Paulas Nachrichten

Stimmen aus dem Ozean

20.05.2017, Von Stefanie Paul — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Das Südpolarmeer ist einer der letzten unberührten Ozeane

Rund drei Jahre lang haben Forscher das Südpolarmeer rund um die Antarktis abgehört. Mithilfe der Aufnahmen haben sie viel herausgefunden – zum Beispiel darüber, wie Zwergwale leben.

Im Südpolarmeer ist es eisig kalt. Trotzdem fühlen sich hier viele Walarten wohl. Hier siehst du einige. Grafik: D. Dytert

BERGEN. Wie klingt eigentlich der Ozean? Der Forscher Sebastian Menze weiß es. Zusammen mit Kollegen hat er fast drei Jahre lang den Ozean abgehört. Dabei interessierten die Forscher sich für ein besonderes Gebiet: das Südpolarmeer, rund um die Antarktis.

„Das Südpolarmeer ist einer der letzten unberührten Ozeane“, erklärt der Forscher. Das bedeutet, dort sind keine großen Container-Schiffe unterwegs, es gibt keine Windräder im Meer und zum Bei spiel auch keine Bohrinseln. „Es gibt dort also kaum Geräusche, die von uns Menschen verursacht werden“, sagt der Fachmann. Und genau das hat die Forscher interessiert: Wie klingt eigentlich so ein unberührter Ozean? Welche Tiere leben dort und wie verhalten sie sich?

Normalerweise beobachten die Forscher die Tiere von Booten aus oder aus der Luft mit Flugzeugen. Aber das ist teuer und aufwendig. Und funktioniert auch nur tagsüber. Mithilfe der Mikrofone konnten die Experten die Tiere das ganze Jahr über beobachten – Tag und Nacht, im Sommer wie im Winter.

„Im Sommer ist es im Südpolarmeer zum Beispiel richtig laut. Dann gibt es dort viele Stürme und große Wellen“, verrät der Forscher. Im Winter ist es dagegen leise. Das hat etwas mit der Eisdecke zu tun, die sich in den Wintermonaten bildet. Das Wasser gefriert, es gibt keine Wellen mehr. „Das Eis wirkt zudem schallisolierend. Es dämpft alle Geräusche ab“, erklärt Sebastian Menze. Je dicker die Eisschicht ist, desto leiser wird es. Manche Tiere hört man das ganze Jahr über, zum Beispiel Blauwale. Andere Tiere wie Zwergwale sind vor allem im Winter zu hören.

„Im Sommer sind die Zwergwale auffallend still“, sagt Sebastian Menze. Vielleicht versuchen sie auf diese Weise, ihren Feinden aus dem Weg zu gehen – den Orcas. Diese sind im Sommer im Südpolarmeer unterwegs und machen unter anderem Jagd auf die kleinen Wale. Den antarktischen Winter verbringen die Orcas dagegen woanders. Die Zwergwale hätten also weniger zu befürchten.

Und noch etwas konnten die Forscher hören: Im Winter sind die Zwergwale nachts lauter als tagsüber. Das könnte mit ihrem Futter zu tun haben, dem Krill. Das sind kleine Lebewesen wie winzige Krebstierchen. Den Tag verbringt der Krill in tieferen Wasserschichten. Aber nachts schwimmen die Tierchen hinauf an die Wasseroberfläche. Für die Zwergwale beginnt dann die Futterzeit.

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