Leserbriefe

Bringt der Scanner wirklich Sicherheit?

09.01.2010 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Kuno Giesel, Nürtingen. Zum Artikel „Nacktscanner machen Flugreisen künftig teurer“ vom 5. Januar. Es ist schon schade, dass einzelne Attentäter Millionen von Menschen das Reisen immer unangenehmer machen. Aber was bringt der neue Scanner wirklich an Sicherheit? Mir selbst sind zwei Fälle bekannt, wo Teppichmesser bei der Kontrolle übersehen wurden; vom Reisenden versehentlich, von der Kontrolle nachlässig beim Handgepäck-Scan. Bei meinem letzten Besuch in Duty-Free-Shops (unter anderem in Zürich) habe ich bewusst nach Messern geschaut. Es gab keine, aber ein großes Potenzial an Gegenständen, welche sich zu Waffen umbauen lassen, zum Beispiel Essstäbchen aus hartem Holz, mit einem zerbrochenen Brillenglas angespitzt sicherlich bedrohlich. Oder auch eine Gabel aus Metall, welche es in manchen Fliegern noch zum Essen gibt, auf einen Zinken reduziert, diesen mit einer geschmuggelten Minifeile angespitzt, möchte ich nicht an meiner Halsschlagader spüren.

Im Internet gibt es ausreichend Informationen zur Cola-Bombe (mit Mentos). Es ist vielleicht nur eine Frage der Zeit, bis jemand mit der passenden Mischung eine richtige Bombe bastelt. Aber selbst wenn Duty Free und Handgepäck abgeschafft werden, gibt es noch genug Möglichkeiten, etwas an Bord zu schmuggeln. Auf Mallorca habe ich selbst gesehen, wie man größere Gegenstände (Pistolen, Sprengstoff) in den Abflugbereich schmuggeln könnte – weit weg von allen Kontrollen. Und so wie dort gibt es noch (zu) viele Flughäfen, wo ankommende und abfliegende Reisende nicht getrennt werden, eine Übergabe von Gegenständen hinter den Kontrollen kein Problem ist.

Wenn man dann immer wieder sieht, wie viele Reisende weit mehr Handgepäck in den Flieger bringen als erlaubt ist und keiner etwas dagegen sagt. In wenigen Flughäfen (zum Beispiel Berlin/Tegel und Singapur) werden die Kontrollen erst vor dem Wartebereich am Gate gemacht. Beispielhaft, aber aufwendig. Mehr Geräte, mehr Personal, mehr Kosten. Solange aber steigende Fluggastzahlen zu günstigsten Preisen bei steigendem Gewinn im Vordergrund stehen, wird sich wohl so schnell nicht viel ändern. Nacktscanner schrecken zumindest ab, machen es schwieriger, etwas in den Flieger zu schmuggeln. Wegen mir gerne, aber freiwillig. Wer nicht möchte, sollte dann – ganz selbstverständlich, ohne bösen Verdacht – aufwendiger kontrolliert werden (Handscanner, Handabtastung). Wem das nicht passt, der kann ja auch zu Hause bleiben. Oder ist das Persönlichkeitsrecht Einzelner wichtiger als die Sicherheit von Millionen Reisenden?

Leserbriefe

Die Autobahn als Schneckenpfad

Wolfgang Niefanger, Oberboihingen. Zum Artikel „Kretschmann fordert Tempo 130 auf Autobahnen“ vom 9. Oktober. Der Vergleich unseres Ministerpräsidenten ist sicherlich provokant von ihm so gewählt, möchte er doch damit suggerieren, jenseits von 130 Stundenkilometern wird der Autofahrer zum…

Weiterlesen

Weitere Leserbriefe Alle Leserbriefe