in Washington, D. C. Sicher gibt es Aspekte von allen vier Themen, die typisch amerikanisch sind und worüber man lachen oder den Kopf ein bisschen schütteln könnte. Aber Herr Günther verwendet ständig sarkastische Ausdrücke und präsentiert sehr selten beide Seiten eines Themas. Das finde ich sehr enttäuschend von einem Korrespondenten einer ansonsten sehr guten Zeitung.

Herr Günther schreibt: In den USA gibt es so viele Mahnmale wie Telefonzellen und Mahnmale breiten sich schneller als das Filialnetz der Kaffeehaus-Kette Starbucks aus. In seinem Artikel über Bethlehem, Pennsylvania, hat er sich lustig über eine Kleinstadt gemacht, deren Stahlindustrie einst ein Weltführer war, aber dann durch ausländische Konkurrenz in die Pleite ging. Ohne den größten Arbeitgeber gab es Tausende Arbeitslose in Bethlehem und wie viele andere Städte in der westlichen Welt hat diese Stadt nach Alternativen gesucht, nämlich hat sie sich wegen ihres weihnachtlichen Namens als Weihnachtsdorf vermarktet. Herr Günther hat mit spöttischen Metaphern und Bemerkungen seinen Lesern klar gemacht, wie kitschig Bethlehem ist, aber er hätte auch über die ernsthaften Anstrengungen einer Stadt ohne Industrie und Arbeitgeber schreiben können.

Vor lauter gescheiten Redewendungen oder bissigen Kommentaren über Amerikaner oder Amerika fehlt es Herr Günthers Artikeln oft an Sachlichkeit, Bilanz und Korrektheit. Er schreibt, dass es kein Museum gibt, das die Vertreibung der Indianer dokumentiert. Tatsache ist aber, dass das National Museum of the American Indian, in Herr Günthers Wohnort Washington, D. C., genau dies tut. Er wirft den Amerikanern vor, immer wieder Mahnmale für Opfer von Gewalt in weit entfernten Ländern zu errichten. Aber hat er seinen Lesern erklärt, dass dies so ist, weil das amerikanische Volk aus Menschen vielerlei Herkunft besteht, von denen manche in ihren Heimatländern unterdrückt waren und ihrer Vergangenheit gedenken wollen?

Es gibt viel in Amerika zu bemängeln, besonders seit George W. Bush im Amt ist. Es gibt aber auch viel in Amerika zu loben. Ich erwarte nicht, dass Herr Günther es genauso sieht wie ich. Aber ich erwarte, dass ein Amerika-Korrespondent sachlicher und etwas ausgeglichener schreibt und dass er das Land, in dem er wohnt, nicht immer ins Lächerliche zieht.

Leserbriefe

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Sem Schade, Wendlingen. Zu den Leserbriefen „Der deutsche Weg zum Klimaschutz“, und „Blauäugig oder einfach böse?“ sowie „Boris Palmer ist für mich kein Rassist“ vom 18. Mai. Man kann sich ja über den Konzern Google streiten, in puncto Recherche ist er aber unser Freund. Man kann sich in…

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