Weihnachtsgrüße

Keine Vanillekipferl, Kokosmakronen und Nougattaler in Nizza

24.12.2014, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Sabine Klamuth entdeckt so manchen Unterschied zu deutschen Festtraditionen – nicht nur was das Backen angeht

Sabine Klamuth an der Côte d’Azur

Weihnachtsmärkte, Adventkranz und -kalender, in einer Decke eingekuschelt mit einer Tasse Tee vor dem Kamin sitzen und Plätzchen naschen – all das verbinde ich mit Weihnachten. Hier in Nizza? Unvorstellbar! Nach meinem Abi habe ich beschlossen, für ein Jahr nach Frankreich zu gehen, um dort als Au-pair in einer Familie zu wohnen und auf die Kinder, einen Jungen von drei Jahren und ein Mädchen von sechs Jahren, aufzupassen. Nun bin ich schon dreieinhalb Monate hier in Nizza und werde dieses Jahr auch ein anderes Weihnachten zu sehen kriegen als gewöhnlich. Die Unterschiede sind ganz schön groß, auch wenn ich das anfangs nicht gedacht hätte, denn so weit ist Frankreich ja nicht von Deutschland entfernt.

Schon Mitte November wurden hier die Straßen mit Beleuchtungen geschmückt und im Radio „Last Christmas“ gespielt. In den Schaufenstern und den Vitrinen der Galeries Lafayette klebt massig Kunstschnee, alles ist voller rot-grünem Kitsch, in dem großen Einkaufszentrum „Nicetoile“ stehen quietschrosa und dunkelblaue Tannenbäume. Abends sieht das Ganze dann aber wunderschön aus, wenn Nizza komplett beleuchtet ist. Was die Tannenbäume angeht: Die Franzosen stellen sie ebenfalls schon Anfang Dezember auf und meine Gastfamilie konnte es gar nicht verstehen, als ich ihnen erzählt habe, dass wir unseren erst wenige Tage vor Heiligabend kaufen. Was ich hier nicht allzu sehr bedauere ist, dass es keinen Schnee geben wird. Momentan ist es hier tagsüber noch ziemlich warm, meist zwischen 19 und 23 Grad. Einige Verrückte gehen sogar noch baden.

Obwohl meine Gastfamilie und vor allem auch die Kinder gerne backen und mir auch gerne helfen, wenn ich einen Kuchen oder Kekse backe, sind Plätzchen totales Neuland. Die Mama war ganz begeistert, als ich vorschlug, einige Sorten zu backen. Ich fing mit Vanillekipferl, Kokosmakronen und Nougattalern an. Allerdings war ihnen trotz meiner Erklärungen nicht klar, dass diese den ganzen Dezember über halten sollten. Innerhalb von wenigen Tagen waren alle aufgegessen.

Außer mir machen noch viele andere ein Au-pair-Jahr an der Côte d’Azur. Wir genießen unsere freien Tage in vollen Zügen und unternehmen jedes Wochenende etwas zusammen. Am ersten Adventswochenende haben wir einen Backtag eingelegt und aus der Küche einer meiner Freundinnen eine Weihnachtsbäckerei gemacht. Dazu haben wir die Weihnachtslieder – unter anderem von Rolf Zuckowski – gehört. Sechs Stunden lang haben wir eine Plätzchensorte nach der anderen gebacken und schließlich untereinander aufgeteilt. Abends habe ich meiner Gastfamilie einen Teller hingestellt und den Rest versteckt. Alle waren ganz schön beeindruckt von der Menge, die ich dabeihatte und reagierten noch geschockter, als ich erklärte, dass das nur etwa ein Fünftel von dem sei, was meine Mama in Deutschland immer bäckt.

Adventskalender gibt es hier leider auch nur die aus dem Supermarkt. Selbstgemachte Säckchen mit kleinen Besonderheiten, wie ich es von meiner Mami kenne, gibt es hier nicht. Deshalb habe ich mich mit einer Freundin mehrere Abende zusammengesetzt und für meine Kinder gebastelt. So haben sie jeden Tag eine kleine Freude und haben immer eine kleine Motivation zum Aufstehen. Auch ich habe von meiner Mama ein Päckchen aus Deutschland erhalten, in dem sich ein wunderschöner selbstgebastelter Adventskalender befand.

Selbst der Nikolaustag ist hier nicht bekannt. Somit wurden dieses Jahr das erste Mal die Schuhe vor die Haustür gestellt.

Und sogar der bei uns so beliebte Adventskranz, hier „Couronne de l´avent“, ist hier eher weniger verbreitet und meiner Gastfamilie völlig unbekannt. Deshalb habe ich mich darangemacht und selbst einen gebastelt. Wenn die hier keine Vorweihnachtszeit kennen, dann werde ich sie dieses Jahr damit bekannt machen!

Weihnachtsmärkte gibt es hier zwar, unter anderem den in Nizza und in Monaco, doch wir Au-pairs wurden schon von unseren Gasteltern vorgewarnt, dass wir uns keine zu großen Hoffnungen machen sollen. Denn zwar wurden die Märkte vom Elsass abgeschaut und diese dort von Deutschland, doch man kann behaupten, sie ähneln eher provenzalischen Märkten. Die Märkte in den kleineren Städtchen seien um einiges schöner. Da kommt dann sogar der „Papa Noël“, dem die Kinder alle ihre Wünsche für den Heiligen Abend ins Ohr flüstern dürfen.

Mit meinen Kindern habe ich schon einen Brief an den Weihnachtsmann geschrieben. Dazu durften sie aus einem Werbekatalog alles ausschneiden, was ihnen gefiel und das war eine ganze Menge! Meine beiden Kinder glauben beide noch fest an den Weihnachtsmann und warten ehrfürchtig darauf, diesen in echt sehen zu dürfen.

Wie das Weihnachtsfest an sich stattfinden wird, ist noch nicht ganz sicher. Wir werden viel Besuch bekommen. In meiner Gastfamilie sind zwar alle getauft, gehen aber nie in die Kirche und auch an Weihnachten wird dies nicht der Fall sein. Meine zwei Kinder kennen nicht einmal die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel. Ich habe mir allerdings fest vorgenommen, den Heiligabend-Gottesdienst in der Kirche Notre Dame zu besuchen und vielleicht auch in die Mitternachtsmesse zu gehen. Denn auch wenn ich nicht oft in die Kirche gehe, an Weihnachten ist es Tradition und das werde ich mir auch hier in Frankreich nicht nehmen lassen, zumal es interessant sein wird, den Gottesdienst auf Französisch zu erleben. Ich fühle mich sehr wohl hier in Frankreich und genieße mein Leben in vollen Zügen. Aber die Weihnachtszeit wird für mich die Zeit werden, in der ich am meisten an zu Hause denken und auch sehr vieles vermissen werde. Ich wünsche euch allen „Joyeux Noël“, einen fleißigen „Père Noël“ und hoffe, ihr habt alle eine wunderschöne, besinnliche Weihnachtszeit.

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