Paulas Nachrichten

Paula würde gerne wählen gehen

23.09.2017, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche bin ich mal abends durch die Stadt gewatschelt. Da ist mir der Andreas entgegengekommen. Der hat komisch ausgesehen. Er hat eine schicke Jacke und eine Krawatte angehabt. Das hat er normalerweise nicht. Ich habe gleich losgeschnattert: „He, was machst du denn? Gehst du zu einer Hochzeit? Oder warum bist du so schick angezogen?“

„Nein, nein, Paula“, hat er lachend geantwortet, „ich bin doch schon verheiratet. Das ist wegen der Wahl!“

„Wegen dem Wal?“, habe ich weitergeschnattert. „Wegen einem Wal ziehst du dich so komisch an? Schwimmt der im Neckar rum? Das hast du mir schon einmal erzählt. Dann bin ich runter an den Neckar und es war keiner da!“

Der Andreas hat die Augenbrauen nach oben gezogen und gemeint: „Und diesmal wird auch kein Wal im Neckar sein! So ein Quatsch! Es geht um die Wahl. Geschrieben mit einem ,h‘. W-a-h-l. Die Menschen können jetzt am Sonntag zur Wahl gehen. Sie können die Politiker wählen. Die vertreten sie dann in Berlin. Die machen die Gesetze und so. Und die wählen dann auch den Chef von Deutschland. Du weißt doch: Wir haben seit vielen Jahren eine Chefin. Die Angela Merkel ist das.“

„Ah“, habe ich gemeint, „am Sonntag ist Wahl. Stimmt. Das habe ich schon gehört. Und da rennst du heute schon mit Jacket und Krawatte herum? Darfst du sonst nicht wählen?“

Jetzt musste der Andreas lachen. Er hat gesagt: „Nein, nein. Das hat damit nichts zu tun. Man muss zum Wählen nichts Besonderes anziehen. Aber heute Abend gibt es eine Podiumsdiskussion zur Wahl. Da bin ich der Moderator. Da vertrete ich unsere Zeitung. Da ziehe ich mich dann ein bisschen feiner an als sonst. Du hast es da besser mit deinem Zeitungsgefieder. Dich erkennt immer jeder gleich als Zeitungsvertreterin!“

„Ja, und fein sehe ich so auch immer aus, gell?“, habe ich geschnattert.

Der Andreas hat ein bisschen gelächelt und gesagt: „Aber natürlich! Du bist doch die schönste . . . Zeitungsente in Nürtingen!“

Das fand ich jetzt ein bisschen frech. Denn ich bin ja die einzige Zeitungsente in Nürtingen. Aber gut. Ich hatte eine ganz andere Frage. Der Andreas hatte doch irgendetwas mit Po gesagt. Deshalb habe ich gleich losgeschnattert: „Po-Diskussion? Wie wird denn da diskutiert? Po? Das ist doch der Popo, also . . .“

„Schon gut“, hat der Andreas gleich gemeint, „das hat mit dem Po nichts zu tun. Sondern mit dem Fuß!“

„Was?“, habe ich weitergeschnattert. „Ein Fußdiskussion? Wie diskutiert man denn mit den Füßen?“

Der Andreas hat mich wieder gleich unterbrochen: „Nee, nee, trotzdem keine Fußdiskussion! Eine Podiumsdiskussion. Das Wort Podium kommt vom alten Griechenwort ,podes‘. Das heißt einfach Füße. Das heißt: Mit einem Podium erhöht man etwas einfach. Man stellt es auf Füße. Dann kann man es also besser sehen. Bei einer Podiumsdiskussion können die Zuhörer also die Sprecher gut sehen. Und die diskutieren dann miteinander. Heute kommen also die Politiker von verschiedenen Parteien zu mir. Und viele junge Leute von verschiedenen Schulen kommen auch dazu. Die können denen dann Fragen stellen. Dann können sie sich besser entscheiden. Schließlich sollen die ja auch wählen gehen am Sonntag.“

„Ah, das finde ich sehr interessant. Als kleine Zeitungsente darf ich ja nicht wählen. Aber ich würde trotzdem gerne zuhören. Ist das in Ordnung?“, habe ich gesagt.

Der Andreas hat gelächelt und geantwortet: „So kenne ich meine schlaue und neugierige Zeitungsente! Natürlich darfst du mitkommen!“

Das habe ich dann auch gemacht. Das war wirklich sehr interessant. Die Schüler haben auch tolle Fragen gestellt. Und sie haben mit den Politikern richtig hart diskutiert. Manchmal haben sie richtig gestritten. Das gehört aber dazu, hat mir der Andreas erklärt. Man muss nur bestimmte Regeln einhalten. Dann darf man sich in der Politik auch mal streiten.

Ich hätte mich nach der Podiumsdiskussion gut entscheiden können. Ich wüsste, wen ich wählen würde. Aber das soll ich lieber nicht sagen, hat mir der Andreas erklärt. Es soll sich ja jeder sein eigenes Bild machen können.

Ihr Kinder dürft ja auch nicht wählen. Wir müssen ja zusammen noch ein bisschen älter werden. Deshalb habe ich ein bisschen traurig geguckt und gemeint: „Hm, und was sollen die Kinder und ich jetzt wegen der Wahl machen?“

„Ganz einfach“, hat der Andreas gleich gesagt, „die Kinder sollen ihre Eltern und Großeltern und so zur Wahl schicken. Das ist sehr wichtig!“

„Genau“, habe ich gesagt, „und ich zwicke dir mit meinem schönen orangenen Entenschnabel in den Po, wenn du nicht wählen gehen willst!“

„Kein Problem“, hat er geantwortet, „ich wähle bestimmt!“ Eure Paula

Paulas Nachrichten