Paulas Nachrichten

Schilder mit Punkten: Lernen in der Blindenschule

19.07.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Fast berührt ihre Nasenspitze das Blatt Papier. Adina hält sich den Zettel mit dem Song-Text ganz dicht vors Gesicht. Sonst würde sie nichts erkennen, sagt die Zwölfjährige. Trotz Brille. Und dann könnte sie im Musikunterricht nicht mitsingen. Adina kann nämlich sehr schlecht sehen. Genau wie ihr Klassenkamerad Matthias.

Adina und Matthias besuchen eine Schule für Blinde in Soest im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Aber nicht alle Schüler hier sind ganz blind, manche können auch noch ein bisschen sehen. Adina kann zum Beispiel auf einem Auge hell und dunkel unterscheiden. Auf dem anderen Auge sieht sie ganz wenig. Adina lässt die Beine von der Tischtennisplatte baumeln und zeigt auf ein paar Bäume, die weiter weg stehen. „Die Bäume da hinten kann ich sehen, aber einen Menschen könnte ich nicht erkennen“, sagt Adina. Der Mensch wäre zu klein für sie. Ihre Schulkameradin Marina kann nicht einmal die Bäume erkennen. Sie ist so gut wie blind. „Ich kann ein ganz kleines bisschen sehen“, erzählt die 14-Jährige. Obwohl sie fast blind ist, läuft sie wie alle anderen Kinder über die Gänge in ihrer Schule. Allein und ohne Stock. Kein Problem. Überhaupt sieht es in den Klassenräumen und auf den Fluren nicht viel anders aus als in jeder anderen Schule auch. Nur die Klassen sind viel kleiner als in normalen Schulen. In die Klasse von Adina und Matthias gehen zum Beispiel nur sechs Kinder. In ihrem Klassenraum stehen Lesegeräte. Damit können die Kinder die Schrift aus Büchern mit einer Kamera vergrößern und am Bildschirm lesen. Und auch an den Türschildern kann man erkennen, dass man in einer Schule für blinde Kinder ist. Da steht nämlich nicht nur in normaler Schrift „Computerraum“, sondern auch in Blindenschrift. Die besteht aus vielen kleinen Punkten. Für Marina sind diese Türschilder nicht so wichtig. Sie findet ihren Klassenraum auch so. Denn sie kennt sich in der Schule und auf dem Gelände des Internats super aus. Sie bewegt sich hier ganz sicher. Nur einmal, als sie sich umdreht, stößt sie leicht an die Kante von einem Tisch. „Ich laufe nach Gefühl“, sagt sie. Blindenstöcke sind in der Schule nämlich verboten. Die anderen Kinder könnten darüberstolpern. Aber wenn sie woanders unterwegs ist, nimmt sie den langen weißen Stock mit. Dann schwingt sie mit der Spitze locker von rechts nach links und wieder zurück. Wenn Hindernisse im Weg stehen, stößt ihr Stock daran und sie merkt es rechtzeitig. Marina wurde fast so blind geboren wie sie heute ist. „Bis ich zwei war, konnte ich ein bisschen sehen“, sagt sie. Dann ging bei einer Operation etwas schief und seitdem muss sie sich noch mehr auf ihre anderen Sinne verlassen. Hören ist für sie total wichtig. Einer ihrer Lehrer zieht zum Beispiel immer seinen Rollkoffer hinter sich her. Den erkennt sie schon, wenn er hinten um die Ecke biegt. Es stört Marina überhaupt nicht, wenn sie andere fragen, was das Blindsein für sie bedeutet. „Das ist voll in Ordnung“, sagt sie. Ist doch klar, dass die anderen neugierig sind. Das findet Matthias auch. Manchmal sprechen ihn Leute auf seine Brille mit den rötlichen Gläsern an. „Dann sage ich: „Weil ich schlecht sehe“, erzählt Matthias. Er geht damit ganz cool um.

Adina sitzt am Lesegerät in ihrer Klasse und liest in ihrem Englischbuch. Foto: Katharina Heimeier

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