Paulas Nachrichten

Paula würde gerne ihre Träume steuern

20.11.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche habe ich mich mit dem Andreas über alles Mögliche unterhalten. „Bald ist ja Weihnachten“, habe ich zu ihm gesagt. Er hat mich ausgelacht. „So ein Quatsch, Paula. Das dauert schon noch eine Weile.“

Das wollte ich aber so nicht auf mir sitzen lassen. „In den Geschäften gibt es aber schon lange Schoko-Weihnachtsmänner. Und Weihnachtskekse. Die gibt’s nur zu Weihnachten“, habe ich protestiert.

„Ja, das ist aber nur, weil die Geschäftsleute Geschäft machen wollen mit den Schoko-Weihnachtstypen und den ganzen Keksen. Es sind aber noch über fünf Wochen bis zum Fest.“

„Ooooh“, habe ich ganz enttäuscht gesagt. „Das ist ja echt noch lange. Die Zeit zwischen Sommer und Weihnachten ist irgendwie so leer.“

Der Andreas hat ganz lieb gelächelt und mich gestreichelt. Dann hat er gesagt: „Das ist ja süß, Paula: Genau das habe ich als Kind auch gedacht. Ich habe die trüben Novembertage dann das ,Niemandsland des Kalenders‘ genannt.“

„Niemandsland“ klang irgendwie schön. Aber kapiert habe ich es nicht. „Wem gehört denn dein Niemandsland?“, wollte ich wissen.

„Na, das gehört eben niemandem. Das ist oft das Land zwischen Staaten, das zu keinem so richtig gehört. Oft ist das auch im Krieg so. Dann stehen auf der einen Seite diese Soldaten, auf der anderen die anderen Soldaten. Und dazwischen das Gebiet heißt Niemandsland. Das soll in meinem Fall heißen: Die Tage jetzt gehören gar nicht mehr zum tollen Sommer. Aber zur tollen Weihnachtszeit gehören sie auch nicht.“

Das habe ich verstanden. Ich habe gesagt: „Tja, das ist echt blöd, das Niemandsland des Kalenders. Aber man kann nichts dagegen machen.“

„Ach was“, wollte mir der Andreas Mut machen. „Man kann richtig toll träumen. Nimm dir doch das mal für heute Abend vor. Ein ganz toller Traum von etwas Wunderschönem.“

Die Idee fand ich gut. Und ich habe das auch ausprobiert. Ich wusste schon, von was ich träumen kann. Dann bin ich aber in der Nacht aufgewacht. Ich war ganz nass geschwitzt. Und ich war richtig aufgeregt. Erst langsam konnte ich mich wieder erinnern: Ich hatte einen schlimmen Traum. Da war ein riesiges Feld mit Salatköpfen. Hm, lecker, dachte ich. Das ist doch meine Lieblingsspeise. Aber als ich näher ran bin, bekam ich reinen Riesenschreck: Da waren lauter Schnecken und Regenwürmer, die sich über meine Salatköpfe hergemacht haben.

Am nächsten Morgen hatte ich den Traum fast vergessen. Aber nur fast. Ich bin gleich mal zum Andreas gewatschelt: „He, du hast mir gesagt, ich soll von was Schönem träumen. Jetzt habe ich vor dem Einschlafen ganz fest an meine Lieblingsspeise Salat gedacht. Und weißt du was: Ich habe von blöden Regenwürmern und doofen Schnecken geträumt, die meine Salate auffressen. Das war ein dämlicher Tipp von dir.“

Der Andreas hat mich beruhigt. „Aber, Paula. Das war doch nur ein Traum. Und Träume sind Schäume.“

„Nein“, habe ich gleich zurückgeschnattert. „Wasser mit Schaum ist nicht auch noch über mein Salatfeld gelaufen. Das wäre ja noch schrecklicher gewesen.“

„Nein, nein, Paula“, hat mich der Andreas weiter beruhigen wollen. „Das ist ein Sprichwort. Das bedeutet: Träume haben mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Du brauchst keine Angst zu haben. Schäume reimt sich eben toll auf Träume. Und der Schaum vergeht doch im Wasser auch sehr schnell. Und man kann ihn nicht spüren. Du solltest aber aufpassen: Man kann die Träume nicht steuern.“

Das habe ich nicht so ganz verstanden. Ich habe gesagt: „Ich habe ganz fest an Salat gedacht vor dem Einschlafen. Also habe ich schon meinen Traum ein bisschen gesteuert. Aber nicht so richtig eben.“

„Das stimmt“, hat der Andreas mir recht gegeben. „Manchmal träumt man auch von etwas, an das man gedacht hat. Aber wir können das nicht steuern, was dann passiert. Unser Gehirn arbeitet eben auch, während wir schlafen. Dann träumen wir. Wir erleben im Traum Dinge, ohne dass wir uns bewegen. Eigentlich haben die Träume keinen Einfluss auf uns. Aber manchmal kann man nach einem Albtraum richtig fertig sein.“

„Ein Albtraum? Aber ein Traum von der Alb ist doch gut. Auf der Alb ist es doch sehr schön“, habe ich eingewendet.

„Nein, nein, Paula“, hat der Andreas geantwortet. „Ein Albtraum ist ein böser Traum. Das Wort kommt nicht von der Schwäbischen Alb. Alb hat man früher einen kleinen, fiesen Geist genannt. Die Menschen haben sich das so vorgestellt: Der Alb kommt, setzt sich auf dich und beschert dir einen bösen Traum. Einen Albtraum eben. Das Wort ist so geblieben. Obwohl wir wissen, dass es keine Geister gibt.“

„Tja“, habe ich gemeint. „Dann lebe ich lieber mit meinen Würmern und Schnecken als mit blöden Geistern.“ Eure Paula

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