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Schreiben in der Schule: Der große Streit um die Schnörkel

16.02.2012, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Schreiben lernen, ja. Aber welche Schrift? Darüber zoffen sich Fachleute gerade mal wieder heftig. Und jeder sagt, dass er Schülern das Schreiben möglichst leicht machen will.

Dieser Stift hat es nicht eilig. Gemütlich bewegt er sich über das Papier. Er malt sehr sorgfältig einen Buchstaben darauf. Kurz rauf, wieder runter und ein Kringel dran. Fertig ist das kleine t, in Schreibschrift. Marten, sieben Jahre, hält den Stift in der Hand. Er geht in die zweite Klasse einer Grundschule in Hamburg und lernt Schreibschrift. Einige Fachleute sagen dazu auch Schulschrift.

„In der ersten Klasse haben wir erst Druckschrift gelernt. Später kam dann die Schreibschrift dran, jetzt haben wir gerade das ganze Abc durch“, sagt Marten. Einige Buchstaben findet er ein bisschen schwierig. „Aber Schreibschrift lernen macht auch Spaß“, meint er. So wie bei Marten läuft das bisher für die meisten Schüler in Deutschland. Aber wenn es nach einigen Fachleuten geht, soll das bald anders werden:

SIE FORDERN: Die Schulschrift – wie es sie bisher gibt – soll abgeschafft werden.

IHRE BEGRÜNDUNG: „Die Schüler lernen jetzt doppelt schreiben“, kritisiert Ulrich Hecker. Er ist Lehrer und arbeitet bei einem Schulverband. „Die Schüler lernen zuerst Druckbuchstaben und schreiben damit eigene Texte. Wenn sie das schon können, sollen sie noch eine zweite Schrift lernen – eine der drei Schulschriften, die es in Deutschland gibt. Das ist Zeitverschwendung. Eine Schrift zu lernen ist genug!“

Außerdem hätten viele Schüler am Ende der Grundschule oder auch in den höheren Klassen Probleme beim Schreiben. „Die Schrift ist oft schlecht zu lesen. Viele Schüler kehren dann wieder zur Druckschrift zurück“, sagt Ulrich Hecker.

IHR VORSCHLAG: Wenn es nach Ulrich Hecker und seinen Mitstreitern geht, sollen Schüler in Zukunft eine sogenannte Grundschrift lernen. Zuerst üben sie dafür wie bisher die Druckschrift: Buchstaben mit meist geraden Linien, ohne Schnörkel. Später entscheiden die Schüler selbst, wie sie die Druckbuchstaben miteinander verbinden. Daraus wird dann die Grundschrift. Sie ersetzt die alte Schreibschrift.

„Jeder Schüler kann seine Schrift dann viel besser so entwickeln, wie sie zu ihm passt,“ findet Hecker. „Wenn die zusätzliche Schulschrift wegfällt, haben die Schüler außerdem mehr Zeit, andere Dinge zu lernen.“

Für andere Fachleute dagegen klingt die Idee völlig verrückt.

SIE FINDEN: Es ist extrem wichtig, dass Schüler weiterhin die alte Schreibschrift lernen. Das sagt zum Beispiel die Expertin Susanne Dorendorff. „Die Druckbuchstaben lernen die Schüler streng genommen zum Lesen lernen. Aber zum Schreiben lernen brauchen sie eine richtige Schreibschrift.“

IHRE BEGRÜNDUNG: Bei der alten Schreibschrift werden die Buchstaben miteinander verbunden, sodass Schwung und eine fließende Bewegung entstehen. Das kann man sich so vorstellen: Die Gedanken und Worte fließen aus dem Kopf, in den Stift und von da auf das Papier. „Das Schreiben hilft dann beim Denken. Aber das geht nicht mit der Grundschrift. Weil man den Stift dabei immer wieder absetzt“, findet die Expertin. Einige Fachleute meinen auch, dass mit der Grundschrift die persönliche Note der Handschrift verloren geht.

Wer sich in dem Schriftstreit durchsetzt, ist noch unklar. In der Stadt Hamburg haben Politiker die Sache erst einmal so gelöst: Jede Grundschule darf selbst entscheiden, welche Schrift die Schüler dort lernen: die neue Grundschrift oder die Schreibschrift, wie es sie bisher gab. Marten findet es am besten, wenn die Lehrer die Schriftart bestimmen: „Die müssen den Schülern das Schreiben schließlich beibringen.“ Und wenn er selbst entscheiden dürfte? „Vielleicht wäre ich für die Grundschrift.“ Er würde die mal ausprobieren.

Marten lernt jetzt die Schreibschrift. Foto: Silke Fokken

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