Paulas Nachrichten

Redensarten und Sprichwörter können trösten

28.01.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Deutschlands Sprichwörter-Papst – so wird Rolf-Bernhard Essig oft bezeichnet. Denn er weiß sehr viel über die Hintergründe von Sprichwörtern und Redensarten. Im Radio, in Zeitungen oder bei Auftritten vor Publikum beantwortet er Fragen zu dem Thema. dpa-Nachrichten für Kinder hat er unter anderem erklärt, was es mit dem Spruch „jemanden hängen lassen“ auf sich hat.

Warum sind Sprichwörter und Redensarten für Menschen wichtig?

Sie machen die Sprache anschaulich und lustig. Außerdem können sie noch viel mehr: einen trösten, bestärken, auf andere Ideen bringen oder beraten. Wenn ich mir zum Beispiel wehgetan habe, sage ich: „Die Zeit heilt alle Wunden“. Dann tut es nicht mehr so weh. Wenn ich traurig bin, denke ich: „Nach Regen kommt Sonnenschein“. Dann bin ich nicht mehr so traurig.

Woher wissen Sie so genau, was es mit einem Spruch auf sich hat?

Schon lange gibt es Menschen wie mich. Sie wundern sich, warum uns gerade eine Laus über die Leber läuft und nicht eine Spinne oder eine Kellerassel. Sie haben eine Menge kluger Bücher geschrieben, in denen ich nachsehen kann. Außerdem spreche ich mit sehr vielen Leuten aus anderen Ländern, die mir helfen.

Hinter Sprichwörtern oder Redensarten verstecken sich oft Geschichten. Welche finden Sie am lustigsten?

„Jemanden hängen lassen“ – das sagt man seit dem Mittelalter. Damals gab es Geschichten von Rittern, die ein Burgfräulein liebten und es heimlich besuchen wollten. Sie warteten nachts vor der Burgmauer. Das Burgfräulein ließ einen Korb an einer Art Kran hinab und zog den Ritter hinauf. Manchmal machte es sich aber über den Ritter lustig. Dann zog es ihn nur bis zur halben Höhe hinauf und ließ ihn hängen. Bei Tageslicht lachten dann alle Leute über den Ritter in seinem Korb.

Benutzen Sie selbst mehr Sprüche als andere Menschen?

Ich benutze viel mehr Redensarten und Sprichwörter als andere Menschen. Ein Erwachsener benutzt etwa 300 bis 500. Bei mir werden es wohl eher 2000 sein oder mehr. Ich habe sie nie gezählt. Seit ich ein Kind war, mag ich sie und habe seitdem gesammelt. In 47 Jahren kommt eine Menge zusammen.

Das Foto zeigt den Sprachwissenschaftler Rolf-Bernhard Essig. Deutschlands Sprichwörter-Papst – so wird Rolf-Bernhard Essig oft bezeichnet. Denn er weiß sehr viel über die Hintergründe von Sprichwörtern und Redensarten.

Foto: Annette Pohnert/Carl Hanser Verlag

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