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Paula denkt auch an Nainielewen

11.09.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Paulas Thema heute: Wie ist eigentlich ein Besuch in einer Stadt, in der etwas Schreckliches geschehen ist?

Hallo, liebe Kinder,

gestern bin ich mit meinem Reporterfreund Andreas im Heimbüro gesessen. Ich habe zu ihm gesagt: „Hm, was sollen wir denn morgen auf meine, äh, auf unsere Kinderseite machen? Hast du eine Idee?“

Der Andreas hat kurz überlegt. Dann hat er etwas Komisches gesagt. Es klang irgendwie nach „Nainielewen“. Ich habe ihn mit meinen großen runden Entenäuglein angeschaut – und er hat gleich gemerkt: Ich habe das nicht verstanden. Also hat er mir erklärt: „Liebe Paula, was wie ,nainielewen‘ klingt, ist einfach ein englisches Datum. Man schreibt es in Zahlen ,9/11‘ und mit Buchstaben ,n-i-n-e-e-l-e-v-e-n‘. Das ist einfach der elfte Tag des neunten Monats – also der 11. September.“

Ich wollte schon losschnattern. So einen 11. September gibt es ja jedes Jahr. Aber irgendwie hatte ich das schon einmal gehört. Der Andreas hatte auch ein bisschen traurig geguckt. Deshalb habe ich ganz vorsichtig gemeint: „Äh, gell, das ist ein besonderer Tag. Aber kein schöner, oder?“

„Ja, Paula“, hat er geantwortet, „da hast du schon recht. Das ist ein besonderer Tag. Und wirklich aus keinem schönen Anlass. An dem 11. September vor 20 Jahren sind in der großen Stadt New York in Amerika 3000 Menschen bei einem Angriff von ganz bösen Verbrechern getötet worden. Sie haben entführte Flugzeuge in zwei Hochhäuser gelenkt. Das war ganz fürchterlich damals.“

„Oh“, habe ich ganz traurig gesagt, „aber du warst nicht gerade dort, oder? Hm, denn schließlich bist du ja vor Corona oft in Amerika gewesen!“

Er hat gesagt: „Nein, nein, Paula, ich war nicht dort. Ich bin an dem Tag in der Redaktion gesessen und habe gearbeitet. Dann hat meine Frau ganz aufgeregt angerufen und gesagt: ‚Schaltet mal den Fernseher an!‘ Damals war das ja noch nicht so mit dem Internet. In Amerika war es gerade morgens und bei uns schon nachmittags. Da habe ich dann zuerst das eine brennende Hochhaus gesehen. Und dann ist plötzlich ein Flugzeug in das zweite geflogen. Das waren ja zwei gleiche Hochhäuser direkt nebeneinander. Man wusste gar nicht, was geschehen ist. Das war schrecklich. Erst später hat sich das mit den Terroristen und den Flugzeugen verbreitet. Du weißt doch: Terroristen sind böse Menschen, die mit Mord und Gewalt Angst und Schrecken verbreiten wollen.“

„Das war für dich als Amerika-Fan bestimmt besonders schlimm“, habe ich laut überlegt. Der Andreas hat geantwortet: „Na ja, das war für alle schlimm. Schließlich ist Amerika ein Land wie unseres. Und die Länder sind befreundet. Das hat uns gezeigt, wie verletzlich wir sind. Aber klar, ich kannte Amerika und die Stadt und habe mich besonders traurig gefühlt.“

„Warst du denn dann wieder mal in der Stadt?“, wollte ich wissen.

Er hat geantwortet: „Ja, Paula, dreimal war ich danach sogar in New York. Zuerst sieben Jahre nach den Anschlägen. Da waren an der Stelle der Hochhäuser nur unglaublich große Löcher mitten in der Stadt. In einer Kneipe in der Nähe haben mir Arbeiter von dem Tag erzählt. Sie meinten: ,Das war schlimm, aber wir lassen uns nicht unterkriegen.‘ Dann war ich zwölf Jahre nach den Anschlägen dort. Da war das neue Hochhaus schon hoch gewachsen und an Stelle der Löcher waren als Denkmal große Wasserbecken. Das Wasser fließt runter und verschwindet wie die armen Menschen damals. Die Namen der Opfer stehen am Rand drumrum. Das ist sehr ergreifend. Und wieder zwei Jahre später war ich dort und da war das neue Hochhaus dann schon fertig. Es ist ein Zeichen, dass die New Yorker nicht aufgeben und immer wieder weitermachen. Deshalb hatten sie den Turm auch zuerst Freiheitsturm genannt. Sie lassen sich ihre Freiheit nicht von Angst und Schrecken kaputt machen, heißt das. Sie haben auch überall in der Stadt Erinnerungen an die Opfer. Im Busbahnhof gibt es als Erinnerung zwei kleine Hochhäuser wie die zerstörten. Und dann gibt es eine große Erinnerungsplakette an die vielen Feuerwehrleute, die dort im Einsatz starben.“

„Das ist schön, dass sie die Menschen nicht vergessen. Dann wollen wir auch an sie denken und den Kindern hier von nain-ielewen erzählen.“ Eure Paula

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