Weihnachtsgrüße

Aus der Entfernung erinnern die Pagoden mit ihren Lichterketten an Christbäume

24.12.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Für Alicia Grupp ist Heimat gerade da, wo ihr Rucksack steht – Seit zwei Monaten bereist sie Südostasien – Neben Thailand bereiste sie auch schon Myanmar

Alicia Grupp ist gerade in der Welt zu Hause. Das Foto entstand in Hpa an in Myanmar.

Seit Anfang Oktober reise ich nun schon mit meinem Rucksack durch Südostasien, habe schon sehr viel erlebt, viel Schönes und manches nicht so Schönes. Man sieht wirklich jeden Tag neue Sachen, trifft neue tolle Menschen, isst Essen, ohne zu wissen, was es ist und was dazu führt, dass ich immer noch recht oft krank bin. Bevor ich losfuhr, konnte ich kein scharfes Essen essen und Reis gehörte auch nicht zu meinen Lieblingsessen. Mit Schärfe habe ich immer noch so meine Probleme, Reis gibt’s mittlerweile mindestens zwei, oft drei Mal am Tag.

Im verrückten Bangkok bin ich angekommen, danach habe ich die Tempelstadt Ayuattaya besucht, bevor es nach Südthailand mit Phuket, Ko Phi Phi, Ko Lanta, Krabi und Kao Sok ging. Nach einiger Zeit an der Westküste bin ich dann für einen Monat durch Myanmar gereist. Meine Stationen hießen Yangon, Mawlamayne, Dawei, Myeik, Hpa-an, Bagan, Mandalay, Hsipaw und Inle-See.

In Nordmyanmar bin ich dann wieder zurück nach Thailand und habe Chiang Rai, Pai, Chiang Mai, Wat Umong und Sukhothai angeschaut.

Da man immer nur so zwei, drei Nächte an einem Ort ist, stimmt es schon irgendwie, das „Home is where your bag is“ oder vielmehr der Rucksack. Wenn ich an einem neuen Ort ankomme, erst mal Rucksack auf, Sachen auf dem Bett verteilen und schon wird aus irgendeinem Bett mein Bett. Das Rucksackreisen bringt einige Besonderheiten mit sich, an die man sich aber recht schnell gewöhnt, zum Beispiel, dass man meistens keine sauberen Klamotten hat und nach dem Duschen wieder in verschwitzte alte Klamotten zurück muss. Aber die frischen wären sowieso nach spätestens zehn Minuten auch verschwitzt. Auch dass man drei Tage die gleichen Sachen anhat, ist etwas Besonderes: Bei einem 13 Kilo schweren Rucksack ist die Auswahl an T-Shirts ziemlich beschränkt.

Gut ist allerdings, dass man seine Sachen immer schnell zusammengepackt hat, denn die Spontanität und die Freiheit bei dieser Art des Reisens ist grenzenlos. Ich habe niemanden, der mir irgendetwas zu sagen hat, ich mache einfach immer das, was ich machen möchte, gehe hin, wohin ich gehen möchte.

Da man sich allerdings nirgends wirklich niederlässt, habe ich schon auch häufiger Heimweh und Sehnsucht nach meinem eigenen Zimmer und nach Menschen, die einen kennen und merken, wenn man mal einen nicht so guten Tag hat oder sich um einen kümmern, wenn man mal wieder krank ist. Das ist dann alles nicht so einfach, aber das gehört halt leider auch dazu.

Keinen festgefügten Plan zu haben hat auch so seine Vorteile. In Krabi wollte ich auf die Inseln der Ostküste. Dann hab ich ein Mädel getroffen und sie meinte, sie fliege heute nach Yangon in Myanmar, ob ich nicht mitmöchte. Ich habe dann einen Flug gebucht und fünf Stunden später bin ich geflogen und habe dann Myanmar bereist – allerdings nicht mit ihr. Sondern ich habe dann eine Freundin aus Bangkok wiedergetroffen und bin dann mit ihr und ihrem Reisegefährten durch Südmyanmar gereist. Das war ziemlich cool, denn der Süden hat sich erst vor Kurzem dem Tourismus geöffnet. In drei Tagen in Dawei haben wir vielleicht vier Touristen gesehen, ganz im Süden in Myeik gar keinen. Wir haben uns wie Promis gefühlt, denn man wird die ganze Zeit fotografiert oder gefragt, ob man ein Bild zusammen machen kann. Die Menschen sind total interessiert, aber manche haben auch Angst.

Einmal morgens konnte ich nicht schlafen und bin laufen gegangen (einmal in zwei Monaten). Ich habe mich wie im Zoo gefühlt, jeder starrt einen richtig an. Ich wurde dann auch zum Beten eingeladen. Während sie mir zeigten, wie es geht, haben sie ein riesiges Frühstück für mich gebracht und alle Leute aus den umliegenden Häusern geholt, sodass am Ende rund 50 Leute um mich rumstanden und mir beim Frühstücken zugeschaut haben.

Die Menschen sind einfach so unglaublich lieb und herzlich, dass war echt eine tolle Erfahrung.

Ich versuche hier möglichst viele unterschiedliche Dinge zu machen und zu erleben. Mittlerweile habe ich mich auch an die eigentlich immer kaputten Motorräder und Motorroller, den Verkehr und die Fahrgewohnheiten gewöhnt, sodass ich auch oft mit dem Motorrad herumfahre, da kann man die coolsten Sachen sehen.

Der Verkehr ist echt verrückt, es gibt keine Regeln, oder zumindest werden diese konsequent ignoriert. In Thailand herrscht Linksverkehr, da kann man sich ja dran gewöhnen, aber in Myanmar ist Rechtsverkehr und die Lenkräder sind auch rechts, man sieht echt gar nichts, wenn man im Auto sitzt.

Sicherheitskleidung gibt’s natürlich nicht, man fährt in Shorts, Top, Flip-Flops und wenn man Glück hat, bekommt man einen Helm, der ungefähr so gut passt wie ein Kochtopf. Aber es macht trotzdem total Spaß.

Sonst habe ich schon einen Kochkurs gemacht, war mit Elefanten im Schlamm spielen und schwimmen, war Trekken und in einem buddhistischen Tempel für drei Tage.

Die Drei-Tage-Trekkingtour in Nordmyanmar war auch eine sehr besondere Erfahrung. Wir sind dort von Dorf zu Dorf gezogen und haben bei einheimischen Familien geschlafen. Dort oben in den Bergen ist die Zeit stehen geblieben, es gibt natürlich keinen Handyempfang und man kommt nur sehr langsam voran. Was ich total faszinierend fand war, dass jedes Dorf seine eigene Sprache hat und auch das Essen, das für uns gekocht wurde, haben sie komplett selbst angebaut. Man kann das nirgends kaufen.

Unser Guide konnte sehr gut Englisch und hat uns so viel zur Natur, der Kultur und der Geschichte des Shan-Staates und von Myanmar erzählt.

Am zweiten Tag sind wir zufällig an einem Festival vorbeigekommen und wurden eingeladen teilzunehmen, alle waren hübsch in den alten traditionellen Kleidern hergerichtet und bereit für die Tänze. Die Kinder waren alle so süß. Wir wollten gar nicht mehr gehen, mit Tränen in den Augen und Kusshänden wurden wir verabschiedet. Ein weiteres tolles Festival war das Loy Krathong, das Lichterfest, in Chiang Mai in Thailand. Dieses Festival dauert drei Tage oder besser Abende und hat mich an viele Festlichkeiten in Deutschland erinnert. Die ganze Stadt war mit Laternen und Lichtern geschmückt, das war ein bisschen wie vor Weihnachten und Weihnachtsmarkt. Allerdings gab es statt Glühwein einen Fruchtshake, da es um die 30 Grad Celsius hatte. Es gab riesige Paraden mit geschmückten Wagen und verkleideten Menschen, was mich an Fasching erinnert hat. Und das ganze Feuerwerk und die aufsteigenden Laternen erinnerten mich schließlich an Silvester.

Da das Reisen auch anstrengend ist und man ständig etwas Neues erlebt, dachte ich, ich mach mal was, was nicht jeder macht und bin für drei Tage zum Meditieren in einen buddhistischen Tempel. Das war auch eine echt coole Erfahrung, mit den Mönchen und ohne Handy, elektrische Musik und einfach mal unerreichbar zu sein. Es ist aber auch echt hart, denn man schläft auf dem Steinboden, muss um 4.30 Uhr aufstehen und meditiert dann den ganzen Tag. Direkt nach dem Aufstehen bestand das bei mir daraus, zu versuchen, nicht wieder einschlafen. Schließlich ist man megamüde und sitzt dann in einem dunklen, ruhigen Raum. Nach elf Uhr morgens gibt es auch nichts mehr zu essen, da hatte ich abends dann schon voll Hunger. Aber auch hier habe ich coole Leute getroffen, zum Beispiel einen Mönch, der schon in mehr deutschen Städten war als ich, eine „Freistaat Bayern”-Fahne vor seinem Zimmer hat, den Text von „Atemlos” von Helene Fischer und „Deutsche Bahn” von den „Wise Guys“ kennt.

Weihnachten gibt es hier eigentlich nicht, weil ich in buddhistischen Ländern bin, aber wenn die Pagoden mit einer Lichterkette geschmückt sind, sieht das aus der Entfernung auch wie ein Christbaum aus. Was ich als Nächstes mache, kann ich noch nicht sagen, ich weiß ja noch nicht mal, wo ich heute Nacht schlafe. Geplant sind aber noch Kambodscha, Laos, Vietnam und die Philippinen. Aber wer weiß schon, wo ich am Ende lande. Wer noch mehr wissen von meiner Reise wissen möchte, soll auf meinen Blog schauen unter in-derweltzuhause.blogspot.com. Da ich aber nur selten einen PC habe, kann ich nur manchmal etwas schreiben.

Meiner lieben Oma Helga wünsche ich alles Liebe und Gute zum Geburtstag. Ich hoffe, du hast einen schönen Tag und jemand anders hilft dir dieses Jahr beim Schinkenhörnchen- und Käseschneckenaufbacken.

Allen anderen wünsche ich schöne Weihnachten und einen guten Rutsch.

Viele Grüße aus Thailand Alicia Grupp

Weihnachtsgrüße aus aller Welt