Weihnachtsgrüße

An Weihnachten in Badehose und mit Nikolausmütze auf dem Kopf ins blaue Meer stürzen

24.12.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Ian Colin weilt gerade im weihnachtlich dekorierten, aber unweihnachtlich warmen Sydney – Ihm fehlen Kälte, Plätzchen, Adventskranz und vor allem sein Adventskalender

Ian Colin (Mitte) ist zwar allein in Australien unterwegs, aber er hat schon Freunde gefunden.

Raus aus dem Alltag, weg von der Schule, weg von Luxus und dem gewohnten Umfeld.

Sydney hat sich weihnachtlich gemacht.

Das war mein großer Wunsch nach dem Abitur. Ohne Plan in ein fremdes Land und möglichst viel erleben und sehen. Schon bevor ich das Abi abgeschlossen hatte, war mir klar, dass ich reisen will. Sicherlich haben mir diese Abenteuerlust meine Eltern gegeben, die mit meiner Schwester und mir schon in früheren Jahren durch Thailand, Malaysia, Singapur und Vietnam gereist sind und uns so viel wie möglich von der Welt gezeigt haben, wie sie konnten, auch wenn man es in diesem Alter nicht so sehr schätzt, wie ich es jetzt schätze. Danke dafür!

Jedoch ist es jetzt ein komplett neues Gefühl. Ich wusste, ich wollte allein reisen, damit ich so viele Leute wie möglich kennenlerne und auf niemanden angewiesen bin. Doch schon als ich noch im Flugzeug saß, kurz vor dem Flughafen in Sydney war und realisierte, dass ich dort nur eine Hosteladresse und die Verkehrsmittel-App habe, um zu der gewünschten Adresse zu gelangen, war es schwer, nicht gleich wieder den Rückflug zu buchen.

Man muss wissen: Ich hatte keine Ansprechperson hier, bin mit keiner Organisation hergekommen und war total fremd auf einem neuen, sehr heißen Kontinent. Da ich außerdem von Natur aus etwas faul bin, was meine Ex-Lehrer jedem bestätigen können, habe ich auch nicht viel Zeit in die Planung meines Aufenthalts investiert, nur das Nötigste wie Visum, Auslandskrankenversicherung und internationaler Führerschein wurde organisiert. Wie sich in Australien jedoch schnell herausstellte, war das eine sehr gute Entscheidung, da sich hier kaum ein gewünschter Reiseplan verwirklichen lässt und man so offener ist für neue Wege.

Neue Freunde zu finden ist kein Problem, wenn man eine freundliche, offene Person ist und sich auch in Englisch ausdrücken kann, obwohl zugegebenermaßen in den meisten Backpacker-Hostels mindestens fünfzig Prozent Deutsche sind.

Auch wenn die ersten Wochen in Australien schwerfallen, ohne die persönliche Unterstützung, die man von zu Hause gewohnt ist, habe ich mich hier langsam gut eingelebt, war bereits in mehreren Hostels und werde bald mit Freunden in eine Wohnung ziehen, die etwas außerhalb von Sydney liegt, wo ich hoffentlich auch wieder arbeiten kann.

Sydney an sich ist bisher meine Lieblingsstadt dieser Welt – natürlich nach Nürtingen. Sie kann sehr stressig sein, hat aber die relaxte Art, die in Australien überall vertreten ist. Besonders gefallen mir die Parks und Strände, an den man gerne auch nach der Arbeit hingeht, um noch zu surfen oder sich von der Sonne braun brennen zu lassen. Außerdem ist der höfliche Umgang der Menschen untereinander eine nette Abwechslung zu Deutschland. „No worries“, was so viel heißt wie „kein Problem“, ist das Motto in Australien. Auch abends bietet Sydney jede Menge Möglichkeiten für Jugendliche, wie in Parks, Bars oder unglaublich große Diskotheken zu gehen und das sieben Tage die Woche, was die meisten Backpacker natürlich ausnutzen. Am 22. Dezember kommen drei Freunde aus dem Umkreis Nürtingens nach Sydney, deren Artikel auch in der Weihnachtsausgabe vertreten ist. Wir werden dann in eine Wohnung ziehen und Weihnachten und Neujahr zusammen feiern (vgl. Weihnachtsgrüße von Jonas Müller, Lauritz Saile und Tim Jahn, Anmerkung der Redaktion). Bisher ist jedoch das weihnachtliche Gefühl komplett ausgeblieben bei mir. Überall werden Gebäude geschmückt und Weihnachtsbäume aufgestellt, auch in Parks und auf öffentlichen Plätzen. Besonders versucht man weihnachtliche Stimmung in Kaufhäusern zu vermitteln, wo überall leuchtende Sterne und große Christbaumkugeln von der Decke hängen, die mit künstlichem Schnee verziert wurden, um den Verkauf von Weihnachtsprodukten anzuregen, die es hier schon seit Anfang November gibt, gemischt mit jeder Menge „Star Wars“-Produkten. Mir aber fehlt die Kälte, die dicken Jacken, der Schnee, der sofort wieder am nächsten Tag weg ist, die Plätzchen, der Adventskranz und – das Schlimmste – ich hab hier noch nicht einmal einen Adventskalender, mit dem ich mir das Warten versüßen kann.

Außerdem fehlt mir natürlich die Familie, mit der man Heiligabend, und Freunde, mit denen man Silvester feiert. Andererseits freue ich mich auch hier Weihnachten ganz anders zu feiern, vermutlich am Strand mit BBQ, einem australischen Bier und neuen Freunden, die das gleiche komische Gefühl haben über diese neue Art und es trotzdem feiern, dass wir alle in Australien zusammengekommen sind. Dann in Badehosen und einer Nikolausmütze auf dem Kopf ins blaue Meer stürzen, sich abkühlen gehen und danach noch in einen Club.

Silvester wird vermutlich mit Blick auf den Darling Harbour oder die Sydney Opera gefeiert.

Wie meine weitere Reise aussehen wird, kann ich leider selbst nicht beschreiben, da ich noch nichts Genaues geplant habe. Fest steht nur, dass ich aus Sydney weg und den Rest des Kontinents sehen muss!

Ich hoffe, es wird die gewünschte Überraschung für Eltern, Familie und Freunde, dass ich hier schreibe, wie ich und meine Tante es geplant haben. Ich wünsche allen Lesern eine gesegnete Weihnachtszeit und einen guten Rutsch! Besondere Grüße gehen natürlich an meine Familie, meine Schwester und alle guten Freunde.

 

Cheers Ian Colin

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