Paulas Nachrichten

Wenn jemand häufig die Schule schwänzt?.?.?.

09.06.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Die zwölfjährige Melissa müsste eigentlich in die Schule gehen, bleibt morgens aber lieber im Bett liegen. Auf ihrem Zeugnis stehen schlechte Noten. So darf es nicht weitergehen – jetzt bekommt sie Hilfe . . .

Melissa lebt mit ihrer Mutter in Wismar in Mecklenburg-Vorpommern. Dort geht sie in die sechste Klasse. Ihr Stuhl im Klassenraum ist aber oft leer. Melissa bleibt einfach zu Hause. Sie kommt nicht besonders gern in die Schule. 100 Tage hat sie in diesem Schuljahr schon gefehlt.

Ihre Mutter macht nichts dagegen. Sie hat nämlich Angst, dass ihre Tochter dann gar nicht mehr zur Schule geht und am Ende keinen Abschluss bekommt. Das Schlimme ist: Ohne Abschluss würde Melissa nur schwer eine Ausbildung finden und keinen richtigen Beruf erlernen.

Es gibt aber Hoffnung: Seit Kurzem besucht Melissa regelmäßig ein spezielles Projekt. Anders als in der Schule lernen die jungen Leute dort in kleinen Gruppen. Hier machen sie Hausaufgaben und bekommen Nachhilfe. Manchmal unternehmen sie auch etwas zusammen. Demnächst geht’s zum Segelbootfahren aufs Meer.

Und es gibt jemanden, mit dem sie reden können: Sandra Reek kümmert sich um Melissa und die anderen. Sie spricht viel mit ihnen und hört sich ihre Probleme an. „Es ist wichtig, dass sie überhaupt darüber reden können“, sagt die Expertin und guckt auf ihre Uhr. Es ist kurz nach 16 Uhr. Die Nachhilfe in Mathe und Englisch hat begonnen. Und wer ist noch nicht da? Melissa. Dabei schreibt sie in zwei Tagen in der Schule eine Arbeit.

Sandra Reek macht sich Sorgen. Dann kommt Melissa plötzlich zur Tür herein. „Da bist du ja“, sagt Sandra Reek und lächelt Melissa zu. Die lächelt ein bisschen zurück und geht einen Raum weiter, wo schon die Nachhilfe-Lehrerin wartet. Dort legt Melissa ihren Rucksack ab und setzt sich zu zwei anderen Mädchen an einen Tisch. Heute steht Geometrie auf dem Plan.

Melissa erzählt, wie es in der Schule ist. Sie sagt, dass sie sich dort nicht konzentrieren kann. „Vor und hinter mir wird zu viel gequatscht.“ Doch ist das auch der Grund, warum sie so oft schwänzt? So genau kann sie es nicht sagen. Auch Sandra Reek nicht. Die Expertin weiß aber, dass Melissa in der Schule gehänselt wird. „Na, bist du auch mal wieder da“, spotten die Klassenkameraden manchmal. Das mag Melissa nicht. Da bleibt sie lieber gleich zu Hause.

Jetzt aber ist die Zwölfjährige da und vor ihr liegen weiße Blätter, ein Lineal, ein Dreieck und ein Zirkel. In der Mitte des Tisches steht eine kleine Schale Gummibärchen. Melissa soll ein Parallelogramm zeichnen. Sie weiß, dass die gegenüberliegenden Seiten eines Parallelogramms gleich lang und parallel sind. Nur: wie sie es zeichnen soll, weiß sie nicht. Doch zum Glück gibt’s die Nachhilfe-Lehrerin. Die zeigt es ihr.

Melissa besucht regelmäßig ein spezielles Projekt. Anders als in der Schule lernen die jungen Leute dort in kleinen Gruppen. Foto: Michael Billig

Paulas Nachrichten