Paulas Nachrichten

Paula würde auch gern zur Schule gehen

10.09.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche habe ich einmal den Andreas zu Hause besucht. Sein Sohn ist ja gerade auch dauernd da. „Der arbeitet nix“, sagt der Andreas dann immer lächelnd. „Aber gut, nächste Woche ist das alles wieder anders“, hat er noch gesagt.

Sein Sohn findet das immer nicht so lustig. Er guckt dann an die Decke. Und dann geht er meistens in sein Zimmer. Das konnte ich irgendwie gut verstehen. Schließlich sollen Kinder doch nicht arbeiten müssen. Ich habe mich über den Andreas aufgeregt und gleich losgeschnattert: „He, Kinderarbeit ist aber verboten!“

Er hat jetzt noch mehr gelächelt. „Ach so, schade. Ich habe gedacht: Er geht jetzt arbeiten und ich kann dafür zu Hause bleiben!“

Das fand ich noch blöder. „Sei doch nicht so faul“, habe ich geschimpft. „Du wirst doch dein Kind nicht für dich arbeiten lassen!“

Dann hat er aufgehört zu lächeln. „Also gut, Paula, Spaß beiseite. Ich habe das anders gemeint. Er muss natürlich nicht für Geld arbeiten gehen. Aber er muss wieder in die Schule. Am Montag geht’s wieder los. Das ist dann seine Arbeit. In die Schule gehen und fleißig lernen!“

„Ach, das soll Arbeit sein? Ich dachte immer, in der Schule lernt man viele tolle, neue Sachen?“, habe ich mich gewundert.

Der Andreas hat gleich fleißig mit dem Kopf genickt. „Da hast du völlig recht, Paula! Schule sollte eigentlich Spaß machen. Aber man hat halt immer ein Problem mit den Sachen, die man tun muss. Das ist doch völlig normal! Weißt du, ich arbeite auch gern. Aber Ferien und Urlaub, das ist prima. Ich bin dann auch immer ein bisschen traurig, wenn es wieder losgeht. Das kann ich schon verstehen. Aber eigentlich hat ja Schule gar nichts mit Arbeit zu tun. Im Gegenteil.“

Das habe ich nun überhaupt nicht mehr verstanden. Hat Schule jetzt was mit Arbeit zu tun oder nicht? Ich habe losgeschnattert: „He, musst du mich denn immer verwirren? Was meinst du denn jetzt damit?“

„Naja, das Wort ,Schule‘ selbst bedeutet eigentlich das krasse Gegenteil von Arbeit. Das deutsche Wort kommt vom lateinischen Wort ,schola‘. Und das wiederum haben die alten Römer von den alten Griechen. Auf Deutsch bedeutet es ,Nichtstun‘, ,freie Zeit‘“, hat der Andreas mir erklärt.

Dann kam der Sohn vom Andreas wieder vorbei. Dem habe ich das gleich mal erklärt. Der hat mich aber nur wie ein Auto angeguckt. Dann ist er einfach weitergeschlappt.

„Der hat das nicht geglaubt“, habe ich zum Andreas gesagt. „Aber das ist ja auch schwer zu verstehen. Mit Freizeit hat ja Schule nun wirklich nichts zu tun. Warum hat man denn ausgerechnet dieses Wort genommen? Die Kinder müssen doch dort hin. Ob sie wollen oder nicht. Und sie müssen dort ja auch sehr fleißig sein. Das ist ja klar.“

Der Andreas musste jetzt erst einmal eine Weile überlegen. Zuerst einmal hat er dann „Hmmmmmmm“ gesagt. Da kann man es richtig rattern hören in seinem Gehirn.

Dann hat er gemeint: „Das kann ich dir gar nicht so richtig beantworten. Zur Zeit der Ritter und auch noch davor gab es schon in der Kirche eine ,schola cantorum‘. Das ist eine Singschule. Vielleicht hat man das Wort genommen, weil ein paar Mönche nur noch singen mussten und nichts weiter mehr arbeiten mussten. Oder weil man in der Zeit, in der man singen durfte, nichts anderes arbeiten musste. Wer weiß?“

Das hat mir gefallen: Der Andreas weiß auch nicht alles. Aber er gibt sich trotzdem Mühe, etwas zu erklären. Er sagt aber auch dazu, dass er nicht weiß, ob es stimmt.

Ich finde das schön, dass die Schule etwas mit Freizeit zu tun hat. Lernen ist ja schön. Und jetzt am Montag kommen auch wieder viele neue Schüler in die Schule. Die bekommen dann schlaue Bücher und Hefte. Und schlaue Lehrer. Und man darf eines nicht vergessen: Sie bekommen eine Schultüte mit Geschenken drin. Da bin ich schon immer ein bisschen neidisch.

Ich habe das dem Andreas gesagt. Er hat geantwortet: „Komm’, Paula, wir gehen in die Redaktion. Ich habe eine Überraschung für dich!“

Was war ich aufgeregt und gespannt! Auf seinem Schreibtisch stand eine wunderschöne Paula-Figur. Aus Zeitungspapier gemacht. Die hatte eine tolle Schultüte und einen Schulranzen. Im Ranzen waren sogar kleine Hefte für die verschiedenen Fächer. „Die schenke ich dir!“, hat der Andreas gesagt. „Die hat der kleine Heinrich aus Nürtingen zusammen mit seiner Schwester Julia gebastelt. Heinrich ist acht Jahre alt. Er hat mir diese Schul-Paula vor Kurzem mit seinem größeren Bruder gebracht. Er freut sich bestimmt, wenn du sie bekommst!“

Tja, ich glaube das auch. Oder Heinrich? Ich freue mich auf jeden Fall ganz arg über die Figur. Und euch, liebe Kinder, wünsche ich allen einen ganz tollen Schulstart am Montag! Eure Paula

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