Leserbriefe

Die Kirchensteuer wird auch verordnet

04.05.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Christoph Traube, NT-Neckarhausen. Zum Artikel „Kreuzpflicht im Kreuzfeuer“ vom 26. April. „Das Kreuz lässt sich nicht verordnen“ ruft der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, dem bayerischen Ministerpräsidenten, Markus Söder, zu. Durch den Beschluss zur Kreuz-Pflicht in Behörden sei „Spaltung, Unruhe, Gegeneinander“ entstanden so kritisiert der Münchner Erzbischof die bayerische Landesregierung.

Diese Kritik – ausgerechnet von kirchlicher Seite – erstaunt mich dann doch. Hat Kardinal Marx eigentlich mal zu Ende gedacht, was er da sagt? Lässt sich das Gleiche nicht auch über die Kirchensteuer sagen?

Interessant ist in dem Zusammenhang, dass auch der frühere Papst Benedikt XVI. inzwischen zu den zahlreichen Kritikern der Kirchensteuer gehört. Nach ihm gebe es durch die Kirchensteuer einen „etablierten und hoch bezahlten Katholizismus, vielfach mit angestellten Katholiken, die dann der Kirche in einer Gewerkschaftsmentalität gegenübertreten“. Für diese sei Kirche nur ein Arbeitgeber. Die religiöse Dimension der Kirche als von Gott eingesetzter Gemeinschaft, als Kirche Jesu Christi (Mt. 16, 13–19), gehe verloren. Die Kirchensteuer führt zur Verweltlichung der Kirche.

Bisher wurde diese Kritik, die ja immerhin von einem ehemaligen Papst kommt, von den deutschen Bischöfen vollständig ignoriert. Wenn aber der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, wirklich der Meinung ist, das Kreuz ließe sich nicht verordnen, dann sollten die Bischöfe auf die Kirchensteuer verzichten. Wenn das Kreuz nicht verordnet werden kann, darf auch der Beitrag, den jeder Gläubige für den Unterhalt der Kirche leisten muss, nicht von oben verordnet und vom Staat eingetrieben werden.

Wenn allerdings Papst Benedikt mit seiner Kritik recht hat, wird natürlich genau das nicht passieren: Denn welcher hoch bezahlte Funktionär verzichtet schon auf sein Gehalt? Lieber gibt man anderen gute Lehren. Zum Beispiel Markus Söder.

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