Leserbriefe

Die Aussagen stimmen so nicht

22.05.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Fabian Wolf, Nürtingen. Zum Artikel „Neue Spar-Ideen gesucht“ vom 19. Mai. „Mit einer Transaktionssteuer würden Finanzgeschäfte steuerlich gleichgestellt mit der Realwirtschaft. Während etwa Industriefirmen beim Kauf von Rohstoffen über die Mehrwertsteuer vom Staat zur Kasse gebeten werden, werden Spekulationen an Börsen und Finanzgeschäfte nicht besteuert, sondern nur die erzielten Gewinne.“

Diese Aussage ist schlichtweg falsch. Zunächst einmal wird kein Unternehmer (ausgenommen Kleinunternehmer nach Paragraf 19 Umsatzsteuergesetz) beim Kauf von Rohstoffen über die Mehrwertsteuer zur Kasse gebeten. Die MwSt ist eine indirekte Steuer, die zwar vom Unternehmer zu bezahlen ist, wirtschaftlich aber ausschließlich den Endkunden belastet – denn Unternehmer bekommen sie in Form der Vorsteuer zurückerstattet! Die angeführte Industriefirma versteuert somit auch nur ihre Gewinne, während der Endkunde den am Produkt geschaffenen „Mehrwert“ (mittelbar über den Kaufpreis) versteuert. Und natürlich wird auch bei Finanzgeschäften nur der erzielte Gewinn versteuert. Das macht Sinn, denn die Besteuerung des erzielten Gewinns ist bereits eine Art „Transaktionssteuer“. Bei fast jeder Transaktion gibt es also einen, der dabei verdient, und der zahlt die Steuer.

Der Wunsch, eine Transaktionssteuer so auszugestalten, dass beide Parteien, also auch der Verlierer seinen Verlust beziehungsweise seinen Einsatz zu versteuern hat, ist dagegen wenig nachvollziehbar und würde dazu führen, dass nach einer bestimmten Anzahl Transaktionen das eingesetzte Kapital komplett versteuert ist. Wird eine Steuer gar auf die gesamte Risikosumme einer Transaktion erhoben, müsste unter Umständen mehr als das eingesetzte Kapital als Steuer abgeführt werden. Das ist Quatsch und sollte jedem ersichtlich sein.

Des Weiteren heißt es im Artikel: „Die Steuer trifft die mit schnellen Kapitalumschichtungen arbeitenden Spekulanten“ und „Hedgefonds gelten wegen ihrer oft riskanten Wetten als mitverantwortlich für globale Finanzkrisen“. Dass Spekulanten und Hedgefonds gemeinhin als Krisenverursacher oder Heuschrecken gebrandmarkt werden, daran hat man sich ja inzwischen gewöhnt. Die Position der Politiker ist dabei nachvollziehbar: Die Schuld an der Misere einer abstrakten Gruppe von Menschen in die Schuhe schieben. Das ist einfach, solange sich der Großteil der Bevölkerung unter Puts, Calls oder Swaps nichts vorstellen kann. Von den Medien wünsche ich mir jedoch etwas mehr Recherchearbeit und Aufklärung. Dass die Einführung von Transaktionssteuern und Hetzjagd auf Spekulanten reiner Populismus ist, wird klar, sobald man sich damit beschäftigt, wie zum Beispiel ein Hedginggeschäft aussieht, oder man sich klarmacht, dass das Tanken am Montag, in der Erwartung eines höheren Preises am Dienstag, ein ähnlich geartetes Spekulationsgeschäft auf den Basiswert Benzin ist.

Leserbriefe

Burka erniedrigt die Frauen

Elsa Neufeld, Nürtingen. Zum Artikel „CDU-Politiker Frei hält Burkaverbot für nicht machbar“ vom 12. August. Eine Burka ist für mich das abscheulichste und absurdeste Kleiderstück, das eine Frau zu tragen hat. Warum lässt unsere deutsche Verfassung ein generelles Burkaverbot nicht zu? Wen…

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