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Von zu Hause weggelaufen – Abdul erzählt

10.12.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Abdul ist von zu Hause abgehauen. Der Junge lebt in Tansania im Osten Afrikas. Eine Weile verbrachte er auf der Straße, aber inzwischen ist er in einem Zentrum für Kinder wie ihn untergekommen. Aber Weihnachten will Abdul mit seiner Familie zusammen sein.

Abdul ist 14 Jahre alt – zumindest sagt er das. Der Junge mit den großen braunen Augen sieht eigentlich jünger aus. Aber vielleicht hat er sich auch nur daran gewöhnt, sich älter zu machen, um größer und stärker zu wirken. So wie damals, als er von zu Hause fortgelaufen ist, in die Stadt Arusha. Das liegt in Tansania, einem Land in Ostafrika.

„Ich habe gedacht, da kann ich Geld machen“, sagt Abdul und lacht verlegen. „Aber ich fand vor allem Probleme.“ Abdul hat auf der Straße gelebt. Er hat Urlauber angebettelt, um sich Essen kaufen zu können. Wie viele Straßenkinder hat er Sachen gemacht, auf die er heute nicht stolz ist. Die Abenteuerlust war bald vorbei.

Denn wenn man unter Zeitungen in einem Hauseingang schlafen muss, auch wenn es gerade in Strömen regnet, ist das kein Abenteuer mehr. Sondern ein schweres Leben. Aber nach Hause, zu der Familie auf dem Dorf, hat Abdul sich auch nicht zurückgetraut.

Der Junge hatte Glück – in einem Zentrum für Straßenkinder fand er ein neues Zuhause. Er geht wieder zur Schule und schläft in einem richtigen Bett in einem Schlafraum, den er sich mit fünf anderen Jungen teilt. Abdul hat sogar ein Fach in einem Schrank, wo er seine wenigen Sachen sicher verstauen kann. In dem Zentrum fühlt sich Abdul wohl. Wenn er mal Probleme hat, kann er mit den anderen Jungen reden, aber auch zum Beispiel mit Lehrern.

Wie alle Kinder, die in dem Zentrum leben, muss Abdul Aufgaben für die Gemeinschaft übernehmen. Er kümmert sich mit seinem Freund um die Kaninchen. Andere Jungen arbeiten auf dem Feld, kümmern sich um die Kühe oder Schweine. Das ganze Zentrum ist wie ein großer Bauernhof, der von den rund 45 Jungen betrieben wird. Es gibt genug zu essen – Mais und Gemüse aus dem eigenen Garten.

Die älteren Jungen lernen auch einen Beruf, zum Beispiel Elektriker, Maurer oder Schreiner. „Ich will Elektriker werden“, sagt Abdul. Aber noch hilft er zusammen mit seinem Freund in einer Werkstatt aus, in der aus Metallteilen Spielzeugautos gefaltet werden – das macht ihm Spaß und ist nicht zu anstrengend.

Nun freut sich Abdul auf Weihnachten. Denn Weihnachten verbringen die Jungen bei ihren Familien – jedenfalls alle, die das wollen.

„Ich hatte keine Probleme mit meinen Eltern, als ich weggelaufen bin“, sagt Abdul. „Ich wollte einfach nur weg aus dem Dorf.“ Heute weiß er, dass er sich damit eine Menge Probleme eingebrockt hat. „Aber wenn ich Weihnachten nach Hause fahre, kann ich meine Schulhefte zeigen und von meiner Arbeit erzählen. Dann sehen meine Eltern, dass ich mein Leben in den Griff gekriegt habe.“

Abdul steht in der Werkstatt im Zentrum für ehemalige Straßenkinder bei Arusha, Tansania. Foto: Eva Krafczyk

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