Paulas Nachrichten

Spielen mit Mega-Murmeln und einem Schweinchen

09.10.2012, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Klack! Der Kies spritzt, als Metallkugeln aufeinanderprallen. So geht es bei dem Spiel Boule (gesprochen: bul) zu. Einer, der Boule beherrscht, ist der 16-jährige Milan.

Milan Seehausen konzentriert sich beim Boule. Foto: Petra Reinken

„Schießen, du musst schießen!“, rufen die Mitspieler ihrem Mannschafts-Kameraden Milan zu. Milan schießt auch, aber nicht mit einem Gewehr. Er hält eine blanke Metallkugel in der Hand. Sie ist ein bisschen größer als ein Tennisball, aber viel schwerer. Und das Spiel, das er und fünf andere an diesem Abend spielen, heißt Boule (gesprochen: bul).

Milan geht in den Kreis, der auf dem Boden aufgezeichnet ist. Mit seiner Kugel soll er andere Metallkugeln abschießen, die ein paar Meter weiter im Kies auf der Erde liegen. Ein lautes Klacken sollte zu hören sein, wenn die Kugeln aufeinandertreffen. Stattdessen macht es „phmp“. Milans Kugel ist nur im Kies gelandet. Sie hat eine ordentliche Delle hinterlassen, aber keine der anderen Kugeln getroffen. Diese Runde geht am Ende an die gegnerische Mannschaft.

Beim Boule geht es nicht nur ums Schießen – das ist nur eine von mehreren Techniken. Die andere wichtige Technik heißt „Legen“. Ziel ist es, die großen Kugeln so nah wie möglich an einer kleinen bunten Zielkugel zu platzieren. Diese kleine bunte Kugel heißt Sau oder Schweinchen.

Milan schießt normalerweise richtig gut. Der 16-Jährige spielt Boule beim SV Essel in der Nähe von Schwarmstedt. Das liegt in Niedersachsen. In dem Bundesland gehört Milan zu den besten Jugendlichen. Sein Vater hat ihn für Boule begeistert, als Milan acht Jahre alt war. Seitdem spielt er regelmäßig. Bei der Partie an diesem Abend ist der 16-Jährige schon wieder an der Reihe. Wieder soll er schießen, also die anderen Kugeln treffen – und dadurch vom Schweinchen wegtreiben. Er konzentriert sich – und jetzt klappt es: Kalacker! Der Kies spritzt, die Kugeln stieben auseinander. Wer das Spiel gewinnt, ist damit wieder völlig offen.

Für Boule-Neulinge ist schwer zu erkennen, wer gerade besser ist – die vielen Kugeln liegen im Kies herum und sehen irgendwie alle gleich aus. Milan widerspricht: „Die Kugeln sind alle unterschiedlich. Sie sind verschieden schwer und haben andere Oberflächen. Ich spiele zum Beispiel nur mit glatten Kugeln“. Ach so! Beim Boule muss man also nicht nur gut schießen und legen können, sondern auch immer genau hingucken!

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