Paulas Nachrichten

Schiffswracks und versunkene Partyinsel

11.10.2008, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Archäologen buddeln nicht nur im Sand oder in der Erde nach alten Kulturschätzen, sondern manchmal auch unter Wasser. Und das ist gar nicht einfach. Tief unten können die Forscher nichts sehen. Und zwischen versunkenen Schiffen können sie sich auch nicht frei bewegen. „Manchmal ist es so dunkel, dass man seine Hand vor der Taucherbrille gar nicht sieht“, sagt Brian Abbott. Der amerikanische Techniker taucht seit vielen Jahren nach versunkenen Schiffen. Er misst sie genau aus, macht Fotos und manchmal birgt er auch ihre Schätze. Ab und an nimmt er auch seinen zehnjährigen Sohn mit auf Tour.

Seit kurzer Zeit arbeitet Brian Abbott am Michigan See, der zu den fünf großen Seen Nordamerikas gehört. „Aber ins Wasser gehe ich nicht mehr, denn mittlerweile bin ich zu alt und zu dick, um mich in den Taucheranzug zu zwängen“, sagt er. Die Unterwasser-Arbeit macht jetzt sein Kollege Mark Holley.

Einen Teil der Schatzsuche erledigt ein Gerät für die beiden, ein sogenanntes Sonar. Das ist mit an Bord ihres Bootes. Das Sonar sendet Schallwellen nach unten aus. Auf dem Weg zum Seeboden treffen diese Wellen auf Fische, Steine oder eben größere Dinge wie Schiffe. Von all diesen Dingen prallen die Schallwellen wieder ab. Was zurückkommt, misst ebenfalls das Sonar.

Aus den Echos errechnet ein Computer ein Bild. Und das können die beiden Fachleute – oder eben Brian Abbotts Sohn – auf einem Monitor sehen. Damit wissen sie genau, was irgendwo im Wasser liegt, egal ob es ein Schatz ist oder ein altes Fahrrad.

„Wenn wir eine bestimmte Stelle absuchen wollen, halten wir das Sonar kurz übers Wasser und messen etwa 30 Sekunden“, erzählt Brian Abbott. „Wir haben da schon tolle Sachen gefunden: nicht nur alte Schiffswracks und abgestürzte Flugzeuge, sondern einmal sogar einen ganzen Zug.“ Die Eisenbahn sollte vor vielen Jahren in die Werkstatt. Doch die lag auf der anderen Seite des Sees. Im Winter sollte der Zug deswegen über das Eis gezogen werden. Das wäre eine gute Abkürzung gewesen, doch leider brach der Zug im Eis ein.

Es schlummern viele Überraschungen im See, erzählt Mark Holley. „Die lustigste Entdeckung war eine Partyinsel, eine Ansammlung von Stühlen, Bänken und ein Kühlschrank – mitten auf dem Grund des Michigansees.“ Die Entdecker fragten ein paar alte Leute in einem Dorf in der Nähe, was das wohl sein könnte. Und die erinnerten sich: Um 1950 herum wollten Teenager im Winter auf dem Eis feiern. Doch die Party war schnell vorbei. Noch bevor sie richtig losging, brach alles ein und war versunken. Dort lag es dann seit etwa 50 Jahren.

Das Bild zeigt eine Sonaraufnahme eines Schiffswracks auf dem Boden des Lake Michigan. Solche Bilder lassen sich mit dem Sonar-Gerät erzeugen. Hier sieht man, dass am Seeboden ein versunkenes Schiff liegt.

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