Paulas Nachrichten

Paula würde mal so eine Lok fahren

08.11.2014, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

gestern bin ich einfach mal am Bahnhof vorbeigewatschelt. Ich schaue mir oft die Züge an. Das mag ich. Aber da war gar nicht so viel los wie sonst. Ein paar Leute standen da herum. Die haben richtig grätig ausgesehen. Die haben geguckt wie der Andreas, wenn der VfB verliert. Ihr wisst doch, liebe Kinder, das ist seine Lieblingsfußballmannschaft. Die verliert ja sehr oft in letzter Zeit. Da bin ich gleich zum Andreas gewatschelt.

Der war zu Hause. Ich habe gesagt: „He, am Bahnhof waren lauter Leute, die grätig geguckt haben. Waren das VfB-Fans? Haben die wieder verloren?“

Zu erst einmal hat der Andreas jetzt auch grätig geguckt. Also habe ich gesagt: „Oh, jetzt sei doch nicht gleich sauer. Ich weiß doch, dass der VfB erst am Samstag verliert, äh, spielt.“

Der Andreas hat nur ein bisschen gelächelt und gemeint: „Ist schon gut, Paula. Du hast ja recht. Aber die Leute waren nicht sauer, weil der VfB verloren hat. Sie waren sauer wegen des Streiks.“

Jetzt habe ich geguckt wie ein Auto. Ich habe geschnattert: „Wie? Bei einem Streik hört man doch auf zu arbeiten! Und das machen die VfB-Spieler jetzt? Die streiken? Warum denn? Weil sie immer verlieren? Wollen sie größere Tore haben? Oder vielleicht einen eckigen Ball, damit er ihnen nicht immer davonrollt?“

Der Andreas hat ganz genervt zur Decke geschaut. Er hat gesagt: „Aber Paula! Die VfB-Spieler streiken doch nicht! Die Lokführer streiken. Deshalb fährt kaum ein Zug. Und deshalb gucken die Leute natürlich grätig. Die wollen doch mit den Zügen zur Arbeit fahren. Oder auf einen Besuch. Oder sonst wo hin! Außerdem werden mit den Zügen auch viele wichtige Waren transportiert. Die Waren brauchen die Fabriken zum Beispiel.“

„Ach so“, habe ich gemeint. „Das ist natürlich auch was anderes. Aber das verstehe ich nicht so richtig. Lokführer sein macht doch Spaß! Das wollen doch viele Kinder gerne sein. Warum streiken die denn dann?“

„Na ja, Paula“, hat der Andreas gemeint. „Das hat mit Spaß auch nichts zu tun. Ein Streik kommt eben manchmal vor. Man schließt ja mit seiner Firma immer einen Vertrag. Da stehen dann verschiedene Sachen drin. Zum Beispiel: Wie viel Geld man für die Arbeit bekommt. Oder wie lange man für das Geld arbeiten muss. Der Vertrag gilt eine Weile. Dann muss man einen neuen Vertrag schließen. Dann wollen die Arbeiter vielleicht mehr Geld. Es wird ja auch alles immer teurer. Oder sie wollen nicht immer so lange arbeiten. Der Chef von der Firma will das vielleicht nicht. Der muss ja auch nach seiner Firma gucken. Also gibt es Verhandlungen.“

„Ah ja“, habe ich gemeint, „dann können die doch bei den Verhandlungen irgend etwas ausmachen. Machen die Lokführer und ihre Chefs das bald mal?“

„Tja“, hat der Andreas gemeint, „die haben ja schon verhandelt. Aber das mit dem Ausmachen klappt nicht immer. Der Chef zahlt den Arbeitern zum Beispiel einfach nicht mehr. Dann hören die auf zu arbeiten. Sie streiken. Das Wort Streik kommt übrigens vom englischen Wort ,strike‘. Das klingt genau gleich und heißt so viel wie Schlag oder Streich. Sie führen einen Schlag gegen ihre Firma aus.“

„Hm“, habe ich gefragt, „da sagt dann einer einfach: ,Kommt, Jungs, wir streiken!‘ Und dann streiken die alle?“

Der Andreas hat gelächelt: „Normalerweise entscheidet das nicht ein Typ alleine. Die Arbeiter bilden zusammen eine Gewerkschaft. Das ist so etwas wie ein Verein. Die verhandelt dann für sie.“

Ich habe überlegt: „Tja, dann sollen die den Lokführern einfach mehr bezahlen. Dann können alle wieder mit dem Zug fahren. Es wird ja auch wirklich alles teurer. Und Lokführer sind wichtig!“

Der Andreas hat gemeint: „Das stimmt schon. Aber so einfach ist das diesmal nicht. Die Gewerkschaft von den Lokführern will auch noch für andere mitverhandeln. Nicht nur für die Lokführer. Auch für die anderen Menschen, die in den Zügen arbeiten. Deshalb streiken die Lokführer. Das ist sehr kompliziert. Und deshalb sagen auch viele Menschen: Der Streik ist falsch!“

„Hm“, habe ich gemeint, „hoffentlich machen die bald was aus! Und hoffentlich kommen deine VfB-Spieler nicht doch noch auf so eine neumodische Streikidee.“

„Ach“, hat der Andreas gemeint, „so neu ist das mit dem Streiken nicht. Das gab es sogar schon bei den alten Ägyptern. Vor über 3000 Jahren, noch lange vor den alten Römern, sollten Arbeiter ein tolles Grabmal für ihren Pharao, also für ihren König, bauen. Aber der hat ihnen das dafür versprochene Getreide nicht gegeben. Da haben sie gestreikt.“

Das habe ich ja noch verstanden, liebe Kinder. Aber wenn die Lokführer noch mal streiken, werde ich eben Lokführer-Ente. Aber nur im Nebenberuf und für kurze Zeit! Eure Paula

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