Paulas Nachrichten

Paula will keine Eisbären-Wache schieben

08.09.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

in dieser Woche bin ich wieder einmal zum Andreas in die Redaktion gewatschelt. Er war da. Und das ist schon ein bisschen seltsam. Normal ist er nämlich im Sommer immer lange im Urlaub.

Ich habe geschnattert: „He, was ist denn mit dir los? Machst du dieses Jahr keine große Reise? Hast du keine Lust mehr? Oder warst du schon überall?“

Der Andreas musste ganz lieb lachen. Dann hat er gesagt: „Nein, nein, liebe Paula. Ich habe schon Lust. Aber man kann ja auch mal nicht im Sommer gehen. Man kann ja auch mal im Herbst in den Urlaub gehen oder so. Ja, und ich war natürlich noch lange nicht überall. Da muss ich noch eine Weile herumreisen. Es gibt schon noch weiße Flecken auf meiner Reiselandkarte.“

Ich habe den Andreas erst einmal ganz groß angeguckt. Ihr wisst schon: Ich habe ihn nicht so richtig verstanden. Dann habe ich wieder geschnattert: „Na, das ist doch klar! Weiße Flecken gibt es auf jeder Landkarte. Das sind die Gebiete mit Eis! Also der Nordpol. Und der Südpol. Das ist doch nichts Besonderes.“

Der Andreas hat mit dem Kopf genickt. „Ja, meine schlaue Zeitungsente! Das ist gar nicht so falsch. Aber so richtig ist es nicht. Auf Landkarten sind die Eisgebiete und die Gletscher und so wirklich weiß eingezeichnet. Aber das sind nicht die weißen Flecken. Weiße Flecken nennt man unbekannte Gebiete. Das hat man früher so gemacht. Die Menschen aus unserem Europa kennen ja nicht schon immer die ganze Welt. Deshalb sind ungefähr so vor 500 Jahren, also kurz nach der Ritterzeit, die Entdecker mit ihren Schiffen losgefahren. Die haben nach ihren Reisen immer Landkarten gezeichnet und . . .“

„Ah, jetzt weiß ich es“, habe ich losgeschnattert und den Andreas unterbrochen, „auf diesen Landkarten haben sie auch weiße Flecken gemalt. Überall wo sie noch nicht waren. Da konnten sie ja dazu nichts einzeichnen!“

„Na, du bist ja wirklich eine schlaue Zeitungsente!“, hat mich der Andreas gelobt. „So war das wirklich. Die haben dann einen weißen Fleck nach dem anderen weggemacht. Ich meine mit weißen Flecken auf meiner Reiselandkarte natürlich etwas anderes. Das sind bei mir einfach Länder und Gegenden, in denen ich noch nicht war. Na ja, man kann ja auch wirklich nicht überall hin. Ich reise dann in Gedanken immer gerne auch mit anderen mit.“

Das hat mich an eine interessante Geschichte erinnert, liebe Kinder. Ich habe zum Andreas gesagt: „So wie damals mit dem Polarforscher, gell!“

Es gibt nämlich so einen Typen aus Nürtingen. Der Andreas kennt den sehr gut. Der heißt Lars. Und der war mal gaaaaaanz lange auf einer Station in der Antarktis. Der Andreas hat dann immer über ihn berichtet. Das war auch sehr interessant. Und letztes Jahr war der Lars an Weihnachten mit einem Eisbrecher unterwegs. Das ist ein ganz besonderes Schiff. Es kann Eis auf dem Meer zerbrechen.

„Ja“, hat der Andreas gesagt, „schön, dass du dich an den Lars erinnerst. Der ist gerade wieder unterwegs.“

Ich habe den Andreas wieder ganz groß angeguckt. Dann habe ich gesagt: „Schon wieder? Aber nicht mit dem Eisbrecher. Es ist doch Sommer!“

„Doch“, hat der Andreas geantwortet, „er ist schon wieder mit dem Eisbrecher unterwegs. Mitten im Sommer! Du hättest deinen Sommerurlaub mit ihm im ewigen Eis verbringen können! Er fährt zum Nordpol. Da ist das Meer immer zugefroren. Dann wäre die Arktis kein weißer Fleck mehr auf deiner Reiselandkarte, liebe Paula! “

„Äh, ja, äh, toll“, habe ich geantwortet, „und was macht er da?“

„Na ja“, hat der Andreas erklärt, „er ist mit Forschern unterwegs. Die erforschen den Einfluss vom Eis auf Wolken.“

„Ah“, habe ich gemeint, „das ist interessant. Und was sollte ich da machen?“

„Du hättest dem Lars helfen können“, hat der Andreas gesagt.

Und ich habe geantwortet: „Klar. Aber bei was? Ich bin ja jetzt nicht so eine Polarforscher-Ente. Ich bin Zeitungsente.“

„Na ja“, hat der Andreas gesagt und ganz frech gelächelt. „Du hättest ihm zum Beispiel bei der Eisbärenwache helfen können.“

„Was?“, habe ich gaaaaanz laut losgeschnattert, „das ist doch gefährlich. Latschen die Eisbären dann einfach über das Eis zum Eisbrecher-Schiff? Und ich soll da auch noch Wache halten?“

„Genau“, hat der Andreas gelacht, „wenn du nämlich so laut schnatterst, hauen die Eisbären ab. Das ist auch die Aufgabe von der Eisbären-Wache. Der Lars muss das auch manchmal machen, wenn die Wissenschaftler auf dem Eis herumlaufen. Dann gucken die mit einem Gewehr bewaffnet nach Eisbären. Sie können die Forscher schnell warnen. Die kommen dann aufs Schiff zurück. Und dann machen sie Krach. Mit einem Signalhorn. Mit Schüssen mit Platzpatronen und so. Und dann hauen die Bären ab.“

„Ah“, habe ich gemeint, „das ist ja gut. Dann brauchen die gar keine schnatternde Zeitungsente. Dann kann ich ja hierbleiben.“ Eure Paula

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