Weihnachtsgrüße

Auf der Suche nach Weihnachten in Kairo

24.12.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jasmin Dahl erlebt in Ägypten während ihres Auslandssemesters in einem internationalen Kindergarten Weihnachten anders als zu Hause

Von Ägypten hat Jasmin Dahl schon einiges gesehen – wie beispielsweise Dahab, ein Muss für Taucher und Schnorchler, aber auch alle anderen, die Sonne, Meer und das Sinai-Gebirge vereint haben wollen.

Wie feiert man Weihnachten in einem Land, in dem es kein Weihnachten gibt? Wie gestaltet sich hier die Adventszeit? Kommt überhaupt Weihnachtsstimmung auf? Diese Fragen habe ich mir gestellt, da die Vorweihnachtszeit und Weihnachten selbst für mich zu den schönsten Tagen im Jahr zählen.

Doch ich fange zuerst einmal von vorne an! Wie kam es überhaupt dazu, dass ich momentan in Kairo lebe? Ich bin duale Studentin an der DHBW Stuttgart und mitten im zweiten Jahr des Studiengangs „Soziale Arbeit“. In Deutschland bin ich alle drei Monate in einer Erziehungshilfestelle tätig, in der ich mit Kindern im Alter von acht bis 14 Jahren und deren Familien zusammenarbeite. Im dritten Semester wird uns von der Hochschule die Möglichkeit geboten, Erfahrungen in einem anderen sozialen Bereich zu sammeln. Somit war meine Chance für ein Auslandssemester gekommen. Ich entschied mich für die Elementarpädagogik und bewarb mich bei „KOMPASS“, einem offenen Lernhaus mit mehrsprachiger Krippe, einem mehrsprachigen Kindergarten und einer mehrsprachigen Grundschule in Maadi, Kairo.

Das Abenteuer begann zusammen mit meiner Kommilitonin Leona am 1. Oktober. Seither haben wir schon eine Menge erlebt und in Ägypten ein zweites Zuhause gefunden. Die Arbeit bereitet mir richtig viel Freude! Die Kollegen sind toll, mit Leona verstehe ich mich super und die Kinder sind für mich faszinierend, wie sie einfach mal so nebenbei die Sprachen Arabisch, Englisch und Deutsch erlernen.

Unsere Hauptaufgabe ist es, mit den Kindern möglichst viel deutsch zu sprechen und ihnen so die Sprache näherzubringen. Zu jeder Sprache verfügt „KOMPASS“ über Native-Erzieherinnen und jede „nest group“ besitzt zu jeder Sprache eine. So haben die Kinder in jeder Sprache einen muttersprachlichen Ansprechpartner, hören täglich alle drei Sprachen und werden so dazu angeregt, auch alle sprechen zu lernen.

Nach der Arbeit und an den Wochenenden wollen Leona und ich natürlich auch was vom Land sehen! Die typischen Touri-Orte wie die Pyramiden von Gizeh sowie die von Sakkara, das Ägyptische Museum und der Kairo-Tower wurden längst besucht. Ein Ausflug ans Rote Meer in Ain Suchna, eine Quad-Tour durch die Wüste und Kamelreiten in den Sonnenuntergang zählen nun schon zu unseren schönen Erinnerungen. Auch das Wadi Degla, ein ausgetrocknetes Flussbett (Wüste) gleich bei Kairo, haben wir besucht und eine Nacht unter freiem Himmel verbracht. Größere Ziele waren bisher ein verlängertes Wochenende in Dahab und zwei Nächte in Bahariyya. Dahab ist ein Muss für Taucher, Schnorchler und Leute, die einmal viel Sonne, Meer und das Sinai-Gebirge vereint haben wollen.

In Bahariyya schliefen wir in einem Wüstencamp in Lehmhütten und rauschten mit dem Jeep durch die Schwarze Wüste und über die Sanddünen hinweg. Das hat sooo Spaß gemacht – besser als jede Achterbahn!

Außerhalb des Autos ist die Wüste ein Ort voller Ruhe, ein weites Meer von Nichts, nur Sand und man selbst. Wenn man gegen Abend dort ist, ist ein wunderschöner Sonnenuntergang vorprogrammiert.

Doch nun zurück zu Weihnachten. Wir haben das Glück, in einem internationalen Kindergarten tätig zu sein. Die meisten Kinder sind aufgrund beruflicher Gründe ihrer Eltern in „KOMPASS“.

Somit sind hier vielerlei Kulturen vertreten, womit wir nicht allzu sehr auf der Suche nach Weihnachten sein müssen. Die Kinder dürfen Socken für den Nikolaustag mitbringen, es gibt in jeder Gruppe einen Adventskranz, ja sogar einen Adventskalender. Es werden Weihnachtsbücher vorgelesen, es werden Lieder gesungen, es wird gebastelt und zusammen mit den Kindern Plätzchen à la „Weihnachtsbäckerei“ gebacken. Für den Weihnachtsschmuck wird für die Kinder sogar ein „Christmas Workshop“ angeboten. Noch ein bisschen Rolf Zuckowski und schon kommt trotz der Wärme Weihnachtsstimmung auf.

Zum ersten Advent wurde im Team eine Kerze angezündet und es gab aus Deutschland importierten Christstollen und leckere Schoko-Lebkuchenherzen. Da vermisst man Omas Magenbrot nicht mehr allzu schmerzlich! In der Pause wurden die Namen für den „Secret Santa“, das Wichteln, gezogen.

Die Hauptpforte von „KOMPASS“ wurde mit einem kleinen Tannenbaum und einem umso größeren leuchtenden Weihnachtsstern aus rotem Papier dekoriert. Leona und ich haben uns ebenfalls vier Kerzen für unsere gemeinsame Wohnung hier gekauft und uns mit unseren Kolleginnen zum Backen verabredet. Darauf freue ich mich besonders! Sogar Weihnachtsmärkte soll es hier geben! Einen davon werden wir am Wochenende besuchen. Was natürlich nicht fehlen darf ist eine Weihnachtsfeier. Diese findet mit Glühwein, Punsch und vielen kleinen Leckereien bei Heidrun statt, die in Kooperation mit der DHBW Stuttgart steht und uns quasi hierhergebracht hat.

Hört sich doch alles gar nicht so schlecht an oder? Es wird dieses Jahr also auch für uns in Kairo ein Weihnachten geben, nur eben etwas anders als sonst. In diesem Sinne wünsche ich meinen großartigen Eltern Sabine und Wolfram, meiner absoluten Lieblingsschwester Melissa, meiner gesamten Familie, meinem wunderbaren Freund Robin und dessen Familie, meinen Freunden, meiner kleinen Kirchengemeinde in Reudern, dem Jugendbezirk Nürtingen und allen, die mich auf irgendeine Weise kennen, aber auch allen, die es nicht tun und dies lesen, fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2016! Ich freue mich schon auf das nächste Weihnachten wieder zu Hause im Ländle!

 

Alles Liebe Jasmin Dahl

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