Paulas Nachrichten

Paula würde gerne allen helfen

17.10.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche bin ich zum Andreas in die Redaktion gewatschelt. Sein Kollege mit dem großen Fotoapparat kam auch gerade wieder zurück. Sie haben sich dann seine Bilder angeschaut. Da war darauf eine leere Halle zu sehen mit vielen Bettmatratzen darin.

Ich habe gesagt: „Das sieht aber komisch aus. Das ist ja kein gemütliches Schlafzimmer.“

„Da hast du recht, Paula“, hat der Andreas geantwortet. Und er hat dabei ganz besorgt geklungen. „Das ist auch gar kein normales Schlafzimmer.“

„Ach so“, habe ich gemeint, „warum wird das dann so hergerichtet?“

„Naja, Paula“, hat der Andreas gemeint, „das ist für die Flüchtlinge.“

Von Flüchtlingen habe ich schon viel gehört. Der Andreas hat mir das auch schon einmal erklärt. Das sind Menschen aus verschiedenen Ländern. In Syrien zum Beispiel gibt es einen schlimmen Krieg. Deshalb flüchten die Menschen hier her. Das ist ein weiter und gefährlicher Weg

Ich habe gesagt: „Die armen Menschen! Die sind so lange unterwegs. Und dann müssen sie hier in so komischen Hallen schlafen. Kann man denen nicht ein normales Schlafzimmer geben?“

„Das wäre schön“, hat der Andreas geantwortet. „Aber das ist sehr schwer. Es kommen nämlich jeden Tag sehr, sehr viele Flüchtlinge nach Deutschland. Wir sind ein reiches Land. Und ein freies Land. Die Menschen dürfen zu uns kommen. Die Verfolgten bekommen hier Asyl. Aber wir müssen so viele Menschen natürlich auch erst einmal unterbringen. Das ist nicht einfach.“

„Asül? Ist das dann die Halle mit den komischen Betten?“, habe ich gefragt.

Der Andreas hat gelächelt. „Nein, nein, Paula. Nicht ganz. A-s-y-l kommt vom Römerwort ,asylum‘. Das kommt wieder von einem alten griechischen Wort. Das bedeutet so viel wie ,sicher‘. Manche Menschen werden von bösen Menschen verfolgt. Manchmal nur, weil sie anders sind oder anders denken. Oder sie werden in einem Krieg von ihrer eigenen Armee getötet. Dann geben wir ihnen Asyl. Das ist ein sicherer Ort. Das ist jetzt erst einmal die Halle mit den Betten, klar. Aber Deutschland ist für sie dann überhaupt ein sicherer Ort.“

„Dann ist ja Deutschland ein ganz liebes Land. Mit ganz lieben Menschen, gell?“, habe ich gesagt.

Der Andreas musste wieder lächeln. Er hat geantwortet: „Eigentlich schon, Paula. Aber manche Menschen wollen die Flüchtlinge hier auch nicht. Sie sagen: ,Das sind ja keine Deutschen. Die wollen wir hier nicht.‘“

„Das ist ja blöd und gemein“, habe ich geschnattert. „Dann könntest du ja zu mir auch sagen: ,Ich will dich hier nicht, Paula. Du bist ja anders wie wir. Du bist ja gar kein Mensch. Du bist ja eine Zeitungsente.‘“

„Ja“, hat der Andreas gesagt, „das ist wirklich blöd. In unserem Grundgesetz steht ja auch: ,Verfolgte Menschen dürfen zu uns kommen.‘ Und das Grundgesetz ist das Obergesetz. Jeder, auch die Politiker, müssen sich daran halten. Alle anderen Gesetze müssen dazu passen. Aber manche Menschen sagen dann auch: ,Ja, klar. Wir wollen den Menschen schon helfen. Aber das sind zu viele.‘“

„Ja“, habe ich überlegt, „das sind auch viele. Das sieht man ja an der Sache mit der Halle und den Betten.“

„Das stimmt schon“, hat der Andreas wieder geantwortet. „Aber Verfolgte kann man nicht wegschicken. Die Deutschen waren früher auch mal sehr, sehr böse zu den Menschen. Das war vor und während dem letzten großen Krieg. Deshalb haben wir uns danach auch so ein liebes Grundgesetz gegeben. Das schützt alle. Nicht nur die Deutschen.“

„Man sollte den Typen dort einfach die Waffen wegnehmen. Dann müssen die Menschen nicht mehr fliehen“, habe ich geschnattert.

„Ja“, hat der Andreas gesagt. „Das ist aber sehr schwer. Und viele reiche Länder stellen die Waffen für die Kriege auch noch her. Und sie verkaufen sie für viel Geld. Überhaupt haben wir zu wenig gegen die Kriege dort getan.“

„Dann müssen wir den Menschen allen helfen“, habe ich gemeint. „Und sie sollen hier ein richtiges Schlafzimmer kriegen.“

„Ja“, hat der Andreas mir recht gegeben. „Sie sollen hier richtig leben dürfen. Aber das dauert alles. Es sind eben sehr viele. Denn es kommen auch sehr viele andere Menschen, weil sie in ihren Ländern einfach arm sind. Die werden zwar nicht verfolgt und getötet. Aber es geht ihnen nicht gut. Da gibt es oft auch keine Arbeit und so.“

„Ah“, habe ich gemeint, „das ist ja auch traurig. Können wir denen nicht auch einfach Asyl geben?“

„Das wäre schön. Aber es sind sehr viele. Unsere Politiker müssen sich da etwas einfallen lassen. Aber das ist sehr schwer. Wir müssen auf jeden Fall auf unsere Herzen hören. Jeder, der kommt, ist ein Mensch. Und zu denen müssen wir lieb sein. Das ist das wichtigste. Und es gibt ja auch schon viele Menschen von hier, die helfen. Denen sollten wir auch beim helfen helfen.“

Ich habe mir überlegt: „Vielleicht kann ja eine Zeitungsente auch helfen? Mal schauen.“ Eure Paula

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