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Wenn man seinen Augen nicht traut

06.10.2018, Von Philipp Brandstädter — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Manchmal sehen wir Dinge, die zur Wirklichkeit gar nicht passen

Dem Auge kann man Streiche spielen: Gleich lange Linien erscheinen unterschiedlich lang. Starre Muster beginnen sich zu bewegen. Doch solche Täuschungen beweisen nicht, wie schlecht unsere Augen sind. Sondern vielmehr, wie schnell und trickreich unser Gehirn arbeitet.

Riesig und klein. Oder sind die beiden doch gleich groß und es ist nur eine optische Täuschung? Fotos: Philipp Brandstädter

BERLIN (dpa). Ein Riese und ein Zwerg stehen in einem Raum. Auf dem Bild sieht es jedenfalls so aus. Doch in Wirklichkeit sind der Riese und der Zwerg gleich groß. So etwas nennt man eine optische Täuschung. Also einen Streich mit dem Sehen. Doch wie entstehen optische Täuschungen?

Michael Posch leitet ein ganzes Museum voll mit optischen Täuschungen.

Wir nehmen die Welt mit fünf Sinnen wahr. Wir tasten, riechen, schmecken, hören und sehen.

Auch mit Spiegeln kann man klasse optische Täuschungen erzeugen.

Beim Sehen nehmen unsere Augen Verschiedenes wahr: Farbtöne, hell und dunkel, Formen und Größen. Außerdem bemerken die Augen eher Bewegung als Unbewegliches.

Bewegt sich da was? Manchmal ist das Gehirn verwirrt von dem, was die Augen wahrnehmen.

Doch was es zu sehen gibt und was wir tatsächlich wahrnehmen, sind zwei verschiedene Dinge. Das liegt an unserem Gehirn. Es sortiert die unendlich vielen Infos, die ihm die Augen liefern.

„Welche Informationen für uns wichtig sind, lernt das Gehirn nach und nach“, erklärt der Fachmann Michael Bach. „Es verarbeitet neue Eindrücke und vergleicht sie mit Erfahrungen, die wir bereits gemacht haben.“ Zum Beispiel, wenn wir ein heißes, rötlich loderndes, knisterndes Etwas bemerken, wissen wir sofort: ein Feuer!

Diese Bewertungen erledigt unser Gehirn meist sehr zuverlässig. So wissen wir etwa: Ein Haus, das klein aussieht, muss nicht tatsächlich klein sein. Es könnte auch weiter entfernt stehen. „Durch diese Leistung unseres Gehirns können wir überhaupt erst räumlich sehen“, sagt der Experte. Also etwa nah und fern und hoch und tief erkennen.

Ab und an jedoch sehen wir Dinge, die nicht zu unserer Wirklichkeit passen. Linien auf einem Bild bewegen sich scheinbar, obwohl sie das nicht sollten. Oder die Größe, Farbe oder Form von Dingen erscheint irgendwie merkwürdig. Dann spricht man von optischen Täuschungen.

So wie bei dem Raum mit dem Riesen und dem Zwerg. Aber in dem Fall sind nicht etwa die beiden Figuren ungewöhnlich. Die Täuschung kommt vom vermeintlich normalen Raum: Der Boden, die Wände, die Decke – alles ist total schief und verzerrt! Nur von einem bestimmten Punkt aus sieht man den Raum wie gewohnt. Tatsächlich ist aber die eine Zimmerecke weiter von uns entfernt als die andere. Somit ist der Zwerg nicht etwa klein, sondern einfach nur weiter weg. Der Riese hingegen steht näher am Betrachter und erscheint dadurch größer.

„Eine optische Täuschung zeigt uns nicht, dass uns unsere Augen betrügen“, sagt Michael Bach. „Sie zeigt uns vielmehr, wie trickreich unser Sehsinn mit unserem Gehirn verbunden ist. Auf diese Weise finden wir uns möglichst schnell in der Welt zurecht.“

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