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Sah der Täter ungefähr so aus?

31.12.2014, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Eine Phantombild-Zeichnerin berichtet von ihrer Arbeit

Ein Verbrechen wurde begangen. Ein Zeuge hat den Täter gesehen und soll ihn nun beschreiben. Nicht einfach nur so, sondern damit ein Bild von dieser Person angefertigt werden kann. Brigitte Klage zeichnet solche Phantombilder.

Diesen Mann gibt es nicht. Brigitte Klage hat ihn sich nur ausgedacht, damit ihr sehen könnt, wie ein Phantombild etwa aussieht. Fotos: dpa

Wer einen Menschen gut kennt, kann ihn auch gut beschreiben. Doch wie gelingt das, wenn man jemanden nur ganz kurz gesehen hat? Solche Fragen helfen dann weiter: Was hatte er für eine Frisur? War seine Nase eher groß oder klein? Welche Form hatten die Augen? Es kann wichtig sein, eine Person möglichst genau zu schildern. Nämlich dann, wenn derjenige eine Straftat begangen haben soll und gesucht wird. Manchmal wird dann ein Phantombild erstellt. Das hilft der Polizei, die Person zu finden.

Nasen zum Aussuchen

Solche Suchbilder erstellt zum Beispiel Brigitte Klage. Sie arbeitet als Phantombild-Zeichnerin beim Landeskriminalamt in Berlin. Stück für Stück versucht sie das Gesicht eines mutmaßlichen Täters nachzuzeichnen. Das klappt nur mit der Hilfe von Zeugen oder den Opfern. Das können etwa Leute sein, die ausgeraubt worden sind. Der Computer hilft Brigitte Klage bei der Arbeit: Sie benutzt ein Programm, mit dem sich Fotos bearbeiten lassen. Zudem hat sie eine Bildersammlung von Mündern, Nasen, Augen, Augenbrauen, Frisuren und Ohren. Nacheinander muss sie alles am Computer zusammensetzen – ganz wie ein Puzzle.

Die Gesichtsform zuerst

Los geht es dabei mit der Form des Gesichts: „Ich frage, ob der Täter oder die Täterin eher ein rundes oder ein schmales Gesicht hatte und zeige dann Beispiele“, erklärt Brigitte Klage. Das passende Gesicht zieht die Phantombild-Zeichnerin mit der Computermaus auf ein leeres Blatt auf dem Bildschirm. Danach kommt die Frisur: Waren die Haare kurz oder lang? Vielleicht mit Pony? Brigitte Klage zieht eine Frisur auf den Umriss des Gesichts und fragt: „Sah der Täter so aus?“ Wenn das Opfer oder der Zeuge sagt, dass es dem Täter sehr ähnlich sieht, geht es weiter.

Nachzeichnen per Hand

Dann sind die Augen an der Reihe. Sie sind besonders wichtig, um jemanden wiederzuerkennen. „Wir schauen anderen Menschen vor allem in die Augen. Deshalb können wir uns gut an Augen erinnern und erkennen daran auch Menschen“, erklärt Brigitte Klage. Ist am Computer ein ganzes Gesicht entstanden, druckt die Phantombild-Zeichnerin es aus. Sie zeichnet dann meist noch mit der Hand weiter. Mit geschickten Strichen verändert sie das Gesicht zum Beispiel so, dass es älter wirkt: „Mit der Hand geht das schneller und genauer als mit dem Computer.“ Mit dem Bleistift ergänzt sie noch einige Details – aber auch nicht zu viele: „Ich achte darauf, dass ich nicht zu viel zeichne. Denn sonst würde ich das Gesicht zum Teil so gestalten, wie ich es mir vielleicht selbst vorstelle. Und das wäre nicht gut. Ich muss das zeichnen, woran sich Opfer oder Zeuge erinnern.“ Ist das Bild fertig, heißt es abwarten – und hoffen, dass der Täter gefunden wird.

Kinder erinnern sich gut

Wusstest du, dass Kinder sich gut an Kleinigkeiten erinnern können? „Kinder können sich besonders gut an Gesichter erinnern und sie oft sehr genau beschreiben“, sagt Brigitte Klage. Sie zeichnet die Bilder, mit denen die Polizei nach Tätern sucht – Phantombilder.

Dabei kommt es auch mal vor, dass ein Kind jemanden beschreiben soll, der eine Straftat begangen haben soll. Aber: Ein Phantombild zu zeichnen dauert etwa eineinhalb Stunden. Da kann man als Kind schon ungeduldig werden. Brigitte Klage macht dann einfach häufiger eine Pause mit dem Mädchen oder Jungen. (dpa)

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