Paulas Nachrichten

Wenn Düfte uns an der Nase herumführen

11.01.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Schnüffel, schnüffel. Es riecht im Kino nach Popcorn und im Supermarkt nach frischem Brot – aber der Duft kommt manchmal nicht von den Lebensmitteln selbst. Geräte sprühen ihn in die Luft.

Im Labor stehen ziemlich große Bottiche und kleine Fläschchen – und überall lagern verschiedene Düfte. Wo? Im Firmenlabor von Jürgen Schenk. Der 51-Jährige ist Dufthersteller. Unter seinen Düften sind auch welche, die nach Popcorn, frischem Brot oder Kaffee riechen. Und das, obwohl in dem Behälter kein Brot und kein Kaffee liegt – sondern nur eine Flüssigkeit wabert. Wofür braucht man solche künstlichen Düfte? Die Firma verdient unter anderem Geld damit, dass zum Beispiel manche Kinos wollen, dass es bei ihnen nach Popcorn duftet. Spezielle Geräte versprühen dann den gewünschten Geruch. So etwas geht auch in Blumenläden, wo es mehr nach Rosen duften soll. Die Kunden sollen sich wohlfühlen – und vor allem sollen sie: kaufen. Denn die Düfte sollen zum Beispiel Appetit auf Brot oder Popcorn machen. Auch in Amerika gibt es schon länger solche Sachen. Dort haben etwa Hotelketten und große Einkaufszentren ihren eigenen Duft. Die Menschen sollen sich daran gewöhnen und – wenn sie später wiederkommen und den Duft riechen – denken: „Hier war ich schon, hier fühle ich mich wohl.“ Meist strömen die Duftstoffe aber nur schwach durch den Raum. Denn die Leute sollen sie eher beiläufig wahrnehmen. Doch die unbewusste Schnupperei kann auch nach hinten losgehen. Ein Duftforscher hat zum Beispiel ein Experiment gemacht, bei dem er Schokoladenduft am Süßwarenregal eines Supermarkts versprühte. Das sollte die Leute anlocken. Aber die waren eher verschreckt – denn Schokogeruch im Supermarkt war ihnen neu. „Sie dachten, die Tafeln Schokolade sind undicht verpackt oder schon angebrochen“, erklärt der Forscher.

Ein Mitarbeiter riecht an einer Flasche mit Leder-Duftstoff. Im Labor stehen ziemlich große Bottiche und kleine Fläschchen – und überall lagern verschiedene Düfte. Foto: Uwe Anspach

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