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Wo uralte Geigen auf ihre Reparatur warten

19.11.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Die Werkstatt von Volker und Jonathan Bley ist vollgestopft mit Geigen! Sogar unter der Decke hängen die Streichinstrumente. Und überall steht Werkzeug. Denn Vater und Sohn reparieren alte Geigen.

Mit einem kleinen Tuch fährt Jonathan Bley immer wieder über die braun-golden-glänzende Geige. Er dreht und wendet das Instrument unter einer Lampe. Ist die Geige an jeder Stelle gut poliert? Genau wird er das erst morgen wissen. Denn manchmal bekommt die Geige über Nacht wieder matte Stellen. „Wenn am nächsten Tag alles glänzt, freut man sich“, sagt der 30-Jährige.

Jonathan hat einen ungewöhnlichen Beruf: Er ist Geigenbauer. Genau wie sein Vater. Beide tragen grüne Schürzen über den Klamotten. In ihrer Werkstatt in Dortmund in Nordrhein-Westfalen reparieren sie alte Geigen. Dort hängen um die 30 Geigen unter der Decke. Sie warten alle auf eine Reparatur. Manchmal müssen die Geigen neue Wirbel bekommen oder einen neuen Steg. Oder der Lack ist zerkratzt.

Jonathan hängt die Geige, die er gerade poliert hat, wieder zu den anderen – die Politur muss trocknen. Jetzt ist die nächste an der Reihe. Die sei auch schon knapp hundert Jahre alt, sagt Jonathan. Klar, dass diese lange Zeit ihre Spuren hinterlassen hat: kleinere und größere Kratzer.

An der Stelle, an der normalerweise der Kinnhalter sitzt, ist die Geige viel heller als in der Mitte unter dem Hals der Geige, wie die Profis sagen. „Das kommt vielleicht vom Schweiß“, sagt Jonathan. Denn an dieser Stelle klemmt sich der Geigenspieler das Instrument unter das Kinn.

Jonathan muss diese helle Stelle nun retuschieren. Das bedeutet: Er trägt mit einem Pinsel vorsichtig farbigen Lack auf, damit die Geige wieder ein bisschen mehr wie früher aussieht. „Manchmal machen wir sogar wieder künstliche Macken in den Lack“, sagt sein Vater, Geigenbaumeister Volker Bley. Denn alte Geigen sollen nach der Reparatur nicht nagelneu, sondern immer noch alt aussehen. Denn wer glaubt schon, dass eine Geige in hundert Jahren keinen Kratzer abbekommen hat?

Doch Reparaturen sind oft nicht so einfach. Manchmal landen ziemlich kaputte Instrumente in der Werkstatt. „Ein Mal kam hier eine Tüte mit einer Geige an, die in eine Bustür eingeklemmt worden war“, sagt Jonathan. Aber auch die bekamen er und sein Vater wieder hin.

Beim Retuschieren trägt Jonathan mit einem Pinsel vorsichtig Lack auf. Foto: Katharina Heimeier

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