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Über grüne Hügel zischen – Lukas fährt Grasski

03.07.2012, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Skifahren im Sommer? Klar, auf einem Gletscher geht das. Aber Lukas hat noch einen anderen Weg gefunden: Er fährt Grasski. Dabei saust er grüne Hügel herunter.

Keine Spur von Pulverschnee. Wenn Lukas derzeit die Piste hinuntersaust, ist alles grün. Statt einem Rauschen begleitet ein Zischen jeden einzelnen Schwung. Und in seinem Skianzug kommt er ziemlich schnell ins Schwitzen. Denn der Zehnjährige aus Sachsen trainiert nicht auf dem Gletscher. Er fährt Grasski auf einem kleinen Berg im Erzgebirge.

„Grasski ist auch ein Skisport“, erklärt Lukas. „Aber auf einer Wiese und im Sommer.“

Dafür braucht Lukas eine besondere Ausrüstung. Die Bretter, mit denen er im Winter über den Schnee gleitet, taugen im Sommer nichts. Sie würden auf der Wiese schnell ins Stocken geraten.

Was Lukas sich stattdessen unter die Füße schnallt, erinnert mehr an die Ketten einer Pistenraupe oder eines Baggers als an normale Skier. Ein breites Band läuft auf Rollen um eine Schiene. Darauf rollt Lukas ins Tal. Die Grasskier sind dabei gerade mal etwa halb so lang wie die Bretter im Winter, dafür aber etwa vier Mal so hoch.

Trotzdem ist die Fahrtechnik ähnlich: Lukas geht leicht in die Hocke, während er den Hang hinuntersaust. Er bringt sein Gewicht nach vorne und legt sich immer schön in die Kurve. „Dabei brauchst du viel Druck, dass du nicht wegrutschst – vor allem bei Regen“, erzählt Lukas. Denn die Grasskier haben keine scharfen Kanten wie die normalen Skier. Man kann sie auch nicht einfach quer stellen und auf der Kante bremsen. „Beim Grasski musst du richtig eine Kurve fahren und dann ausrollen.“

Während die meisten seiner Freunde lieber Fußball spielen, hat Lukas schon mit fünf Jahren Grasski für sich entdeckt. Seit er sechs ist, fährt er sogar Rennen. Dafür trainiert er im Sommer zweimal pro Woche. Der Verein in Ehrenfriedersdorf richtet die Piste extra für Lukas, seinen Vater und zwei weitere Grasskifahrer her. Und der Skilift fährt auch im Sommer.

Rennen mit Zelten und Lagerfeuer

Lukas und die anderen sind manchmal mehrere Stunden mit dem Auto unterwegs, um an Wettbewerben teilzunehmen. Es gibt – wie im Winter – Rennen in Slalom, Riesenslalom, Super-G. „Das ist auch ein gutes Training für den Winter“, sagt Lukas. Er fährt in der Schnee-Saison auf normalen Skiern. Trotzdem sind die Grasski-Meisterschaften nicht mit den Skirennen im Winter zu vergleichen. Allein schon deshalb, weil es nur sehr wenige Grasski-Fahrer in Deutschland gibt. Die Rennen sind immer mit Übernachtung, sagt Lukas. „Wir schlafen im Zelt oder im Auto. Und abends gibt es dann ein Lagerfeuer.“

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