Weihnachtsgrüße

Vereinzelt finden sich Weihnachtsschmuck und Glühwein

23.12.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Patrick Kendel lebt und arbeitet zurzeit in China – An Asien im Allgemeinen und am Reisen im Besonderen hat er inzwischen Gefallen gefunden

Anfang Januar dieses Jahres habe ich mich nach China aufgemacht und habe die Chance, im Ausland für die Firma Heller zu arbeiten, wahrgenommen. Mit einer alles in allem relativ kurzen Vorbereitungszeit und einem eintägigen interkulturellen Training, um auf die neue Kultur und deren Gewohnheiten vorbereitet zu sein, stieg ich also am 10. Januar in den Flieger und machte mich auf nach China, in die Stadt Changzhou. Changzhou ist für chinesische Verhältnisse eher eine „Kleinstadt“ mit gerade einmal knapp fünf Millionen Einwohnern, und südlich des Jangtse-Flusses zwischen den Städten Schanghai und Nanjing gelegen. Dort angekommen, galt es dann sogleich die notwendigen Untersuchungen zu absolvieren und Dokumente zu beantragen, um die Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Es begann der erste Arbeitstag, der für alle Mitarbeiter zur gleichen Zeit, nämlich um 8.30 Uhr, startet. Viele Kollegen nutzen den von der Firma zur Verfügung gestellten „Pick-up and Drop Service“ mit einem Bus.

Ich bin für die Firma Heller zur Ausarbeitung von technischen Angeboten und zur Abwicklung von Projekten entsandt worden. Die Fahrten zu Kundenbesuchen werden aufgrund der großen Distanzen oft mit dem Zug unternommen und ich muss sagen, dass sich die Deutsche Bahn hinsichtlich Pünktlichkeit, Streckennetz und Komfort an den chinesischen Schnellzügen ein Beispiel nehmen kann.

Nach den ersten knapp drei Arbeitswochen und dem ersten Kennenlernen der neuen Arbeitskollegen (Engländer, Brasilianer, Inder, Deutsche und natürlich auch Chinesen) sowie der neuen Abläufe stand dann auch schon bereits die erste Urlaubswoche an – das chinesische Neujahrsfest.

Dieses Fest ist eines der wichtigsten Feste in China und daher setzen sich zu diesem Zeitraum riesige Menschenmassen in Bewegung, um von den Ballungszentren zu den Familien aufs Land zu fahren. Aufgrund der kurzen Vorlaufzeit habe ich es leider nicht geschafft, für diesen Zeitraum einen Kurztrip zu planen, und habe daher die Zeit genutzt, um meine neue Umgebung ein bisschen besser kennenzulernen.

Wie bereits gesagt, in diesem Zeitraum ist ein Großteil der Bevölkerung unterwegs, und aus diesem Grund haben daher viele Geschäfte geänderte Öffnungszeiten oder gar über diesen Zeitraum komplett geschlossen. Sogar in der Metropole Schanghai war die Metro stellenweise menschenleer.

Nachdem ich auch diesen Zeitraum gut überstanden hatte, konnte ich sagen, dass ich in China angekommen war. Mittlerweile auch mit allen überlebensnotwendigen Adresskarten (von Western Restaurants und Bars) ausgestattet, war es nun ein Leichtes, sich mit dem Taxi in der Stadt fortzubewegen. Manchmal kann es einem aber passieren, dass die Taxifahrer eine Fahrt nicht durchführen wollen, da die Strecke zu kurz oder das Ziel in einer abgelegenen Gegend gelegen ist. Ein Besuch in einem chinesischen Krankenhaus ließ sich leider auch nicht vermeiden, da ich mir einen Fremdkörper in das Auge gerieben hatte. Also wurde ich von einem unserer Fahrer in das Krankenhaus gebracht und sogleich in die Augenchirurgie geleitet. Das Problem war allerdings, dass die Ärztin kaum Englisch und ich kein Chinesisch sprach. Als sie dann die Spritze in ihrer Hand in Richtung meines Auges bewegte, war ich etwas nervös, was jetzt gleich passieren wird. Man hat es mir wohl angesehen, da sie plötzlich etwas auf Chinesisch in ihr Handy sprach und mir die Übersetzer-App „Don’t be afraid“, also „Haben Sie keine Angst“ sagte. Somit hatte ich auch diese Situation gut überstanden und war von meinen Augenschmerzen befreit.

Das Handy ist auch bei mir nun aus dem Alltag in China nicht mehr wegzudenken. Sei es um ein Taxi zu rufen, die Rechnung im Supermarkt zu bezahlen oder einfach nur mit Freunden zu verabreden – das Handy ist ein ständiger Begleiter.

Zwischenzeitlich ist es nun auch etwas wärmer geworden, und ich habe mich auch an die „chinesischen Verkehrsregeln“, sofern diese existieren, gewöhnt. Auch habe ich mich entschlossen, einen Elektro-Roller zukaufen, um noch etwas mobiler zu sein. Der Elektro-Roller ist in China sowohl Familienkutsche für bis zu fünf Personen als auch zweirädriges Firmenfahrzeug, mit dem alles transportiert werden kann.

Die erste große China-Reise stand für mich dann im April an. Sie brachte mich von Changzhou nach Xian, zu den Terrakotta- Kriegern. Von dort ging es weiter mit dem Zug nach Peking, der Hauptstadt Chinas. In Peking stand die Besichtigung der Verbotenen Stadt sowie der Chinesischen Mauer auf dem Programm. Ich muss schon sagen, dass es sehr beeindruckend ist, ein paar Meter auf dieser historischen Grenzbefestigung zu spazieren und zu sehen, wie sie sich über die Berge schlängelt.

Zurück in Changzhou habe ich mich entschlossen, einen Chinesisch-Kurs zu belegen, um etwas mehr vom chinesischen Lebensgefühl mitzubekommen und etwas selbständiger handeln zu können. Das anfängliche Gefühl „Das packst du nie“ ist mittlerweile meinem Ehrgeiz gewichen und es bereitet mir relativ viel Spaß, die Sprache zu lernen. Sogar das Lesen und Schreiben der Schriftzeichen klappt immer besser. Ende Mai habe ich mich dann für ein verlängertes Wochenende nach Huangshan in die Yellow Mountains verabschiedet und habe dort eine Wandertour auf „Chinesisch“ gemacht. Mit Wandern, wie wir es kennen, hat das allerdings nicht viel gemeinsam, denn die Chinesen haben überall an dem Berg breite Betontreppen eingebaut, daher war es eher ein Marathon im Treppensteigen als Wandern, aber auch eine sehr interessante Erfahrung und schöne Reise.

Sehr gut gefällt mir die Art des gemeinsamen Essens: Es werden nicht einzelne Gerichte pro Person bestellt, sondern es werden die bestellten Gerichte meistens auf einem großen runden Drehteller platziert, sodass man alles probieren kann, sofern man es sich zutraut.

Anfangs war das Essen mit den Stäbchen für mich eine große Herausforderung, vor allem wenn man sich etwas aus der Mitte auf seinen eigenen Teller holen möchte, ist es mir nicht selten passiert, dass ich mehrere Anläufe benötigt habe, aber was auch für die Sprache gilt: „Alles ist möglich!“. Das nächste große Highlight war dann der Besuch meiner Geschwister und die gemeinsame Tour mit ihnen durch China. Mittlerweile konnte ich mich sozusagen als Reiseführer anbieten. Die geplante Route durch China führte uns nach Qingdao, Peking, Xian, Guilin, Hangzhou und Schanghai. Qingdao, eine Hafenstadt am Gelben Meer, ist eventuell einigen Lesern ein Begriff. Dort wird das bekannte chinesische Bier „Tsingtao“ gebraut, das seinen Ursprung in der deutschen Kolonialzeit hat. In Guilin sind wir in den Reisterrassen Wandern gewesen und haben eine Bootstour auf dem Li-Fluss gemacht. Das zurzeit zweithöchste Gebäude weltweit haben wir in Schanghai besichtigt. Von der Aussichtsplattform des „Shanghai Tower“ auf 561 Metern haben wir uns der Weltmetropole von oben genähert. Natürlich darf in Schanghai auch ein Ausflug ins Nachtleben und ein Besuch des Fakemarkets nicht fehlen. Man merkt sicherlich, dass ich so langsam Gefallen an Asien und am Reisen gefunden habe, und daher war ich auch schon gleich mit der Planung meiner nächsten Reise über das zweite große chinesische Urlaubsfest beschäftigt.

Dieses Mal sollte es nach Japan gehen, das Land der aufgehenden Sonne. Gesagt und geplant! Am Abend des letzten Arbeitstags vor den zweiten großen Feiertagen ging es also nach Schanghai und von dort mit dem Flugzeug nach Tokio. Dieses Mal war die Reiseroute folgende: Tokio – Hakone mit dem Mount Fuji – Kyoto – Kobe – Nara – Hiroshima.

Tokio, die Hauptstadt Japans, ist für seine verrückten Elektronik-Gadgets und den größten Fischmarkt der Welt berühmt. Ein Blick auf den Mount Fuji – leider zu diesem Zeitpunkt noch ohne schneebedeckte Kuppe – darf natürlich nicht ausgelassen werden, genauso wenig wie das Essen der schwarzen Eier. Der Legende nach soll das Essen dieser Eier das Leben um sieben Jahre verlängern, was bei der Smog-Belastung in China sicherlich kein Nachteil ist. Neben dem Besichtigen der Torii-Tore in Kyoto, dem Spazieren durch japanische Gärten und Besuchen buddhistischer Tempel muss man sich natürlich auch ordentlich stärken. Was bietet sich da besser an, als ein original Kobe-Beef in einem japanischen Steakhaus in Kobe zu essen. Der letzte Stopp, bevor es nach China zurück ging, war in Hiroshima. Der Aufenthalt in dieser geschichtsträchtigen Stadt und der Besuch des Peace Memorial Museum führt einem die zerstörerische und brutale Kraft des Krieges vor Augen. Man kann sich sogar in der Stadt an die Stelle des Atombombenabwurfs begeben und die Überbleibsel des sogenannten A-Doms anschauen.

Mittlerweile war es auch schon Mitte Oktober geworden und mein geplanter einjähriger Auslandsaufenthalt bei unserer Heller-Niederlassung in Changzhou war auf die Zielgerade eingebogen. Allerdings habe ich mich bereits Mitte des Jahres entschieden, meinen Aufenthalt in China um ein weiteres Jahr zu verlängern und werde mich damit nächstes Jahr nochmals auf dem asiatischen Kontinent aufhalten.

Der letzte Kurztrip in diesem Jahr führte mich Ende Oktober nach Chengdu in die Provinz Sichuan. Chengdu ist vor allem für seine Giant Panda Breeding Research Base bekannt. Der Tierpark ist ein riesiges Gebiet außerhalb der Stadt, in dem die Panda-Bären sich in Bambus-Wäldern ihren Lieblingsbeschäftigungen hingeben können: Essen und Schlafen. Leider war es mir nicht möglich, die ganz kleinen neugeborenen Panda-Babys zu sehen. Nun aber zum eigentlichen Anlass meines Berichtes aus Fernost, dem Einstimmen auf die Weihnachtszeit und die Zeit mit der Familie, Verwandte und den Freunden. Weihnachstimmung beziehungsweise die Vorweihnachtszeit gibt es hier in China eigentlich nicht, da es relativ wenige Christen gibt und somit die Weihnachtszeit und die damit verbundenen Bräuche bisher noch nicht richtig in China angekommen sind. Vereinzelt findet man aber seit Mitte November Weihnachtsschmuck in den Supermärkten und manchmal kann man zwischen den chinesischen Liedern das ein oder andere bekannte westliche Weihnachtslied heraushören. In manchen Bars gibt es auch Glühwein zu kaufen, was einen dann schon eher an die Vorweihnachtszeit und die Weihnachtsmärkte in der Heimat erinnert.

Über das Weihnachtsfest und für die Zeit, bis es Anfang Januar wieder für ein weiteres Jahr zurück nach China geht, werde ich nach Hause fliegen und die Zeit daheim mit meiner Familie verbringen, sodass wir die Geschenke persönlich verteilen können: Ich wünsche nun allen Lesern ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Start in 2018!

 

Patrick Kendel

Weihnachtsgrüße aus aller Welt