Paulas Nachrichten

Paula will nicht, dass Kinder arbeiten

11.10.2014, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche bin ich mal wieder zum Andreas gewatschelt. Er hatte gerade Mittagspause. Wir haben uns auf sein Sofa gesetzt. Ich hatte richtig Lust auf ein Mittagsschläfchen. Also habe ich mein schönes rundes Entenköpflein an die Schulter vom Andreas angelehnt. Ich bin dann auch gleich eingedöst. Aber nur ein paar Minuten drauf hat mich schrecklicher Lärm geweckt! Schepper, dengel, paff. Bumm! Ich bin ganz arg erschrocken. Aber der Andreas hat mich ganz entspannt angelächelt und gemeint: „Aber Paula, da brauchst du doch keine Angst zu haben! Die reißen doch nur die alte Strickwarenfabrik ums Eck ab!“

„Warum reißen die denn die Strickwarenfabrik ab? Brauchen die Nürtinger keine Kleider mehr? Ist es denen zu warm? Wollen die jetzt immer nackt rumlaufen?“

Der Andreas musste lachen. „Das wäre ja noch schöner! Lauter nackte Nürtinger! Nein, Paula. Keine Bange. In dem Haus war schon lange keine Strickwarenfabrik mehr drin. Da waren jetzt andere, kleinere Firmen drin. Und der Kunstverein hat dort seine Bilder ausgestellt. Jetzt kommt das Haus weg. Es wird ein neues Wohnhaus hingebaut.“

„Ach so“, habe ich laut überlegt. „Da ist schon lange keine Strickwarenfabrik mehr drin? Dann brauchen die Nürtinger schon lange keine Kleider mehr? Tragen die dann immer noch die alten?“

Der Andreas musste wieder lachen. Er hat gesagt: „Nein, nein, Paula. Unsere Kleider müssen ja nicht unbedingt hier hergestellt werden. Wir können ja auch Kleider von woanders kaufen. Heute kaufen wir ja sowieso Waren aus der ganzen Welt. Ich erkläre dir das.

Also, pass’ mal auf: Nürtingen war früher mal die Stadt der guten Strickwaren. Das ist aber schon lange her. So ungefähr vor 130, 140 Jahren, zur Zeit des Wilden Westens, gab es in Nürtingen die ersten Strickfabriken. Es wurden immer mehr aufgemacht. Dort gab es richtige Strickmaschinen mit vielen, vielen Nadeln. Meistens habe hier Frauen an den Maschinen gearbeitet. Die Maschinen waren ganz neu. Denn die Menschen haben damals immer mehr Maschinen erfunden. Damit haben die Fabriken lange, lange Jahre viel Geld verdient. Und auch die Arbeiterinnen und die Arbeiter haben damit ganz gut verdient. Wir können ja gleich mal in unser Stadtmuseum schauen. Dort gibt es solche alten Strickmaschinen.“

Das haben wir dann auch gemacht. Das war sehr interessant. Die Maschinen mit ihren Nadeln haben richtig gefährlich ausgesehen.

Der Andreas hat mir dort weiter erklärt: „Später haben auch andere Länder weit weg solche Strickfabriken aufgemacht. Zum Beispiel in Asien. Man kann ja die Waren heutzutage ganz einfach mit Schiffen und Flugzeugen herbringen. Das ist ja kein Problem mehr. Deshalb wurden die letzten Strickfabriken hier in Nürtingen vor beinahe 30 Jahren schon geschlossen. Die Länder sind noch heute viel, viel ärmer als Deutschland. Deshalb bekommen die Menschen für ihre Arbeit dort viel weniger als hier bei uns. Und so können die Waren dort viel billiger hergestellt werden. Unsere Kleiderfirmen hier lassen darum ihre Waren lieber dort stricken. Und dann verkaufen sie die Kleider bei uns für viel mehr Geld.“

Ich habe kurz überlegt. „Das ist ja fies“, habe ich dann gesagt. „Dann sollten sie den armen Leuten dort doch einfach mehr bezahlen. Hm, da bin ich froh, dass ich mein tolles Zeitungsgefieder habe und keine Kleider kaufen muss! Man sollte von denen gar keine Kleider kaufen!“

„Na ja, Paula“, hat mir der Andreas weiter erklärt, „ganz so hart sollte man das nicht sehen. Die Menschen dort wollen und müssen ja etwas arbeiten. Und dort kosten die Sachen auch nicht so viel. Sie müssen also nicht so viel Geld für Essen und so ausgeben wie wir. Wenn wir keine Kleider von dort mehr kaufen, haben die gar nichts zu arbeiten. Und dann werden sie noch ärmer. Aber die sollten schon richtig anständig bezahlt werden – damit sie dort gut leben können. Da hast du recht. Man sollte nur Kleider von Firmen kaufen, die sie richtig bezahlen. In manchen Firmen müssen aber auch Kinder arbeiten und Klamotten herstellen. Solche darf man natürlich nicht kaufen. Darauf muss man achten.“

„Die lassen Kinder arbeiten? Aber wann denn? Nachts? Die gehen doch zur Schule!“, habe ich ganz aufgeregt losgeschnattert.

„Leider nicht, Paula. Viele Kinder dürfen nicht zur Schule. Die müssen den ganzen Tag für wenig Geld arbeiten. Und weil sie nicht Schreiben, Lesen oder Rechnen lernen, bekommen sie auch nie eine bessere Arbeit. Aber manche Menschen kämpfen gegen die Kinderarbeit. Zum Beispiel ein Mann aus Indien. Der heißt Kailash Satyarthi. Er hat gestern einen tollen Preis dafür bekommen: den Friedensnobelpreis. Tja, und auch ein Mädchen aus Pakistan hat so einen Preis bekommen. Die heißt Malala Yousafzai und ist erst 17 Jahre alt. Bei ihr zu Hause dürfen Mädchen oft nicht in die Schule. Da gibt es so böse Typen. Die behaupten, ihr Gott will das nicht. Das ist natürlich Quatsch. Aber die Kinder leiden darunter. Die Malala wollten die Typen sogar töten. Sie musste das Land verlassen.“

Da habe ich mir überlegt: Uns geht es schon sehr gut hier. Denn alle Kinder dürfen alles lernen. Eure Paula

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