Leserbriefe

Die Ärzte und das Geld

12.03.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Helmut Hartmann, Nürtingen. Die Leserbriefe von Ärzten, in denen sie ihre Einkommenssituation beklagen, nehmen zu. Weil offensichtlich viele Versicherte die Zusammenhänge nicht kennen, ich seit vielen Jahren die Problematik in der Selbstverwaltung der AOK mitbekomme, möchte ich meine Sicht der Dinge einmal darlegen.

Bisher waren die Einkommen der Ärzte im Grundsatz an die Grundlohnsumme gekoppelt. Wenn die Grundlohnsumme anstieg, stieg auch der Punktwert der ärztlichen Leistung, wenn der Grundlohn stagnierte (wenn etwa viele Beschäftigte Lohnrückgang hinnehmen mussten), stagnierte auch der Punktwert der ärztlichen Leistung. Wenn Ärzte dann viele Punkte abrechneten oder sich die Zahl der Ärzte erhöhte, reduzierte sich der Punktwert, da die Gesamtsumme begrenzt war.

Diese Bewertung der Punkte war Sache der Kassenärztlichen Vereinigung KV (nicht der Krankenkassen), in der alle niedergelassenen Ärzte „Mitglied“ sind. Dass es in der KV immer mal wieder Streit darüber gab, welche fachliche Leistung wie viel Punkte wert ist, ist allgemein bekannt. Die KV hat auch den sogenannten „Sicherstellungsauftrag“, der den Patienten die ärztliche Versorgung garantiert, als Gegenleistung für die Beiträge.

Die Ärzte waren aus meiner Sicht mit vor allem zwei Dingen nicht zufrieden: Zum einen wollten sie keine Punktwerte, sondern Geldbeträge pro Leistung. Zum anderen mit der oftmals geringen Einkommenssteigerung, was das gesamte Budget betraf.

Durch die Einführung des Gesundheitsfonds, der die Einnahmen aller gesetzlichen Krankenkassen vereinheitlicht, hat sich eine ganz neue Situation ergeben. Der Gesetzgeber legt damit fest, wie viel insgesamt eingenommen wird durch Beiträge und Steuern. Und der Gesetzgeber hat die Regeln der Verteilung an die Krankenkassen neu gestaltet.

Leider hat der Gesetzgeber nicht den Mut gehabt, die privaten Krankenkassen bei der solidarischen Verteilung einzubeziehen. Der Gesetzgeber hat aber dem Wunsch der Ärzte entsprochen und es gibt jetzt Geldwerte statt Punktwerte. Diese Geldwerte wurden bundesweit einheitlich festgelegt. Bei der bundesweiten Geldwertverteilung war die Kassenärztliche Vereinigung maßgeblich beteiligt. Der Gesetzgeber hat, in Abkehr vom System der Grundlohnsumme, zum 1. Januar 2009 das gesamte Budget um fast drei Milliarden erhöht. Dies war ein Grund für die kräftige Erhöhung der Krankenkassenbeiträge. Jetzt ist es Sache der KV, die Verteilung unter den Ärzten zu organisieren. Ob das System gerechter ist und wie sich das Einkommen der Ärzte auf Dauer verändert, kann erst dann beurteilt werden, wenn mehrere Quartale abgerechnet sind.

Gesetzlich gibt es nun auch die Möglichkeit, dass zwischen Ärztegruppen und Krankenkassen Verträge abgeschlossen werden außerhalb des Verteilsystems der KVen. Die AOK bietet diesen „Hausarztvertrag“ an, der für Patienten und Ärzte neue, bessere Versorgung ermöglicht. Leider wird das Ganze damit aber noch komplizierter.

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