Paulas Nachrichten

Schöffin bei Gericht

19.07.2012, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Bei manchen Gerichten sitzen sie neben dem Richter: Schöffen. Barbara Faeser ist eine solche Schöffin in Berlin. In der Stadt gibt es etwa 6000 davon. In einer Verhandlung eines Schöffengerichts sitzen zwei Schöffen. Zusammen mit dem Richter entscheiden sie: Ist ein Angeklagter schuldig und wie wird er bestraft?

Schöffen haben meist völlig andere Berufe. Sie arbeiten nur nebenbei im Gericht und das auch nur für eine bestimmte Zeit. Man sagt, sie arbeiten ehrenamtlich. Sie werden dafür also nicht bezahlt. Barbara Faeser ist in diesem Jahr am Berliner Landgericht für Jugendstrafprozesse zuständig. „dpa-Nachrichten für Kinder“ hat die 62-Jährige gefragt, wie ihre Arbeit als Schöffin so abläuft.

Was ist Ihre Aufgabe als Schöffin?

Ich muss bei den Gerichtsverhandlungen aufmerksam zuhören. Ich darf auch Fragen stellen, um genau herauszufinden, was passiert ist. Damit ich mir dazu eine eigene Meinung bilden kann. Mein Urteil muss unparteiisch sein. Ich darf mich weder von dem Angeklagten, seiner Verteidigung noch von dem Ankläger vereinnahmen oder beeinflussen lassen. Als einfache Bürgerin bringe ich meine eigene Lebenserfahrung mit – und bin eine unabhängige Stimme aus der Bevölkerung. Das ist wichtig, damit ein Urteil im Namen des Volkes gefällt werden kann. Als Schöffe habe ich die Möglichkeit, mich aktiv einzubringen, anstatt über die Ungerechtigkeiten in der Welt nur rumzujammern.

Wie lange dauert denn so eine Gerichtsverhandlung?

Wenn der Angeklagte geständig ist, kann das sehr schnell gehen. Manchmal habe ich so an einem Vormittag drei verschiedene Verhandlungen hintereinander. Ist der Angeklagte nicht geständig, kann das sehr lange dauern. Dann muss der Staatsanwalt Beweise vorlegen. Man muss Aussagen von Zeugen hören und die Beschuldigten befragen. So ein Prozess kann dann über mehrere Verhandlungstage gehen.

Wird das nicht langweilig?

Doch. Wenn ein Prozess lange dauert, werden die Umstände der Tat oft wiederholt. Und irgendwann kennt man alle Einzelheiten auswendig. Da muss man aufpassen, dass man trotzdem bei der Sache bleibt und nichts verpasst. Ein Schöffe ist einmal eingeschlafen. Da musste der ganze Prozess noch einmal von vorne begonnen werden, mit einem anderen Richter und neuen Schöffen.

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