Weihnachtsgrüße

Das Weihnachtsfest konzentriert sich nur auf den 25. Dezember

24.12.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Anna-Lena Konrad bringt deutsche Bräuche und Traditionen rund um den Advent nach Bolivien – Heimatgefühle kommen auf dem Weihnachtsmarkt vor der deutschen Kirche

Ihren Freiwilligendienst macht Anna-Lena Konrad in einem Projekt für Kinder in Bolivien. Gerade im Dezember blieb auch Zeit zum Basteln und Spielen, natürlich auch einiges Weihnachtliche.

Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht! Schon ist ein Viertel meiner Zeit hier in Bolivien vorbei und Weihnachten steht vor der Tür. Mehr als drei Monate sind schon vergangen, seitdem ich mich auf nach La Paz für mein Freiwilligenjahr gemacht habe, um nach der Schulzeit mal etwas ganz anderes zu sehen und zu erleben.

Die Vorweihnachtsstimmung ist bei mir bis jetzt nur begrenzt vorhanden, trotz der bunten, blinkenden Weihnachtsdeko, inklusive riesigem Blink- Christbaum im Zentrum der Stadt und dem Verkauf von Panettone an jeder Ecke.

Es ist zwar nicht besonders warm hier an Weihnachten, aber Schnee wird es auf jeden Fall nicht geben, denn eigentlich ist ja gerade Sommer. Da es in La Paz aber nicht wirklich Jahreszeiten gibt, es nachts auf fast 4000 Metern immer sehr kalt ist, verliert man damit auch ein bisschen das Gefühl für den Verlauf der Zeit, also auch irgendwie für den Beginn der Weihnachtszeit. Zumindest aber, wenn ich, wie so oft, den Ausblick von meinem Viertel runter auf die ganze Stadt und die Berge genieße, habe ich Schneegarantie auf den Gipfeln der Anden.

Ende November habe ich ein wenig an Weihnachtsdeko für das Wohnzimmer meiner Gastfamilie und an einem Adventskranz gebastelt, dessen Funktion ich hier erst mal erklären musste. Mein vierjähriger Gastneffe ging davon aus, dass aufgrund der brennenden Kerze sicher jemand Geburtstag haben müsste. So versuche ich etwas von deutschen Bräuchen und Traditionen rund um die Adventszeit zu vermitteln. Ein erster Erfolg hierbei: Meine Gastschwester hat sich vorgenommen, im nächsten Jahr auch einen Adventskranz anzufertigen. Denn irgendwie spielt der Advent, sofern überhaupt bekannt, keine große Rolle.

Das Weihnachtsfest konzentriert sich hier nur auf den einen Tag, auch Feiertag ist nur am 25. Dezember. Der Gang in die Kirche am späten Abend ist üblich, außerdem gemeinsames Essen mit der Familie. Für mich heißt das, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben an Weihnachten in den Gottesdienst gehen werde, da meine Gastfamilie sehr aktiv in der methodistischen Kirche ist.

Eine wirklich schöne Idee, die auch die Botschaft von Weihnachten wahrhaftig verkörpert, ist das Verteilen von Geschenken an die „armen“ Kinder von der Kirche oder gemeinnützigen Organisationen, worauf sich die Kinder das ganze Jahr über freuen.

Die Feiertage um Todos Santos, also Allerheiligen, sind hier sogar bedeutender als das Weihnachtsfest und werden mit Feiern auf den Friedhöfen der Stadt deutlich ausgiebiger zelebriert.

Ich bin schon gespannt, wie ich das Weihnachtsfest hier verbringen werde, sicher werde ich meine Familie in Deutschland sehr vermissen, auch wenn ich mit meiner Gastfamilie richtig Glück habe, aber Weihnachten verbringt man doch am liebsten mit der eigenen Familie.

Ein bisschen was von Heimatgefühl hatte dann der kleine Weihnachtsmarkt in der deutschen Kirche, bei dem es zur Freude aller Freiwilligen Kinderpunsch und Glühwein gab.

Die Gelegenheit, Weihnachten in einem anderen Land zu verbringen, wird sich jedoch wohl nicht mehr so schnell bieten, also heißt es für mich, das Weihnachtsfest zu genießen. Außerdem geht auch diese Zeit durch die Vorfreude auf meine Reise nach Peru Anfang des neuen Jahres sicherlich rasend schnell vorbei und wahrscheinlich ist meine Zeit in Bolivien am Ende auch schneller als mir lieb ist vorbei.

Meinen Weltwärts-Freiwilligendienst mache ich in einem Projekt für Kinder, im Prinzip in einer Kindertagesstätte, sowie gleichzeitig einer Hausaufgaben- und Nachmittagsbetreuung für Schulkinder. Die Arbeit macht wirklich Spaß, die Kinder sind super süß und ich verbringe gerne Zeit mit ihnen.

Gerade im Dezember blieb auch mal Zeit zum Basteln und Spielen, natürlich auch einiges Weihnachtliches, da die Kinder gerade ihre langen Ferien haben. Auch mit den Mitarbeitern verstehe ich mich gut, auch wenn ich manchmal vielleicht was die Erziehungsmethoden betrifft nicht so ganz ihrer Meinung bin.

Da das Projekt von meiner Gastfamilie geleitet wird, hängen Arbeit und Leben in der Gastfamilie natürlich auch stark zusammen, wobei mir von Anfang an das Gefühl gegeben wurde, ein Familienmitglied zu sein und ich mich somit meistens sehr wohlfühle und es mir auch den Start in meinen Arbeitsalltag erleichtert hat, der anfangs aufgrund von Sprachproblemen nicht ganz so leicht war. Ich habe alle Kinder schon sehr ins Herz geschlossen, umso trauriger, dass dieses Jahr die Arbeit mit den Kindern im Viertel beendet wird, um in El Alto, der ärmeren Nachbarstadt, ein neues, ähnliches Projekt für Kinder aufzumachen, da dort Unterstützung und Betreuung dringender benötigt wird. Noch steht noch nicht so richtig fest, wie dort alles ablaufen wird, aber diese Spontanität und dass man nicht viel im Voraus plant und organisiert ist nun mal typisch bolivianisch.

Einerseits macht es mich sehr traurig, da ich mich mittlerweile an die Kinder gewöhnt habe und sie sich auch an mich und es auch total schade für die Kinder ist, dass dieses Angebot für sie nun wegfallen muss. Andererseits natürlich auch schön, anderen Kindern diese Möglichkeit zu bieten und von Anfang an dabei zu sein und so auch eigene Ideen mit einbringen zu können.

Ansonsten vertreibe ich mir die Zeit mit Vorbereitungen für das Projekt, Tanzkurs, Treffen mit anderen Freiwilligen oder ich verbringe Zeit mit meiner Gastfamilie. Gelegentlich stehen Ausflüge an. Zum Beispiel ging es Anfang November mit dem Fahrrad die Todesstraße runter. Während meinem Aufenthalt hier möchte ich auf alle Fälle noch einiges vom Land sehen, die Vielfältigkeit Boliviens ist nämlich äußerst beeindruckend, von Hochgebirge über Wüste und Tropen ist alles dabei. Eins steht fest: Im neuen Jahr wird mir auf jeden Fall fürs Erste nicht langweilig werden, da die Reise nach Peru, mein Zwischenseminar in Sucre und dann der große Umzug bevorstehen.

Ich wünsche allen Freunden, Bekannten und Verwandten eine wunderschöne und besinnliche Weihnachtszeit sowie einen guten Rutsch ins neue Jahr 2016!

Ganz liebe Weihnachtsgrüße besonders an meine Familie, an meine alte Stufe am HöGy und ins wunderschöne Häfner.

Ihr fehlt mir alle sehr und ich freue mich schon jetzt, euch im September wieder in die Arme schließen zu können.

Feliz Navidad y próspero Año Nuevo de La Paz!

 

Anna-Lena Konrad

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