Weihnachtsgrüße

Beachtung finden die wichtigen Dinge im Leben

24.12.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Bei Chiara Lipp geht es an Weihnachten in Peru um Familie, den Glauben, Hoffnung, Freude und Liebe

In ihrer Gastfamilie im Norden Perus fühlt sich Chiara Lipp wohl.

Heißer Punsch auf dem Weihnachtsmarkt, klirrende Kälte, knirschender Schnee unter den gefütterten Winterstiefeln und „Last Christmas” in Dauerschleife – so sieht die Weihnachtszeit normalerweise für mich aus. Doch dieses Jahr ist alles anders!

Chiara Lipp unterrichtet Englisch in Peru.

Meinen heißen Punsch tausche ich gegen ein Stück Panetón, die Kälte gegen 30 Grad im Schatten und statt durch weißen Schnee laufe ich barfuß durch warmen Sand und lausche südamerikanischen Rhythmen im knackenden Radio. Denn das diesjährige Weihnachtsfest werde ich nicht wie üblich mit meiner Familie, sondern im weit entfernten Peru verbringen. Seit Anfang Juli lebe und arbeite ich nun schon in Lambayeque, einer der nörd- lichsten Regio- nen Perus. Diese liegt direkt am Pazi- fischen Ozean und ist vor allem durch viele archäologische Funde sowie das Surfer- paradies Pimen- tel bekannt geworden.

Hier lebe ich bei einer liebevollen und bodenständigen Familie mit sehr vielen Tieren. Zudem habe ich einen großen Gastbruder, den ich sofort fest ins Herz geschlossen habe.

Für mich beginnt das Weihnachtsfest dieses Jahr bereits am 4. Dezember. Denn an diesem Datum feiern wir die sogenannte Chocolatada. Bei diesem Fest, welches für Kinder in ganz Peru angeboten wird, werden in Schulen und Rathäusern kleine Geschenke, Süßigkeiten und das in Peru sehr beliebte Panetón, ein Brot mit Trockenfrüchten, an die Kinder verteilt.

Da ich als Englischlehrerin in einem sehr armen Vorort tätig bin, weiß ich, dass dieses Fest, das hauptsächlich durch Spenden finanziert wird, unabdinglich für die Kinder dort ist. Denn die Eltern dort haben meist kein Geld, um den Kindern noch zusätzlich Geschenke zu kaufen.

Das Weihnachtsfest für die meisten Kinder auf dem Land besteht aus dem Gang in die Weihnachtsmesse und dem gemeinsamen Weihnachtsessen mit der Familie. „Ganz ohne Geschenke, denn die gibt es ja bereits bei der Chocolatada”, wie mir einer meiner Schüler berichtete. „Wichtig ist, dass alle Verwandten wieder zusammen sind und dass man sich in der Kirche die Geschichte über Jesus anhört”, berichtete mir eine andere Schülerin.

Auch in meinem Ort sind die Weihnachtsmessen Tradition. Sie finden während der gesamten Feiertage statt. Die Wichtigsten jedoch am 24. Dezember um 5 Uhr morgens und um 21 Uhr abends.

Während des gesamten Tages ziehen Menschen um die Häuser, machen Musik und singen. Mittags trifft man sich aufgrund der hohen Temperaturen häufig mit Freunden im Park und hilft gegen Abend beim Vorbereiten des Weihnachtsessens. Um 0 Uhr des 24. Dezembers beginnt in meiner Familie das traditionelle Weihnachtsessen bei dem Truthahn, Panetón und die für meine Region typischen Empanadas, ein zuckriges Gebäck, gegessen werden.

Zudem werden kleine Geschenke gemacht, die unter dem Weihnachtsbaum, der bei uns traditionell am 15. Dezember aufgestellt wird, platziert worden sind. In den darauffolgenden Tagen werden Weihnachtsmessen oder lange nicht gesehene Verwandte besucht.

Meine Zeit hier in Peru, vor allem die Vorweihnachtszeit, hat mich wirklich sehr beeindruckt. Die Menschen hier leben so viel einfacher und so viel bescheidener als wir in Deutschland und sind trotzdem so glücklich und zufrieden.

Es geht hier an Weihnachten nicht um die teuersten Geschenke, das spektakulärste Outfit oder den schönsten Weihnachtsbaum.

Es geht um die Familie, den Glauben, Hoffnung, Freude und Liebe! Wie ich finde, die wichtigsten Dinge im Leben, denen man nicht nur an Weihnachten besondere Beachtung schenken sollte.

Ich wünsche meiner Familie, meinen Freunden und allen Menschen rund um den Globus ein wundervolles, friedliches und fröhliches Weihnachtsfest!

 

Feliz Navidad y muchos saludos de Perú Chiara Lipp

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