Paulas Nachrichten

Tierpfleger und Tiger bleiben streng getrennt

09.03.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Anfangs sieht die Tigerdame Taiga noch ganz harmlos aus: Sie hat es sich unter einem Felsen im Hamburger Tierpark Hagenbeck gemütlich gemacht und leckt sich mit der Zunge übers Fell.

Doch sie ist nicht alleine im Gehege: Die Raubkatze muss sich ihr Revier mit dem Tigermann Sascha teilen. Sascha will kuscheln. Als er sich neben Taiga legen will, zeigt das 16-jährige Sibirische Tigerweibchen, dass es auch anders kann: Taiga faucht laut und holt mit der Pranke aus. Sascha faucht zurück – dann gibt er auf. Er wirft sich auf den Rücken und streckt die Beine in die Luft. Das bedeutet, dass er sich unterwirft. Mit Taiga will er sich lieber nicht anlegen.

Der Tierpfleger Uwe Fischer weiß, wie gefährlich die Tiger sein können. Seit fünf Jahren kümmert er sich um sie, ebenso wie zum Beispiel um Riesenotter, Polarfüchse und Schildkröten. Aber während er die Polarfüchse aus der Hand füttern kann, hält Uwe Fischer bei den Tigern Abstand. „Ich hätte keine Chance, wenn ich ihnen direkt gegenüberstehen würde“, sagt er. Deshalb sind zwischen ihm und den Tieren zwei Türen. Und der Tierpfleger achtet genau darauf, dass diese Gatter auch immer verschlossen sind. Tagsüber sind Sascha und Taiga im Außengehege. Dann kann der Pfleger das Tigerhaus saubermachen, in dem die Tiere nachts schlafen. Öffnet man dort die Tür, muffelt es sehr nach den Wildtieren – und süßlich nach Fleisch. Denn die Raubkatzen haben Hühner gefressen. Und Tierpfleger Fischer muss nun die Knochenreste und Federn aufsammeln. Danach kippt er einen Schwall heißes Wasser über den Boden und wischt durch den Stall.

„Die Arbeit als Tierpfleger ist hart“, findet er. Egal ob es schneit oder regnet, er muss viel im Freien arbeiten. „Und die Ställe ausmisten ist auch ziemlich anstrengend“, sagt er. Werden seine Kollegen krank, muss Uwe Fischer sogar seinen Urlaub abbrechen und arbeiten gehen: Die Tiere kann man ja nicht alleine lassen.

Dennoch möchte der 46 Jahre alte Tierpfleger seinen Beruf nicht tauschen: „Das hier ist mein Traumjob“, sagt er. Schon als Kind wollte er nichts anderes werden. Deshalb machte er nach der Schule eine Ausbildung zum Tierpfleger. Dabei lernte er alle Bewohner des Zoos kennen, von der Koralle bis zum Elefanten. Und die Tiere kennen ihn auch: Als Tiger Sascha seinen Pfleger vor dem Außengehege sieht, setzt sich das Tier aufrecht hin. Ohne den Kopf zu bewegen, starrt es den Mann aus leuchtend grünen Augen an. Später dann im Tigerhaus wird Sascha riechen, dass der Tierpfleger da war und alles geputzt hat. Aber näher als das werden sich die beiden nie kommen dürfen.

Sibirischer Tiger im Schnee Foto: Patrick Pleul

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