Leserbriefe

Das Ansehen der Polizei hat gelitten

20.08.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Joachim Braun, Wolfschlugen. Zum Leserbrief „Polizei hat keine aggressiven Hunde“ vom 15. August. In nur zwei Punkten gehe ich konform mit Herrn Kiefer. Erstens, dass Polizeihunde nicht aggressiv sind, denn sonst hätte der Polizeihund dem jungen Mann das betroffene Körperteil abgebissen. Zweitens, dass Werte, Respekt, Regeln und Gesetze zu erkennen und zu akzeptieren sind. Dann nennt Herr Kiefer hier den Paragraf 32 BVFG (Bundesvertriebenengesetz). Er meint wohl Paragraf 32 Strafgesetzbuch (Notwehrgesetz). Genau diesen sollte er sich mal genau durchlesen. Den müssen Jiu-Jitsu-Schüler (gehört auch zur Ausbildung der Polizei) schon zur Prüfung zum fünften Kyu-Grad auswendig kennen.

Rechtmäßig ist nur die Verteidigung, die zur Abwehr eines gegenwärtigen, rechtswidrigen Angriffs erforderlich, das heißt notwendig ist. Bloße Belästigung ist kein Angriff. Auch nicht die Frage nach einer Dienstnummer. Auch ein Sicherheitsbereich wurde von dem betreffenden Beamten nicht ausgerufen. Warum sollte ein 19-Jähriger nicht nach einer Dienstnummer fragen dürfen? Noch leben wir in einem demokratischen Staat mit einem Grundgesetz und nicht in einem Polizeistaat. Die an diesem „Kistenrennen“ Beteiligten waren überwiegend Personen mit Hochschulreife. Wenn es so, wie es im Polizeibericht gestanden hat, gewesen wäre, nämlich dass sich bei seinem Eintreffen 50 Personen dort aufgehalten haben sollen, war es dann nicht fahrlässig von ihm, als einzelner Polizist aus einem Zivilauto auszusteigen? Hier stellt sich die Frage, wer Stärke beweisen wollte.

Von Augenzeugen wurde mir geschildert, dass an einer Brücke, 500 Meter von der Hundestaffel entfernt, ein Streckenposten aufgebaut war, Ziel sollte ein in der Nähe liegender Grillplatz sein. Zu dem Zeitpunkt, als der Polizeibeamte eintraf, waren es zirka zehn bis 20 Personen und nicht wie geschrieben 50 bis 60 Personen. Der Polizeibeamte sei ausgestiegen, habe seinen Ausweis gezückt und den Platzverweis ausgesprochen. Als er sich wieder abgewandt habe, sei der 19-Jährige auf ihn zugegangen und habe sich nach der Dienstnummer erkundigt. Darauf hin habe der Polizeibeamte geschrien „Jetzt reicht’s mir aber“ und seinen Schlagstock herausgeholt, sein Auto geöffnet und seinen Schäferhund auf den 19-Jährigen losgelassen. Der Hund habe den Mann in die Hoden gebissen, aber sich nicht mehr gelöst. Der Mann habe vor Angst und Schmerzen geschrien. Doch der Polizeibeamte habe seinen Hund nicht zurückgerufen. Erst dann sei er von drei Personen bedrängt worden, seinen Hund zurückzurufen, aber in keiner Weise angegriffen worden. Darauf habe der Polizist seinen Notruf „Beamter in Bedrängnis“ rausgelassen. Als die zehn Streifenwagen eingetroffen seien, hätten sich bis zu 60 Personen angesammelt.

Was sich dann ereignete, wurde von Herrn Hähnel ja erläutert. Es ist schon befremdend, wie Herr Kiefer eine Gruppe harmloser junger Leute mit Gewaltbereiten gleichstellt. Ob die Polizei in diesem Fall richtig gehandelt hat, sollte Herr Kiefer der Justiz überlassen. Fakt ist, das Ansehen der Polizei hat durch dieses Vorgehen gelitten.

Leserbriefe

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