Weihnachtsgrüße

Weiße Weihnachten dank jeder Menge Kunstschnee

24.12.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Bei Constantin Schmidt rieselt in San Francisco in Kalifornien statt Schnee warmes Sonnenlicht über die Dächer

In San Francisco bei Constantin Schmidt ist es Tradition – wie in vielen anderen amerikanischen Städten auch –, in einer feierlichen Zeremonie die Kerzen des riesigen Weihnachtsbaumes auf dem zentralen Platz der Stadt zu entzünden.

Seit fast zwei Monaten lebe und arbeite ich im sonnigen Golden State Kalifornien in der Bucht von San Francisco. Nach den spannenden und leckeren Thanksgiving-Feiertagen rund um den letzten Donnerstag im November steht mit Weihnachten nun eine weitere festliche Zeit an, die ich hier miterleben darf. Weihnachten in den USA unterscheidet sich nicht elementar von den Traditionen der meisten anderen westlichen Nationen. Dank der Einflüsse aus allen Regionen der Welt, aus denen die amerikanische Nation entstanden ist, existieren im Land allerdings für viele Bevölkerungsgruppen verschiedene Gebräuche, die weiterhin gepflegt werden. Und dies wird in multikulturellen Gegenden wie Kalifornien besonders deutlich.

In vielen großen Städten in Amerika, wie auch hier in San Francisco, ist es Tradition, in einer feierlichen Zeremonie die Kerzen des riesigen Weihnachtsbaums auf einem zentralen Platz der Stadt zu entzünden. Dieses „Tree Lighting“ läutet die Weihnachtszeit ein und wird live im Fernsehen übertragen.

Zu den wichtigsten Weihnachtsbräuchen in der Vorweihnachtszeit zählt in den USA das Schmücken der Häuser mit Lichtern. Nicht selten sind die Häuser mit unzähligen wild blinkenden Lichterketten geschmückt. In den Vorgärten werden oft bunt leuchtende überlebensgroße Santa-Claus- und Rentier-Figuren installiert, die durchaus in der Lage zu sein scheinen, den Flugverkehr über der Stadt zu stören.

Bei dem Wettbewerb, welcher Nachbar die meisten Glühbirnen verbaut, rückt der Weihnachtsbaum, der in vielen Haushalten aus Plastik besteht, völlig in den Hintergrund. Ein ähnliches Schicksal erleidet der Adventskranz, der ungeachtet und unscheinbar in der Ecke des Raumes seinen Platz findet und einsam dahinleuchtet. Den Wunsch nach „Weißer Weihnacht“ erfüllt sich die Bevölkerung in Kalifornien mit viel Kunstschnee über jeglichen Pflanzen, inklusive des Plastikweihnachtsbaumes. Hollywood lässt grüßen!

Der 24. Dezember, der Christmas Eve, also der Heilige Abend, spielt hier nur eine untergeordnete Rolle. Erst am Morgen des 25. Dezembers werden die Geschenke ausgepackt, die der Geschenkebringer Santa Claus mit seinen acht Rentieren, angeführt von „Rudolph the red-nosed reindeer“, in der Nacht vorbeigebracht hat. Viele Kinder stellen zuvor sogar ein Glas Milch und Kekse zur Stärkung für Santa Claus und seine Helfer ins Wohnzimmer. Die Geschenke werden der Legende des Landes nach liebevoll von Elfen in ihren Werkstätten hergestellt.

Wie auch an anderen Orten ist hier in Kalifornien das Weihnachtsfest, das Fest der Liebe für seine Liebsten reserviert. Traditionell kommt die gesamte Familie zu Weihnachten zusammen und nimmt zumindest eine festliche Mahlzeit miteinander ein, die meist, wie an Thanksgiving, Truthahn beinhaltet. Auch hier wird der Tag nach dem Christmas Day dazu genutzt, sich zum nächsten Familienessen zu hangeln und die Verwandtschaft zu besuchen. Einen zweiten Weihnachtsfeiertag gibt es in Amerika nicht.

Die Weihnachtszeit ist für viele Menschen, wie auch für mich, eine ganz besondere Zeit im Jahr. Es ist die Zeit der Träume, Hoffnung und Wünsche, die Zeit des Friedens, der Ruhe der Besinnung und auch der Vorfreude. Nur sind die Gegebenheiten dieses Jahr eben etwas anders. Wenn ich bisher an die Weihnachtszeit gedacht habe, dachte ich an gemütliche Abende, wenn der Wind draußen kalt den Schnee um die Straßenecke pustet. Dieses Bilderbuchklischee muss ich nun endgültig ablegen, denn anstatt Schnee rieselt es hier in Kalifornien bekanntlich warmes Sonnenlicht über die Dächer. Doch es ist nicht die fehlende Kälte, die das Aufkommen der Weihnachtsstimmung etwas erschwert. Es ist die Zeit mit der Familie, die Adventsnachmittage mit meinen Großeltern, die Vanillekipferl und das Spritzgebäck, das mir hier fehlt. Es ist aber auch gleichzeitig die Vorfreude auf Weihnachten und die Dankbarkeit, dass ich all das hier miterleben darf, die mich über diese Dinge hinwegtrösten.

Nun bin ich aber erst mal furchtbar gespannt und freue mich auf die Zeit, die hier vor mir liegt. Ich wünsche allen, besonders meiner Familie und meinen Großeltern, ein friedliches und gesegnetes Weihnachtsfest und gemütliche Stunden sowie besinnliche Tage bis zum Neujahr.

In diesem Sinne: Merry Christmas and a happy new Year!

 

Constantin Schmidt 

Weihnachtsgrüße aus aller Welt