Leserbriefe

Die Kirche und der Staat

27.01.2010 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Helmut Weber, Aichtal. Zur Umfrage „In welche Themen darf oder soll sich die Kirche einmischen?“ vom 23. Januar. Bedenkt man, dass minimalste religiöse Minderheiten (zum Beispiel Großinvestoren, militante Moslems, der Vatikan, auch der Zentralrat Deutscher Juden) direkten wesentlichen politischen Einfluss auf die Weltbevölkerung beziehungsweise auch „nur“ auf ein Volk nehmen, wird die Käßmann-Bemerkung (die einer Kirchendienerin) zum Krieg in Afghanistan (eine grenzenlose mitmenschliche Positionierung gepaart mit Geschichtsbewusstsein) zur vergleichsweisen politischen Lächerlichkeit, nicht zur inhaltlichen.

Hier findet kein zielbewusster politischer Zugriff mit Mitteln einer materiellen oder geistigen Gewalt statt, sondern eine Aufforderung zum Denken. Die Trennung von Kirche und Staat kann nicht bedeuten, dass sich der Staat keine geistliche Kritik leisten muss (die Kirche ist eine zweiseitig begehbare Insel im Staat) – es sei denn, diese Kritik wäre ein unmittelbarer personenbezogener Angriff selbst gegen Staatsvertreter beziehungsweise eine konkrete Positionierung bei sich eben rechtsstaatlich vollziehenden politischen Auseinandersetzungen oder gar volksverhetzend – was zur Grundgesetzhaltung eines Staats relativiert werden muss (siehe Leipzig Nikolai-Kirche 1986 bis 1990).

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