Weihnachtsgrüße

Den Zauber Weihnachtens erleben

23.12.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Nathalie Knecht kommt in Irland dank Basteln, Krippenspiel und Backen problemlos in festliche Stimmung

Nathalie Knecht lebt zuzeit in der Hügellandschaft am Rande Irlands im County Monaghan.

Ich bin seit drei Monaten im Rahmen meines internationalen Jugend-Freiwilligen-Dienstes, der Organisation „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiner“, in Irland. Ich arbeite in der Camphill Community Ballybay, die in der Hügellandschaft am Rande Irlands im County Monaghan liegt. Hier leben Menschen mit Lernbehinderungen, Epilepsie und Autismus. Wir leben mit ihnen zusammen und helfen ihnen in ihrem Alltag. Während des Tages sind wir in verschiedenen Workshops wie zum Beispiel Garten, Farm, Weberei, Kerzenzieherei und Lebensmittelverarbeitung.

Wenn man einen Tag vor dem „Craft Sale“, dem Tag der offenen Tür, einen Blick über das Camphill-Gelände wirft, sieht man ein buntes Treiben. Alle rennen mit Kisten auf dem Arm auf und ab. Es wird sortiert und wieder neu gemixt. Alle haben Ideen und niemand kann mehr stillsitzen. Über das hektische Treiben hinweg schallen Weihnachtslieder durch die Luft. Auf gut Schwäbisch: „Elle schaffed wie d’ Bronnabutzer“. Die „Life Sharing“-Ganztags-Einrichtung Camphill Community Ballybay, die sich um Leute mit Lernstörungen kümmert, sprüht jetzt nur so vor Leben. Alle bereiten sich auf Weihnachten vor und jeder möchte, dass der Verkauf der selbstgemachten Waren gut läuft. Von eigens angebautem Gemüse über selbstgemachte Marmelade und Kerzen bis hin zu Adventskränzen ist alles dabei. Das Gelände mit den drei großen Wohnhäusern wird dekoriert und das Wohnzimmermobiliar im Shamrock House – das Wohnhaus, in dem ich hier für ein Jahr lebe – weicht dem Kuchen- und Tee-Verkauf. Hier im Camphill in Irland ist schon seit Mitte November Weihnachtsstimmung und alle freuen sich auf den großen Tag im Dezember. Nicht nur der Tag der offenen Tür zeugt von den Weihnachtsvorbereitungen, sondern auch der ganz normale Alltag. Der Kerzen-Workshop hat begonnen. Jeden Nachmittag werden selber Kerzen gezogen und gestaltet – je bunter, desto besser. Wer sich jedoch nicht künstlerisch betätigen möchte, kann beim Plätzchenbacken helfen. Durch die vielen verschiedenen Nationalitäten, die hier aufeinandertreffen, haben wir eine große Vielfalt. Am Ende des harten Arbeitstags darf das Naschen jedoch auch nicht zu kurz kommen. Doch wenn sich dann alle mit vollen Bäuchen ansehen, ist jedem klar: „Noch ein Plätzle und ich platz’“.

Basteln ist zu einer regelmäßigen Abendbeschäftigung geworden. Während Weihnachtslieder gesungen werden, basteln wir Sterne, Schneeflocken, Fensterbilder und Weihnachtskarten. Neben den Workshops, die auch von den Residents, den Betreuten, besucht werden, gibt es für uns Freiwillige zweimal in der Woche vormittags Trainings-Einheiten. In der letzten Zeit lernen wir Bell ringing, also Glockenläuten, um in dem nächstgelegenen Dorf an einem Adventsabend auftreten zu können.

Das ist jedoch nicht der einzige Grund für die musikalischen Klänge. In der Nacht des 24. Dezembers werden den Weihnachts-Kühen der Farm Lieder vorgesungen und Glocken geläutet. Wer bis dann noch nicht in Weihnachtsstimmung gekommen ist, kommt es spätestens jetzt.

Beim mit allen selbst eingeübten Christmas Play, zu Deutsch dem Krippenspiel, wird einem nun richtig bewusst, dass Weihnachten gekommen ist. Das Ganze wird mit einem Weihnachtsessen abgerundet. Wer jedoch das Glück hat, während Weihnachten melken zu gehen, merkt auch durch die vielen Socken, T-Shirts, Pullis und Jacken hindurch: „ Isch arschkald dussa“!

Weihnachten hier beinhaltet vielleicht nicht viele irische Traditionen, dagegen jedoch viele wunderschöne eigene. Es entsteht eine Atmosphäre, die selbst den größten Grinch zum Weihnachtsliebhaber werden lässt. Unsere Residents überzeugen alle von dem Zauber und der Magie Weihnachtens. Viele der Bewohner gehen über die Festtage nach Hause und freuen sich sehr darüber, Zeit mit ihrer Familie verbringen zu können.

Die Freiwilligen haben während dieser Zeit etwas Zeit für sich. Man sitzt gemütlich zusammen, steht auf wann man möchte, es wird im kleinen Kreis zusammen gegessen und es wird gewichtelt. Diese Gemeinschaft lässt einen für den Moment vergessen, dass man an Weihnachten nicht bei seiner Familie sein kann, denn auch hier ist es sehr schön Weihnachten zu verbringen. Ich vermisse zwar meine Familie und Freunde, doch ich werde bald wieder nach Hause kommen.

Merry Christmas! Ich liebe euch, Omis, Mama, Papa, Ri, Seli und die ganze Knechda-Schäffer-Sippschaft!

 

Liebe Grüße

Nathalie Knecht

Weihnachtsgrüße aus aller Welt