Paulas Nachrichten

Paula will erst einmal Zeitungsente bleiben

28.02.2015, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Hallo, liebe Kinder,

vor Kurzem wollte ich wieder einmal den Andreas in der Redaktion besuchen. An seinem Platz habe ich ihn nicht gefunden. Aber hinter mir habe ich eine Stimme gehört: „Na, Paula, das ist aber schön, dass ich dich auch mal zu Gesicht bekomme. Du bist die erste Zeitungsente, die ich treffe!“

Sofort wollte ich wissen, wer da mit mir spricht. Ich habe mich umgedreht und ein Mädchen gesehen. „Wer bist du denn und was machst du hier? Hast du den gleichen Beruf wie der Andreas? Aber du bist doch noch so jung. Die anderen Redakteure wissen doch bestimmt viel mehr als du.“

Da hat das Mädchen gelacht. Und dann hat es sich vorgestellt: „Ich bin die Pauline und ich bin noch keine Redakteurin. Ich mache hier gerade mein Praktikum.“

„Dann heißt du ja fast wie ich“, habe ich mich gefreut. Doch das andere habe ich nicht so ganz verstanden. „Was ist denn daran praktisch, dass du noch keine Redakteurin bist?“

„Praktikum kommt vom lateinischen Wort ,practica‘, das bedeutet ,Ausübung‘. Ich probiere hier einen Beruf aus. Ich darf hier bei der Zeitung Recherchieren, Fotografieren und Artikel schreiben. Wenn sie gut sind, darf ich sie sogar veröffentlichen. So kann ich Eindrücke über das Leben in der Redaktion gewinnen – das wiederum ist praktisch.“

Das habe ich verstanden. „Aber was ist dann mit der Schule? Musst du dann nicht mehr hin? Kannst du auch bei den Astronauten alles ausprobieren? Oder bei der Feuerwehr?“

Pauline hat mir erklärt: „Ich habe letztes Jahr mein Abitur gemacht – du weißt schon, die letzte große Prüfung in der Schule. Danach kann man studieren. Ich weiß noch nicht, was ich studieren und mal werden möchte. Deshalb bin ich hier.“

Da habe ich genickt. Denn vom Studieren hat mir der Andreas auch schon mal etwas erzählt. Trotzdem wollte ich wissen, wie das mit den Raumfahrern und Feuerwehrleuten ist.

„Ich möchte ja später gar nicht ins Weltall fliegen oder Brände löschen“, hat Pauline gesagt. „Das sind zwar tolle Berufe, aber für mich sind sie nichts. Ich mag es lieber, mit Schrift, Sprache und Menschen zu arbeiten. Deswegen bin ich bei der Zeitung gelandet. Aber erzähl mal Paula, was möchtest du denn werden?“

Empört habe ich geschnattert: „Was ich mal werden will? Das weißt du doch! Ich bin doch schon Zeitungsente! Und das musste ich nicht testen. Das wollte ich schon immer sein. Außerdem könnte ich ja sonst den Andreas gar nicht mehr sehen!“

„Natürlich weiß ich, dass du eine Zeitungsente bist“, hat Pauline mich beruhigt. „Aber vielleicht möchtest du auch mal etwas Neues versuchen. Du wärst bestimmt eine prima Schauspielente im Theater. Oder würdest du vielleicht gern einmal in der Schule unterrichten, als Entenlehrerin? Dann müsstest du dich auch mal für ein Praktikum bewerben.“

„Wie, Werbung? Wieso soll ich denn jetzt Werbung machen? Das macht doch gar keinen Sinn!“, habe ich gemeint.

„Bewerben, nicht Werbung. Aber so falsch ist das gar nicht mit der Werbung. Denn bei einer Bewerbung machst du wirklich für dich selbst Werbung. Sagen wir mal, du möchtest wirklich alles in einem Theater kennenlernen. Du willst da mal Schauspielente sein. Dann musst du eine Bewerbung ans Theater schicken. Die Bewerbung besteht aus Papieren. Eins davon ist der Lebenslauf. Im Lebenslauf stehen alle wichtigen Daten über dich. Wann du geboren wurdest und wo. Und ein Foto von dir ist auch dabei. Außerdem kopierst du dein Schulzeugnis, Paula. Und am Ende musst du noch schreiben, warum du im Theater arbeiten möchtest. Schau mal: So hat meine Bewerbung für die Zeitung ausgesehen.“

Ich habe mir die Bewerbung von der Pauline genau angesehen. „Oh je, das ist viel Aufwand“, habe ich laut gedacht. „Warum kann ich nicht einfach anrufen und fragen? Der Andreas ruft von seinem Schreibtisch aus immer ganz viele Leute an und fragt ihnen Löcher in den Bauch. Wieso geht das denn nicht so?“

„Deine Bewerbung soll zeigen, dass es dir ernst damit ist. Ein Anruf reicht da nicht. Und wenn es viele Bewerber gibt, kann man die Papiere von allen miteinander vergleichen“, hat mir Pauline erklärt.

Und da ist plötzlich der Andreas hinter uns gestanden und hat mich ganz komisch angeschaut. „Ja, Paula, willst du denn nicht mehr hier bei der Zeitung sein? Das wäre aber schade“, hat er gemeint.

„Ich glaube, vorerst bleibe ich hier, ich will schließlich weiterhin den Kindern da draußen berichten, was ich alles so erlebe. Ich bin doch eine Zeitungsente.“

Da hat sich der Andreas gefreut. Und ich finde es es toll, dass die Pauline als Praktikantin bei der Nürtinger Zeitung sein darf. Eure Paula

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