Paulas Nachrichten

Paula würde auch Steuern zahlen

23.01.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo liebe Kinder,

in dieser Woche habe ich den Andreas erwischt. Er saß nämlich an seinem Arbeitsplatz und hat Fernsehn geguckt!

„He, was soll denn das?“, habe ich ihn angeschnattert. „Du sollst doch mit deinem Computer arbeiten! Jetzt guckst du damit Fernsehsendungen an!“

„Schimpfe nicht mit mir, Paula!“, hat er gesäuselt. „Ich muss mir das anschauen. Da kam nämlich ein Bericht über Nürtingen im Fernsehen. Und weil ich ihn nicht gesehen habe, schaue ich ihn mir jetzt mit dem Computer im Internet an!“

Ich habe ihm nicht geglaubt. Aber dann habe ich mir auch mal ein Stück von dem Film angeschaut. Da hat man wirklich ein paar Plätze von Nürtingen gesehen! Ein paar Aufnahmen sind da unten am Stadtmuseum entstanden. Ganz in der Nähe vom Neckar. Da wo die lieben Enten unterwegs sind. Und dann hat man einen Mann mit einem grauen Bart gesehen. Den habe ich auch schon oft in Nürtingen getroffen. Das ist der Oberbürgermeister. Der ist sozusagen der Chef von Nürtingen.

„Das ist ja toll!“, habe ich mich gefreut. „Wollen die Fernsehmenschen jetzt mal den anderen Menschen zeigen, wie schön unsere Stadt ist? Das ist ja super. Dann kommen die alle auf Besuch zu uns!“

Der Andreas hat mit dem Kopf geschüttelt. „Leider ist das kein lustiger Reisebericht, Paula! Da geht es um ein ganz ernstes Thema. Nürtingen hat seine Gebühren erhöht. Wegen den Steuern. Darüber wird berichtet. Sogar in den Tagesthemen. Das ist die wichtigste Nachrichtensendung im ARD.“

„Steuern? Hat das was mit dem Autofahren oder dem Radfahren zu tun?“, wollte ich wissen.

„Nein, nein“, hat der Andreas gelacht. „Die Bürger müssen Steuern an den Staat bezahlen. Sie geben einen Teil von dem verdienten Geld an den Staat. Das Wort ,Steuern‘ kommt vom Wort ,stiura‘. Das hieß zur Zeit der Ritter so viel wie ,Stütze‘. Damit meinte man: Etwas wird unterstützt.“

Ich habe das nicht so ganz verstanden. „Und was hat das mit Nürtingen zu tun?“, fragte ich.

„Auch die Städte bekommen Steuern. Die Firmen müssen ihnen zum Beispiel einen Teil von ihrem Verdienst geben. Jetzt haben wir ja eine Wirtschaftskrise. Die Firmen verdienen nicht so viel. Dann bekommen die Städte auch weniger Geld. Und die arbeitenden Bürger zahlen Steuern an den Staat – je nachdem, wie viel sie verdienen. Und einen Teil davon gibt der Staat wieder den Städten.“

„Das ist ja gut. Und warum machen die das? Was fängt der Chef von Nürtingen mit dem ganzen Geld an?“, habe ich mich gewundert.

Der Andreas hat weiter erklärt: „Der braucht sehr viel Geld für unsere Stadt. Für die Straßen zum Beispiel. Für die Kindergärten. Und natürlich für die Schulen. Die Lehrer bekommen zwar Geld vom Staat. Die Schulhäuser aber bezahlt die Stadt. Das sind aber nur ein paar Beispiele. Die Bundesregierung in Berlin will jetzt von den Bürgern weniger Steuern verlangen. Damit sie trotz Wirtschaftskrise mehr kaufen können und es so den Firmen wieder besser geht.“

„Das ist ja eine gute Idee!“, habe ich mich gefreut.

Der Andreas hat gelächelt und gemeint: „Eigentlich schon. Aber das Problem ist: Wenn die Bürger weniger Steuern zahlen, bekommt auch die Stadt weniger Geld. Aber sie muss weiterhin Geld für die Straßen, Schulen und Kindergärten bezahlen. Dann muss die Stadt auf anderen Wegen von den Bürgern mehr Geld verlangen. Dann wird es zum Beispiel teurer, wenn du ein Buch in der Bücherei ausleihen willst. Oder wenn du an der Musikschule ein Instrument lernen willst. Nürtingen hat so die Gebühren für viele Dinge erhöht. Und im Fernsehen wurde darüber berichtet.“

Da habe ich mir gedacht: Wenn ich mal Geld verdiene, zahle ich gerne Steuern. Schließlich werden ja damit auch gute Sachen gemacht! Eure Paula

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