Paulas Nachrichten

Paula würde sich auch gerne malen lassen

07.02.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche bin ich wieder einmal durch die Stadt gewatschelt. Dabei habe ich den Andreas getroffen. Der hat mich gleich lieb begrüßt und gesagt: „Na, Paula, willst du deine Kumpels in der Kreuzkirche besuchen?“

Das habe ich jetzt gar nicht verstanden. Denn normalerweise meint er mit „deine Kumpels“ Enten. Und die Enten besuche ich eher immer am Neckar. Aber ganz bestimmt nicht in der Kreuzkirche. Also habe ich zum Andreas gesagt: „In der Kreuzkirche? Was ist denn da los?“

„Da ist eine Ausstellung, Paula“, hat der Andreas gesagt.

Und dann ist mir etwas eingefallen. Es gibt ja immer solche Ausstellungen von Geflügelzüchtern. Die stellen dann Vögel aus. Das gucke ich mir immer gerne an. Deshalb habe ich zum Andreas gesagt: „Ah, eine Ausstellung mit meinen Kumpels! Da gehe ich gleich mal rein!“

Gesagt, getan. Ich bin richtig gespannt reingewatschelt. Da gab’s aber gar keine Vögel. Da hingen überall Bilder herum.

Zuerst habe ich natürlich mit meinen runden Entenäuglein komisch geguckt. Ich habe es überhaupt nicht geblickt. Plötzlich stand aber der Andreas hinter mir. Er hat gesagt: „Na, Paula, hast du deine Kumpels schon gefunden?“

Ich habe ihn noch komischer angeguckt und gemeint: „Hier gibt es ja gar keine Enten! Und andere Vögel auch nicht! Hier gibt es ja nur Bilder!“

„Aber Paula“, hat der Andreas geantwortet, „du bist doch eine schlaue Zeitungsente! Du wirst doch nicht gleich aufgeben! Bis später!“

Da hat er mich natürlich bei meinem Stolz gepackt. Eine Zeitungsente ist ja immer neugierig. Und manchmal muss sie auch nach den Informationen suchen – wie ein richtiger Reporter. Manchmal muss man auch einfach verschiedene Menschen fragen. Also bin ich weitergewatschelt. Da war eine Frau. Die hat mich ganz nett begrüßt. „Hallo, Paula“, hat sie gesagt, „schaust du dir auch die Bilder an?“

„Äh, ja“, habe ich geantwortet, „gerne. Aber eigentlich suche ich meine Kumpels. Das können Enten sein. Oder auch irgendwelche Vögel.“

Die nette Frau hat gesagt: „Die Vögel wirst du hier auf den Bildern finden. Schau dich ruhig mal um, Paula!“

Das habe ich dann auch gemacht. Ich habe mir die Bilder angeschaut. Die waren wunderschön. Superbunt! Und man hat auf jedem Bild etwas erkannt. Das ist ja nicht immer so. Manchmal weiß man bei solchen Kunstbildern gar nicht, was der Maler malen wollte. Aber hier war das ganz anders: Man hat Menschen erkannt. Und Häuser. Viele, viele Hochhäuser. Und die haben sogar manchmal Gesichter gehabt! Da waren Taxis, Schiffe. Sonnen! Und die haben auch immer gelacht! Und da waren Ballone! Und Flugzeuge! Ja, und überall waren Vögel! Ich habe meine Kumpels beinahe auf jedem Bild entdeckt.

Das hat mich sehr gefreut. Ich habe gestrahlt. Ich habe gar nicht den Andreas bemerkt. Der war nämlich plötzlich wieder hinter mir und hat gefragt: „Na, Paula, nun hast du deine Kumpels ja gefunden!“

„Na klar“, habe ich gesagt. „Gut, dass du mir das gesagt hast. Der Maler ist ja ein richtiger Vogelfreund! Den würde ich gerne kennenlernen.“

„Oh“, hat der Andreas gesagt, „das geht leider nicht mehr. Die Bilder sind vom Maler James Rizzi. Der ist leider schon gestorben.“

„Schade“, habe ich gemeint, „ich hätte ihn gerne etwas gefragt. Und zwar, warum er überall Vögel dazugemalt hat.“

„Hm, das kann ich dir auch erklären, Paula“, hat der Andreas gesagt. „Die Vögel waren so etwas wie sein ganz persönliches Zeichen. Wenn er irgendwo unterschrieben hat, hat er einen Vogel dazugemalt. Der hat die Viecher sogar selber Rizzi-Birds genannt.“

„Risibörds? Was heißt das denn? Das sind doch Vögel!“, wollte ich wissen.

„Mensch, Paula, du musst echt mal Englisch lernen“, hat der Andreas gesagt. „,Birds‘ ist das englische Wort für ,Vögel‘.“

„Und warum hat er die jetzt so gerne gemalt?“, wollte ich endlich wissen.

„Vögel können ja überall hinfliegen. Und deshalb waren die ein Zeichen der Freiheit für ihn. Er war nämlich ein Hippie“, hat der Andreas geantwortet.

„Piep, piep? Wegen der Vögel? ?“, habe ich geschnattert.

„Ein Hippie! Nicht piep, piep. Das Wort kommt vom englischen Wort ,hip‘. Das heißt so viel wie ,angesagt‘, also ,modern‘. Die Hippies waren früher nämlich mal junge Leute in Amerika. Die wollten einfach anders leben als die meisten anderen Menschen. Vor allem anders als die Älteren. Die wollten nicht immer nur nach Geld gieren. Und sie wollten auch keine Kriege mehr. Die dachten sich: Liebe, Frieden und Freiheit sind viel wichtiger als Reichtum und Macht.“

Das fand ich gar nicht schlecht. Deshalb habe ich gesagt: „Ich würde mich auch als Rizzi-Ente malen lassen.“

Auf jeden Fall müsst ihr mal meine Vogel-Kumpels dort besuchen und die Bilder von dem Rizzi und seinem Kollegen in der Kreuzkirche anschauen, liebe Kinder. Die Ausstellung geht noch zwei Wochen. Eure Paula

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