Weihnachtsgrüße

Ein bisschen deutsch und ein bisschen amerikanisch

24.12.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Frohe Weihnachten wünschen Heike, Max, Christopher und Benjamin Golter aus Rockton, Illinois – Die Familie freut sich schon aufs Skifahren

Familie Golter grüßt alljährlich Heikes alte Heimat.

Ich (Heike) wohne schon seit 21 Jahren mit meinem Mann Max und den Söhnen Christopher (16) und Benjamin (14) im Mittleren Westen in der Nähe von Chicago. Weihnachten wird bei uns ein bisschen deutsch und und ein wenig amerikanisch gefeiert.

Für uns ist das in erster Linie ein christliches Fest, die Geburt Jesus’. Leider geht das im ganzen Rummel manchmal unter. Der Weihnachtsbaum, Plätzchen, Glühwein, Geschenke und die Dekoration gehören natürlich auch dazu.

In Amerika geht es schon Ende November, an Thanksgiving, mit den Weihnachtsvorbereitungen los.

Der letzte Donnerstag im Monat ist Feiertag und es wird ein Truthahn mit allem Drum und Dran zubereitet. Es ist ein Familienfest und der offizielle Start zur Weihnachtssaison.

Am nächsten Tag verbrennen die meisten Amerikaner die Kalorien beim Erledigen der Weihnachtseinkäufe. Die Geschäfte machen schon sehr früh auf und es gibt viele Schnäppchen zu ergattern. Überall wird die Weihnachtsbeleuchtung am und im Haus befestigt und der Weihnachtsbaum aufgestellt. Bei uns muss das ein echter Baum sein – schon wegen des schönen Dufts im Haus. Unsere Söhne sind jetzt größer und glauben doch nicht mehr so an den Weihnachtsmann. Da muss man nicht alles so verheimlichen und sie helfen eifrig bei den Vorbereitungen mit. Sie freuen sich jedes Jahr sehr über ihren Adventskalender von Oma und Opa aus Nürtingen. Die Rezepte von den guten schwäbischen und auch amerikanischen Gutsle werden rausgeholt und gebacken. Die erste Ladung übersteht es meist nicht bis Weihnachten. Aber vorher schmecken sie auch besser.

Der Dezember vergeht dann wie im Flug mit Weihnachtsfeiern, Konzerten, Einladungen bei Freunden und Familie. Die Adventszeit ist doch die schönste Zeit und die Vorfreude ist bei allen zu spüren.

Man denkt an die Lieben in Deutschland und freut sich über die Weihnachtspost aus nah und fern. Diese Karten und Briefe sind in Amerika sehr wichtig. Sie werden im Haus aufgestellt. Ich versuche natürlich auch allen eine Karte zu schicken. Die, die ich vergessen habe, seien mit diesem Weihnachtsbericht gegrüßt.

Nach deutscher Tradition kommt das Christkind bei uns am Heiligen Abend. Wir gehen in den Weihnachtsgottesdienst. Dann geht’s nach Hause und wir feiern Weihnachten im kleinen Kreise. Bei den amerikanischen Familien kommt der Santa Claus in der Nacht zum 25. Dezember durch den Kamin und bringt die großen Geschenke. Am Kamin hängen die Weihnachtsstrümpfe und für jeden ist eine Kleinigkeit drin. Die Kinder schreiben Wochen vorher schon einen Brief an den Weihnachtsmann mit ihren Wünschen.

Der erste Feiertag ist dann dazu da, mit der Familie gemütlich zusammenzusitzen und Weihnachten zu feiern. Da haben auch die meisten Geschäfte geschlossen und alles geht ein bisschen langsamer. Einen zweiten Feiertag gibt es bei uns nicht.

Wir haben Ferien und Urlaub über Weihnachten und Neujahr und freuen uns auf Schnee zum Skifahren. Den gibt es bei uns ausgiebig sowie auch die Kälte, minus 30 Grad Fahrenheit, also rund minus 34 Grad Celsius, ist jeden Winter an der Tagesordnung.

Der Amerikaner ist sehr hilfsbereit und freundlich. Deshalb habe ich mich wahrscheinlich hier auch gleich so wohlgefühlt. Natürlich muss man auch etwas dafür tun. Die Sprache lernen, sich dem Lebensstil etwas anpassen und arbeiten. Geschenkt wird einem nichts, aber man kann es zu etwas bringen.

Wenn man eine eigene Familie hat, feiert man Weihnachten anders als wenn man alleine für ein Jahr in ein fremdes Land geht. Man kann aber auch nicht erwarten, das alles so ist wie in Deutschland. Andere Länder – andere Sitten. Die USA ist 26-mal so groß wie Deutschland und hat mehr als dreimal so viele Einwohner. Dass es hier etwas anders zugeht als in Deutschland, sollte man sich denken. Also bitte nicht immer Amerika mit Deutschland vergleichen.

Als Familie wünschen wir uns dieses Weihnachten Gesundheit und dass hoffentlich bald Friede auf der Welt einkehren wird.

Wir sagen viele liebe Grüße an die alte Heimat und alle Freunde und Bekannten.

Ganz herzlich möchte ich auch meine Eltern, Hannelore und Erich Plankenhorn, und meine Schwester Sabine mit Familie grüßen. Bleibt gesund bis zum baldigen Wiedersehen in 2016.

Wir wünschen allen, die uns kennen, und auch allen Lesern der Nürtinger Zeitung ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Wir hoffen, dass wir euch alle nächstes Jahr bei bester Gesundheit antreffen.

 

Merry Christmas

Heike, Max, Christopher und Benjamin Golter

Weihnachtsgrüße aus aller Welt