Paulas Nachrichten

Paula wünscht sich einen eigenen Monat

15.01.2011, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

vor ein paar Tagen war der Andreas richtig komisch drauf. Ich bin am Abend zu ihm gekommen. Da ist er normalerweise richtig lebendig. Aber seine Frau musste mir die Türe öffnen, weil er schon auf dem Sofa eingeschlafen war. Kurz nach dem Vesper! Ich habe ihn natürlich geweckt.

„He, was ist denn mit dir los?“, habe ich geschnattert. „Du kannst doch nicht schon vor halb acht pennen! Eigentlich bist du doch immer morgens müde und abends munter. Du sagst doch immer, dass du so ein Nachtmensch bist.“

Er hat ganz langsam die Augen geöffnet und dabei leicht gegrinst. Er war schon wach gewesen. Wahrscheinlich, weil ich geklingelt hatte. Dann hat er sich gestreckt und gemeint: „Stimmt, Paula! Aber weißt du: Viele Menschen haben zwei Gesichter! Bei dem komischen Wetter bin ich eben oft müde.“

Ich habe ihn ganz komisch angeschaut. Dann bin ich so ein bisschen um ihn rum gewatschelt. Ich wollte ihn mir auch von hinten anschauen. Aber ich habe nur das eine halbwegs unrasierte Gesicht entdeckt.

Jetzt war er wieder richtig wach. Er hat sich ruckartig aufrecht hingesetzt und gesagt: „Aber Paula! Das sagt man doch nur so. Wenn jemand mal so drauf ist und dann wieder einmal ganz anders, dann sagt man, er hat zwei Gesichter. Ich bin doch kein Janus.“

„So ein Ärger“, habe ich geschnattert. „Jetzt habe ich gerade gedacht, ich hätte das alles kapiert mit den zwei Gesichtern. Und dann fängst du mit dem Jan Dingsbums an. Wer ist denn das, dieser Jan?“

„Jan?“, hat er ganz unverständig geantwortet. „Von einem Jan habe ich gar nichts gesagt. Ach, du meinst ,Janus‘! Den haben die alten Römer als Gott der Türen verehrt. Sie haben gemeint: ,Ein Gott der Ein- und Ausgänge braucht zwei Gesichter‘. Damit er nach drinnen und draußen gucken kann. Nach dem ist der Monat Januar benannt. Weil der ja sozusagen die Tür ins neue Jahr ist.“

Das fand ich lustig. Aber ich hatte gleich eine neue Frage: „Und was für ein Gott war dann der Februar? Nach dem ist doch bestimmt der zweite Monat des Jahres benannt. Oder?“

Der Andreas hat gelacht. „Das ist ein bisschen komplizierter. Aber ich erkläre dir das: Die Römer haben in dieser Zeit immer ein Reinigungs- und Sühnefest gefeiert. Damit wollten sie sich und die Verstorbenen von dem Bösen befreien, das sie getan hatten. ,Februare‘ heißt auf Lateinisch, der alten Römersprache, einfach ,reinigen‘. Der März übrigens ist nach dem römischen Kriegsgott Mars benannt. Der war aber auch für das Wachstum der Pflanzen zuständig. Das passt gut zu so einem Monat im Frühjahr. Übrigens war im alten Kalender der Römer der März der erste Monat.“

Das war sehr interessant. Ich habe überlegt: „Dann hätten sie den ja auch auf Lateinisch ,den Ersten‘ nennen können. Wie heißt denn das auf Lateinisch?“

„Gute Idee, Paula. Dann würde er ,Primus‘ heißen. Aber die Römer waren auch so schlau und bequem wie du. Sie haben eigentlich für die Monate einfach die Zahlworte genommen. Der September war in ihrem alten Kalender also nicht der neunte Monat wie bei uns heute, sondern der siebte. Und ,septem‘ steht dann einfach für ,der siebte Monat‘. Genauso ist das mit dem Oktober, dem November und dem Dezember. Die Namen stehen einfach für den achten, den neunten und den zehnten Monat.“

Eigentlich war ich mit dieser Erklärung schon sehr zufrieden. Man kann ja auch nicht mehr so viel auf einmal lernen und sich merken. Aber irgendwie habe ich gespürt: Da fehlt doch noch was. Dann ist es mir eingefallen. Ich habe wieder losgeschnattert: „Und was ist mit dem April, dem Mai, dem Juni, dem Juli und dem August?“

Der Andreas hat tief durchgeatmet. Dann hat er gesagt: „Also, dann erkläre ich dir das auch noch: Manche Monate haben sie umbenannt. Der Mai kommt von Jupiter Maius, dem römischen Frühlingsgott. Juni kommt von Juno, der Frau des Chefgotts Jupiter. Der Juli ist zu Ehren des römischen Kaisers Julius Cäsar so benannt. Und der August müsste eigentlich Andreas heißen, weil ich da geboren bin!“

Dann hat er gelacht. Der Witz war zwar nicht so gut. Aber ich habe höflichkeitshalber mitgelacht. Der Andreas hat das gemerkt. Deshalb hat er weitererklärt: „Also, der August ist wieder nach einem berühmtem Menschen benannt. Der Kaiser Augustus war der Nachfolger von Julius Cäsar. Der wollte auch einen eigenen Monat.“

Die haben sich schön was wünschen können, die Kaiser, habe ich mir gedacht. Vielleicht heißt ja mein Geburtsmonat eines Tages Paula, habe ich geträumt. Aber dem Andreas habe ich nichts davon gesagt. Sonst hätte er mich womöglich noch ganz unhöflich ausgelacht. Eure Paula

Paulas Nachrichten